meineSPD.net - Vernetz Dich in der SPD Community: Modulbezeichnung

zur SPD-Community
 

Jesus Christus

Foto: Rudolf Starosta
 
von Rudolf Starosta

Über dieses Blog

Was glauben Menschen?

Jesus sagte: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben (Joh 14, 6)". Was passiert, wenn ich das wörtlich nehme und mich darauf einlasse?

Im Hamburger Programm bekennt sich die SPD zu ihren Wurzeln im Christen- und Judentum. Jesus Christus war Jude - passt doppelt!

Foto: Rudolf Starosta
von Rudolf Starosta | 13.04.2008 | 07:43 Uhr

Jubilate, Du sollst nicht töten (2Mo 20,13)

Der 3. Sonntag nach Ostern heißt Jubilate, auf Deutsch Jubelt. Mir fällt gerade nichts zum Jubeln ein. Im Gegenteil, mit Bedauern beobachte ich, wie auch in der SPD die Falken an Einfluss gewinnen. Ich meine damit nicht die kleinen Genossen, unsere Jugendorganisation, sondern diejenigen, für die Krieg ein zulässiges Mittel der Politik ist.

Scheibchenweise wird es in Afghanistan immer kriegerischer und ich habe keine Idee, wann dieser „Einsatz“ zu Ende sein soll. Wie lauten die Kriterien, nach denen bestimmt wird, wann sich die deutschen Soldaten zurückziehen werden? Soll Afghanistan unter dem Deckmantel er humanitären Hilfe eine deutsche Kolonie werden?

Bei all dem Gerangel um die „Mitte“ hoffe ich inständig, dass die Mehrheit in der SPD an diesem Punkt deutlich links also pazifistisch bleibt. Angela Merkel, die die „Mitte“ für sich gepachtet hat, hatte sich im Vorfeld des Irakkrieges darum gerissen hinter George Bush her marschieren zu dürfen. Damit ist sie für mich für alle Zeiten unwählbar geworden. Zum Glück war Genosse Gerhard Schröder diesem Anfall von Wahnsinn nicht verfallen.

Im Hamburger Programm findet man den Satz: „Obwohl viele entschiedene Pazifisten die Sozialdemokratie als politische Heimat betrachtet haben, war sie nie eine pazifistische Partei.“ Ich glaube, diese entschiedenen Pazifisten wären Jesus Christus am nächsten gewesen.

Da das Neue Testament erst ab 100 Jahren nach Jesu Tod aufgeschrieben wurde, gehe ich von einer recht großen Unschärfe aus, was er wirklich gesagt hat und was den Autoren später passte, dass er es gesagt hat. Gleichwohl fällt mir nur eine einzige Stelle im Neuen Testament ein, Mt 10, 34, in der sich Jesus kriegerisch gibt: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ Allerdings geht es an dieser Stelle mehr darum, dass es, nachdem man sich für Jesum entschieden hat, zu Anfeindungen kommen kann.

Die Stellen, an denen Jesus strikt pazifistisch erscheint, überwiegen bei weitem. Spontan fällt mir die Bergpredigt ein Mt 9, 5:„Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ oder ganz berühmt ist auch Mt 5, 39: „Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.“

Kommentare (12)

Foto: Sascha Voß
von Sascha Voß | 13.04.2008 | 23:52 Uhr

Wo wird es in der SPD denn bitte kriegerischer? Wohin drängen uns die "Falken" denn, unsere Armee zu schicken?

Wir haben Truppen in Afghanistan, weil ein korruptes Feudalregime es zugelassen und unterstützt hat, dass ein asymetrischer Krieg von seinem Boden aus gegen "westliche" Nationen begonnen wurde.

Die Kämpfer des alten Systems versuchen natürlich, die Macht im Land wieder an sich zu reißen und konnten ihre Kräfte sammeln, weil Kräfte der NATO im Irak aufgezehrt werden und der Krieg in Afghanistan vernachlässigt wird.

Natürlich könnten wir unsere Soldaten abziehen, aber wäre das dann der herbeigewünschte Frieden? Wenn in 5 Jahren alles beim alten ist und die nächsten Attentate folgen? Und 5 Jahre sind da eine Zeitspanne, in der das alte Regime wieder fest etabliert wurde, was nicht heißt, dass es solange keine Anschläge gibt.

Und Kolonie? Sind Deutschland oder Japan Kolonien geworden, weil die USA seit dem 2. Weltkrieg Kasernen hier bzw. dort haben?
Kolonien sind politisch abhängig vom Mutterland. Wir sind in vielen Punkten mit den USA und anderen Partnern verschränkt, aber politisch abhängig sind wir nicht [OK, über diesen Punkt kann man streiten].
Genausowenig versuchen wir, Afghanistan von uns abhängig zu machen.
Schon rein technisch ist eine Kolonialisierung durch ein internationales Bündnis quasi unmöglich.
Schon in der Verfassungs- und Regierungsdebatte hat man gesehen, dass unser Einfluss nicht sehr groß ist (über die Punkte des Konsens der NATO-Staaten hinaus).

Niemand in der "Mitte" will leichtfertig Soldaten in Gefahr bringen. Jeder Einsatz birgt die Möglichkeit, dass Menschen in Zinnsärgen zurückkehren.
Jeder Marschbefehl ist ein potentielles Todesurteil.
Aber Frieden ist nuneinmal nicht die Abwesenheit von Krieg. Und es gibt Dinge, die sind wichtiger, als JETZT keinen Krieg führen zu müssen.

Und wenn man den geduldigen Papieren der Linkspartei glauben kann, sind das natürlich die entschiedensten Pazifisten. Aber ob sie deshalb Jesus am nächsten sind?

Foto: Rudolf Starosta
von Rudolf Starosta | 15.04.2008 | 17:53 Uhr

Lieber Sascha,

danke für den Kommentar. Er hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Du einer der Falken bist, die ich meine. Die Bundeswehr ist zur Verteidigung der Bundesrepublik gedacht. Dass in Deutschland der Verteidigungsfall eintritt, weil zivile Flugzeuge, die von Flughäfen in den USA starten, von Kriminellen in Ziele in den USA gelenkt werden, halte ich als Begründung genauso für konstruiert, wie die Massenvernichtungswaffen im Irak, die nie gefunden wurden. Nicht konstruiert sind die vielen unschuldigen Toten. Die sind wirklich tot.

Ich weiß nicht, wie viele Afghanen schon von deutschen Soldaten getötet wurden, aber mir ist definitiv kein Fall bekannt, dass in Deutschland jemand von Afghanen staatlich organisiert getötet wurde. Wenn demnächst die erste Kofferbombe von einem Afghanen in Deutschland gezündet wird, weil deutsche Soldaten in seinem Land organisiert Gewalt anwenden, dann werde ich mich mit Dir über Ursache und Wirkung streiten müssen – sofern Du oder ich nicht zu nah an der Kofferbombe waren, als sie hochging.

Also was muss geschehen, dass die deutschen Soldaten abgezogen werden? Wann ist der „Verteidigungsfall“ beendet? Wie kommt man dort hin?

Noch steht im Hamburger Programm: „Frieden bedeutet für uns mehr als die Abwesenheit von Krieg.“ Und etwas später liest man ebendort: „Krieg darf kein Mittel der Politik sein.“ Wir brauchen uns dieser Position nicht zu schämen, auch wenn sie links von der Mitte ist, wir sollten stolz darauf sein.

Jesus soll gesagt haben: „Wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.“ (Mt 26, 52)

Mit solidarischem Gruß
Rudi

Foto: Sascha Voß
von Sascha Voß | 16.04.2008 | 17:11 Uhr

Warum auf eine explodierende Bombe warten?
Die platzierten in Köln, der geplante Anschlag in Straßburg, die Anschläge in London und Madrid sollten ja Anlass genug sein (wobei London und Madrid v.a. mit dem Irak zu tun haben).
Ursache und Wirkung gehen weit zurück, auf die amerikanische Präsenz im Nahen Osten, den "Kultur"-Export und die Unterstützung verschiedener Herrscher, allen voran die Saudis. Vielleicht noch weiter.

Fakt ist: eine kriminelle Organisation, die von einem rechtsfreien Raum aus Anschläge gegen Bürger in verbündeten Staaten oder uns plant und durchführt, ist eine Bedrohung, die wir nicht hinnehmen können.

Natürlich hat die "staatliche Seite" Afghanistans selbst keine Aggression begangen. Sie hat Al Quaida aber unterstützt und gewähren lassen.
Outsourcing at its best.

Und dann haben wir, die NATO, versucht, die Herrscher in Kabul zu vertreiben und demokratische Strukturen in Afghanistan einzuführen, zumindest aber eine starke Regierung, die das Gewaltmonopol an sich reißt und Verantwortung für das Land übernimmt.
Und das dauert.
Aber anders geht es nunmal nicht.

Wie hätte die Alternative zum Krieg ausgesehen? Die afghanische Regierung weiterhin Bitten, etwas gegen Al Quaida zu tun, obwohl sie keine Anstalten machte, irgendwas in der Richtung zu tun?
Beten, dass die Selbstmordattentäter  die USA immer ein bisschen mehr hassen als uns? Das es einen Briten erwischt und keinen Deutschen?

Das Schwert nicht zu nehmen heißt nicht, dass man nicht trotzdem durch das Schwert umkommt.

Krieg nicht als Mittel der Politik zu sehen heißt, militärische Gewalt nur zu unserem Schutz einzusetzen. Nichts anderes haben wir getan. Wir übernehmen das Land nicht, wir beuten es nicht aus, wir unterjochen niemanden.
Und sobald es in Afghanistan eine Regierung gibt, die sich ohne unsere Hilfe durchsetzen und halten kann, können wir uns geordnet zurückziehen.

Foto: Christoph Brodhun
von Christoph Brodhun | 17.04.2008 | 11:27 Uhr

Im Rahmen eines der Ideale des Sozialismus, der Solidarität, sind Auslandeinsätze der Bundeswehr im Prinzip gerechtfertigt, da auf diese Art und Weise der leidenden Zivilbevölkerung humanitäre Unterstützung geleistet werden kann, wie es schon im Rahmen der ESVP angedacht ist, der wir uns zudem als stärkstes Land der EU ohnehin nicht verschließen können!

Wie kann man denn in einem solchen Punkt glauben, dass mit einer isolationionistischen Politik der Welt am meisten geholfen sei?

Das ist ja auch die widersprüchliche Haltung der Lafontaine-Partei. Einerseits stellen sie sich als die Gralshüter des Sozialismus hin, propagieren internationale Solidarität, wollen aber die Menschen in Gebieten wie Afghanistan mit der Forderung einer isolationistischen Außenpolitik (eine ihrer nationalen Komponenten, die vorhanden sind) vor die Hunde gehen lassen. Das ist sowas von verlogen.

Und auch ich bin Christ, Katholik. Und ich denke, dass die Bundeswehr u.a. dazu nötig ist, die freie Arbeit der NROs in solchen Gebieten zu gewährleisten.

Der Einsatz ist folglich gerechtfertig. Und aus Sicht des Sozialismus und des Christentums (das Nächstenliebe propagiert) durchaus legitim.

Und Afghanistan als deutsche Kolonie ... Uff, das ist aber übelste Polemik. Selbst der Alldeutsche Verband (eine ehem. völkisch-nationale Organisation, die Kolonien forderte), hätte kein Interesse an einem Krisenland wie Afghanistan gehabt. Also sollte man die Kirche im Dorfe lassen.

Foto: Rudolf Starosta
von Rudolf Starosta | 17.04.2008 | 12:08 Uhr

Lieber Genosse Sascha,

danke für den neuerlichen Kommentar. Nun musste ich schmunzeln. Ich denke, wir werden kaum zu gemeinsamen Ansichten kommen, was den Einsatz von Soldaten angeht. Gleichwohl hoffe ich, dass Du es nach etwas Nachdenken selbst eher lustig findest, wegen eines Anschlags, der von Libanesen verübt wird, in Afghanistan Krieg zu führen, um bei Deinem Beispiel Kofferbombe in Köln zu bleiben.

Und damit sind wir auch schon bei einem Lösungsvorschlag, den ich zu bieten habe. Wir müssen Straftaten angemessen, problem- und zielorientiert verfolgen. Wenn ich erlebe, wie achselzuckend der Tot unschuldiger Menschen in Kauf genommen wird, mit der Begründung das seien unvermeidbare Kollateralschäden, dann frage ich mich, was eben diese Leute, die Kollateralschäden in Kauf nehmen, sagen würden, wenn ihr Haus bombardiert würde, weil sich in ihrem oder dem Nachbarhaus ein Terrorist aufhält.

Mein Tipp ist, dass es in Kabul nie eine Regierung geben wird, die uns garantieren wird, dass es nicht irgendwo in den afghanischen Bergen ein Ausbildungslager der Taliban gibt - ich wünschte, ich könnte in Anbetracht dessen auf meiner Steuerkarte ankreuzen, wofür „meine“ Euros hingegeben werden ;-)

Heute Abend werde ich für alle Menschen und besonders für Dich und mich beten, dass wir keinem Bombenanschlag zum Opfer fallen und dass uns viele Ideen kommen, wie wir uns in allen Lebensbereichen aus Gewaltspiralen befreien können.

Mit solidarischem Gruß
Rudi

Foto: Rudolf Starosta
von Rudolf Starosta | 19.04.2008 | 20:00 Uhr

Lieber Genosse Christoph,

danke für den „christlichen“ Kommentar. Dass die Bundeswehr helfend auftritt und z.B. bei Hochwasser Dämme errichtet wie bei der Elbeflut 2002, finde ich gut; nur dafür wurde sie nie gegründet und Panzer und Tornados braucht man dafür bedingt – oder besser gar nicht.

Auf die Idee, dass Deutschland isolationistisch sein könnte, bin ich bei den vielen Verknüpfungen ins Ausland sei es politisch, wirtschaftlich, touristisch oder kulturell noch nicht gekommen. Sich isolieren und Krieg führen haben für mich erst einmal nichts mit einander zu tun.

Oskar Lafontaine hat die deutsche Sozialdemokratie mit geprägt und war über drei Jahre Vorsitzender unserer Partei. Seitdem er sie verlassen hat, geht es mit uns zumindest „stimmenmäßig“ bergab. Er hat ein Loch hinterlassen, das bisher nicht gefüllt wurde. Der Versuch die CDU rechts überholen zu wollen, hilft wenig. Vermutlich hältst Du das auch für Polemik. Ich habe nichts gegen Polemik. Sie spitzt zu und macht Dinge aussprech- und denkbar. Etwas als „übelste Polemik“ zu bezeichnen ist oft in sich selbst „übelste Polemik“.

Natürlich ist Afghanistan keine deutsche Kolonie. Es fehlt der Nationalismus. Es gab englische, französische, belgische usw. Kolonien. Aber versuche mal den Begriff Kolonie zu definieren und schon wirst Du merken, wie treffend er die Situation beschreibt. Staatlich organisiert marschieren Truppen auf fremden Territorien ein und tun so, als wenn die einheimischen Bewohner nicht in der Lage sind, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Wenn Kolonie kein gutes Wort dafür ist, nenn mir ein besseres.

Mit solidarischem Gruß
Rudi

Foto: Sascha Voß
von Sascha Voß | 20.04.2008 | 00:29 Uhr

Zum Schmunzeln finde ich das kaum.

Es handelt sich, wie bereits mehrfach erwähnt wurde, um eine Verbrecherorganisation. Wohlgemerkt um eine internationale. Der Mann, der den Afghanistan-Krieg ausgelöst hat, ist schließlich auch aus Saudi-Arabien. Ob die Attentäter also Libanesen, Marokkaner oder konvertierte Schwaben sind, macht da keinen Unterschied.

Wenn man "Straftaten angemessen, problem- und zielorientiert verfolgen" will, auf fremdem Staatsgebiet, dann sind die Möglichkeiten begrenzt. Wenn der andere Staat kooperiert ist alles in Ordnung, wenn er "mauert" wird das die Beziehungen zwischen den Staaten verschlechtern. Im zweiten Fall also muss man entweder das ganze hinnehmen, weil den Verbrechern unter dem Schutz einer Regierung in einem "mächtigen" Staat nicht beizukommen ist; höchstens die Geheimdienste können dagegen anwirken, aber das hilft in der Gesamtsituation nicht weiter, weil beide Nationen einen "Kalten Krieg" führen (wie in DEM Kalten Krieg geschehen).
Wenn der Staat aber, wie in Afghanistan, nicht abschreckend genug ist, weil nicht mächtig genug, geht es kaum zielorientierter als durch einen Regimewechsel, der ja ganz nebenbei auch ein positiver Nebeneffekt in sich selbst ist.

Sicher wird es weiterhin auf der Welt Orte geben, die schwer zugänglich und kaum kontrollierbar sind.
Aber die Zugänglichkeit wirkt auf beide Seiten: Eine Regierung in Kabul kann vielleicht die Bergregionen nicht effektiv kontrollieren, aber Al-Quaida muss mehr Mittel dafür aufwenden, ihre Infrastruktur, Logistik und Ausbildungslager in diesem schwierigen Gelände aufrechtzuerhalten.

Man kann das z.B. in Kurdistan sehen: Die PKK kann sich in der kurdischen Bevölkerung "wie der Fisch im Wasser" bewegen, aber die regelmäßigen Scharmützel mit Patrouillen und das hin- und wieder aufgetane Waffenversteck zehren an den Kräften.

Und nochmal zur Kolonie: Der m.E. wichtigste Aspekt einer Kolonie ist die politische Abhängigkeit vom Mutterland.
Die systematische Angliederung der Kolonie zum Wohle der Führungsnation, die sich in allen 3 Gewalten ausdrückt.
Davon kann in Afghanistan keine Rede sein. Wir heben keine Truppen aus, wir bilden sie aus, aber sie stehen unter afghanischem Befehl. Wir haben keine hohen Beamte, die über Afghanistan regieren, sondern wir haben Berater, die beim Aufbau des Staates helfen. Aber Afghanen treffen die Entscheidungen in Afghanistan und für Afghanistan (das ist zumindest das Ziel).

Zu sagen, Afghanistan ist eine deutsche Kolonie ist so absurd wie zu sagen, Afghanistan ist ein deutscher Bilderrahmen. Ich glaube nicht, dass es einen richtigen Begriff für dieses Konstrukt gibt. Aber ich würde in die Richtung einer "jungen Demokratie" gehen, die Hilfe von erfahreneren erhält.

Gravatar von Peter Weigelt
von Peter Weigelt | 21.04.2008 | 10:31 Uhr

Sascha,

am Besten ist wohl dein Verweis auf die Kurden - soll das heißen, die hätten kein Recht auf einen eigenständigen Staat?

Das Kurdengebiet der Türkei ist um keinen Deut anders zu betrachten als Tibet.

Und ganz nebenbei - ohne die Terroristen (israelische) gäbe es kein Israel. Das haben nur die meisten schon vergessen - bzw. sie lesen nicht gerne in Geschichtbüchern.

In Afganistan hat die USA die "Westlichen Staaten" in den Krieg gezwungen. Und den "Gegner" haben sie zuvor auch erst mal dahingebracht. Ohne die USA hätte es keine Al Caida gegeben.

Afganistan ist für den Westen eine Ölpipeline - die militätisch gesichert wird - nicht mehr und nicht weniger. Weil der liebe Gott leider "unser" Öl an den falschen Stellen in der Welt verbudelt hat - wie Pispers zu bemerken pflegt.

Und die "Menschenrechte" werden zur Rechtfertigung mißbraucht. Die War Lords herrschen heute und herrschten vor dem Einmarsch der selbsternannten "Verteidiger der Menschenrechte".

Die UNO Charta rechtfertigt solche Einsätze nicht. Deshalb hat man sich schnell eine so genannte "Afganische Regierung" auf dem Petersberg gebastelt.

Dem Eingangspost kann ich voll zustimmen - ich würde es allerdings als Neo-Kolonialismus bezeichnen.

Foto: Sascha Voß
von Sascha Voß | 21.04.2008 | 20:20 Uhr

Ich habe keine Aussage über die Motivation oder Rechtfertigung der kurdischen Kämpfer getroffen.

Terrorist oder Freiheitskämpfer ist immer eine Frage der Perspektive und wenn überhaupt, dann mit einem Blick auf die Motivation und Methoden der Kämpfenden zu betrachten.

Im Nachhinein würde kaum jemand die Resistance als Terroristen bezeichnen, aber die IRA? Die "Aum-Sekte"? Die Farc?

Die Mudschaheddin sind da das Extrembeispiel: Freiheitskämpfer gegen die Sowjets, jetzt Terroristen.

Wenn es uns nur um unsere Pipeline ginge, hätten wir uns den Krieg auch sparen können. Es ist nicht so, als hätten uns die Taliban den Hahn zugedreht; die haben genug Geld kassiert und hätten es weiter kassiert.

Das die Warlords noch herrschen und man einen langen, langsamen Wandel in Afghanistan abwarten muss, hat übrigens einen weiteren Grund: um das von jetzt auf gleich zu ändern wäre ein voller Bodenkrieg nötig. Dabei sterben viele Menschen auf beiden Seiten. Und das nur, damit es den Menschen in Afghanistan besser geht. Wie lange wäre eine Regierung im Amt, die soetwas zustimmen würde?

Gravatar von Peter Weigelt
von Peter Weigelt | 22.04.2008 | 11:35 Uhr

Sascha,

du hast meinen Verweis auf die Ölpipeline wohl nicht verstanden.

Afganistan wurde von den Amerikanern wegen der strategischen Lage besetzt. Da geht es mehr um den Iran, um China und um Rußland als um Afganistan. Die Unterstützung der Mudschahedin hatte keine andere Intention.

Und die mediale Verteufelung der Kurden hat den gleichen Ursprung. Heute läuft ein schöner Film - Lohn der Angst. Dieser Film wurde seinerzeit von unserer demokratischen Führung zensiert, um die Amerikaner nicht in ein schlechtes Licht zu stellen. Das funktioniert auch umgekehrt. ;-)

Foto: Rudolf Starosta
von Rudolf Starosta | 23.04.2008 | 19:17 Uhr

Lieber Genosse Sascha,

danke für den Kommentar vom 20.4.2008. Ich freue mich, wie ernst Dir die Sache ist. Deine Argumente überzeugen mich allerdings nicht besonders. Vieles bleibt konstruiert. Du darfst meines Erachtens auch nicht vergessen, dass wir der Kriegsberichterstattung unterliegen. Vieles, was scheinbar so griffig und logisch aussieht, ist nichts als Propaganda. Ich habe keine Idee, wer alles daran interessiert sein könnte, in Afghanistan Krieg zu führen. Ich mutmaße mal, dass es Generäle und Soldaten gibt, die froh sind, dass endlich mal was anderes los ist, als ständig in der Kaserne zu hocken. Es gibt vermutlich Firmen, die eine Menge Geld verdienen, wenn Ihre Produkte eingesetzt werden. Und es gibt wohl wirklich die Menschen, die davon überzeugt sind, ein gutes Werk zu tun. Der ein oder andere Mitspieler offenbart sich vielleicht erst in einigen Jahren, wenn sich niemand mehr über die alten Kamellen aufregt. Und all diese Parteien werden mir schlüssig darlegen, wie wichtig es ist, dass wenige Tote in Kauf genommen werden müssen, um noch mehr Tote zu verhindern.

Ich werde dann denken: „Du sollst nicht töten.“

Al-Qaida – gibt es diese Organisation überhaupt? Manchmal kommt sie mir wie ein Phantom vor. Eine Erfindung um einem einfach gestrickten Amerikaner zu erklären, wie schlecht die Welt ist.

Sehr viel Freude habe ich an Deinen Ausführungen zu Verbrecherorganisationen und deren Rückhalt in der Bevölkerung. Ich stelle mir vor, wie wir demnächst in Italien einmarschieren, weil dort zu wenig gegen die Mafia unternommen wird. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass sie gerade in Süditalien einen enormen Rückhalt in der Bevölkerung und der Verwaltung hat. Ich weiß, dass das gehässig ist und bitte gehe nicht darauf ein ;-)

Ich habe geschrieben Afghanistan ist KEINE deutsche Kolonie. Gleichwohl finde ich das Wort treffend, vor allem auch weil in ihm die Arroganz mitschwingt, mit der bis ins letzte Jahrhundert die Original-Kolonien behandelt wurden und die heute wiederum Voraussetzung ist, um ein Machtvakuum wie in Afghanistan wohlwollend und helfend, aber eben doch an den Einheimischen vorbei, nach eigenem Gutdünken zu füllen.

Mit solidarischem Gruß
Rudi

Foto: Sascha Voß
von Sascha Voß | 24.04.2008 | 19:02 Uhr

Moment, es geht nicht um Verbrecherorganisationen, die "ihr Ding" machen. Aber wenn z.B. die Camorra öffentlich zur Vernichtung des Staates Österreichs aufruft, Anschläge in Wien durchführt und Signore Berlusconi die Kooperation mit Österreich verweigert und/oder wirklich nichts gegen die Mafia tut, wäre die Option militärischer Mittel in Wien sicher offen. Das Beispiel ist natürlich abstrus und Italien wäre natürlich als EU-Mitglied einem ganz anderen diplomatischen Druck ausgeliefert, aber ich denke es wurde deutlich, wo die Unterschiede zwischen der Mafia und Al Quaida liegen.

Zur Existenz Al Quaidas: Natürlich ist die schwer zu greifen. Und sicher wird in den Medien (auch bei uns, in den USA z.T. lächerlich stark) vereinfacht. Aber man begibt sich da auf einen schwierigen Pfad:
"Geheimorganisationen" versuchen, ungreifbar zu bleiben und haben es einfach, weil man Mitglieder nicht erkennt und der "Verein" nirgends eingetragen ist.
Woher weißt Du, dass es die SPD gibt? Die Ortsvereine stehen im Vereinsregister, die Partei ist eine Rechtsperson mit Konten, sie hat eine Homepage, ein Parteihaus etc. Und sie hat Menschen, die sagen, dass sie zur SPD gehören.
Jetzt nimm eine kleine Partei: Gibts es die "Feministische Partei Die Frauen" wirklich? Steht vermutlich auch im Vereinsregister, hat wohl auch ne Homepage, ein Parteihaus eher nicht. Rechtsperson ist sie vermutlich auch, bekennende Mitglieder  gibt es.
Aber die PKK? Die hat nur bekennende Mitglieder. Und wer sagt uns, dass die bekennenden Mitglieder WIRKLICH Mitglieder der PKK sind und  keine Banditenbanden, die sich mit einer vorgeschobenen politischen Motivation Sympathien für ihre Raubzüge erschleichen wollen?
Woher weiß man von der Existenz der Mafia, von "angeblichen" hochrangigen Aussteigern/Kronzeugen angesehen?

Wenn Al-Quaida eine Erfindung eines amerikanischen "Geheimzirkels" ist, um ihren Reichtum zu mehren, dann ist das der Dümmste Plan aller Zeiten: Um soetwa durchzuziehen müssten diese Leute (vermutlich ältere weiße Männer in dunklen Anzügen) so reich und mächtig sein, dass ihnen an einer Änderung des Status quo nicht gelegen sein kann.

Und eine Bosheit muss noch erlaubt sein: Für jemanden, der der Welt zutraut, durch Kriegsberichterstattung und Propaganda so stark gelenkt zu werden, scheinst Du sehr fest an den Wahrheitsgehalt eines 2000 Jahre alten Buches zu glauben.

Beste Güße,

Sascha