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von Sebastian Finsel

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Hier geht es um Sozialdemokratie, das Leben im Allgemeinen und all die Dinge die sonst noch so passieren. Natürlich immer mit einem (kritischen) Blick nicht nur auf die SPD. Welche Themen mich am meisten interessieren könnt ihr ja beim Lesen herausfinden

Foto: Sebastian Finsel
von Sebastian Finsel | 15.05.2008 | 09:05 Uhr

Darf mensch den Dalai Lama treffen

Wenn es nach der Volksrepublik China ginge, dann dürfte niemand den Dalai Lama treffen. Vor allem Politiker anderer Staaten nicht. Denn China sieht Tibet als Teil Chinas an, und der Dalai Lama ist anderer Meinung. So weit, so gut.

Nur, muss mensch die chinesischen Wünsche hier respektieren? Oder anders gefragt: dürfen sich deutsche Politiker deswegen nicht mit dem Dalai Lama treffen? Anscheinend sind viele dieser Ansicht. Auch in der SPD.

Hier wird das geplante Treffen von Heidemarie Wieczorek-Zeul mit eben diesem Exiltibeter nämlich teils heftig kritisiert. So hat Fraktionsvize Walter Kolbow etwa Angst davor, China könne ein solches Treffen als "Affront" sehen. Er würde das Treffen lieber nicht stattfinden sehen. Jörn Thießen, seines Zeichens Verteidigungspolitiker, hält das Treffen gar "für einen schweren Fehler der deutschen Außenpolitik:"

Insgesamt müsse die deutsche Außenpolitik mehr Rücksicht auf die innere Lage Chinas Rücksicht nehmen, das ist der Grundtenor. Kolbow verweist gar darauf, das die Gewaltbereitschaft teilweise auch von Tibetern ausgehe. Letzteres ist sicherlich nicht ganz falsch - aber das ändert doch nichts daran, das China selbst auch immer wieder gewaltbereit ist, wenn es um seine "innere Sicherheit" geht. Oder?

Ich verstehe ja, das China ein großes und wichtiges Land ist - aber darf mensch diesem Land deshalb alles durchgehen lassen? Es mag ja sein, das China es nicht mag, wenn andere sich mit dem Dalai Lama (oder anderen Chinakritikern) treffen - aber muss mensch dementsprechend handeln?

Ich finde: Nein. China muss mit Kritik vernünftig umgehen lernen. Es kann nicht davon ausgehen, das die dortige Meinungszensur einfach so anderswo umgesetzt wird, nur, weil sie sonst verärgert werden. Wenn Heidi mit dem Dalai Lama reden möchte - soll sie. Es ist ihr gutes Recht.

Mehr zum Thema: www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,553365,00.html

Kommentare (8)

Foto: Sascha Voß
von Sascha Voß | 15.05.2008 | 18:37 Uhr

Inhaltlich gebe ich dir erstmal Recht (mit einer Einschränkung zur Haltung des Dalai Lama bezüglich der Zugehörigkeit Tibets zu China: es ist mein Verständnis, dass der Dalai Lama für mehr Autonomie, Glaubens- und Meinungsfreiheit sowie das Recht für eine kulturelle Identität der Tibeter steht, nicht für eine Abtrennung.).

Außerdem finde ich die Haltung der Kritiker an Heidi etwas lächerlich.
Die Kanzlerin hat den Dalai Lama empfangen. Dieses "Außenpolitische Tabu" ist also gebrochen, egal, ob man es befürwortet oder nicht.
Was machen FW und die anderen also? Werben wir in China für die SPD? Werben wir in der Wirtschaft, soweit sie in China Geschäfte macht, für die SPD? China ist nicht wahlberechtigt und jede Einflußnahme Chinas in dt. Wahlen ist abzulehnen. Und Wirtschaftsinteressen vor Menschenrechte zu stellen? Die SPD? Das ist obszön.

Foto: Guido Wenzel
von Guido Wenzel | 15.05.2008 | 19:45 Uhr

Ich bin sehr enttäuscht von der Einstellung vieler SPD-Politiker, die ein Treffen mit dem Dalai Lama ausschließen wollen und es für gefährlich halten. Ich halte eine Unabhängigkeit Tibets auch nicht für sinnvoll, aber religiöse und kulturelle Autonomie sollte für die SPD ein hohes Gut sein.
Aber es wäre natürlich einfacher, wenn man sich nicht mit China anlegen würde, sondern sich zum Beispiel mit Aung San Suu Kyi treffen könnte. Das kleine Myanmar ist ja kein wichtiger Handelspartner...

Foto: Dirk Dettmering
von Dirk Dettmering | 15.05.2008 | 23:36 Uhr

Hallo Sebastian,

ich habe dazu (zugegebenermassen überspitzt) die Frage gestellt "SPD, Freund der Despoten und Anti-Demokraten?"
In meiner Jugend war es immer die CDU, die Kontakt mit den Führern nicht wirklich demokratischer Staaten in Südamerika oder anderswo in der Welt unterhielt. Heutzutage hat sich das komplett geändert.
Das Verhalten unserer Parteioberen bezüglich des Tibetproblems ist auf alle Fälle eine Schande und ich schäme mich zutiefst für meine Partei!

Gruß

Dirk

Foto: Marcel Gehringer
von Marcel Gehringer | 16.05.2008 | 17:38 Uhr

Hallo @all

meines erachtens können sich die CDU`ler mit denn Dalai Lama rühmen dann würden sie sich wieder einmal mit einen Verbrecher rühmen.
Denn was die meisten nich wissen is das dass Dalai Lama Regime schlimmer war wie das des Maoistischen Chinas.

schaut mal http://daserste.ndr.de/panoram … ama74.html

sozialistische Grüße

Foto: Sascha Voß
von Sascha Voß | 17.05.2008 | 09:45 Uhr

Der Dalai Lama ist die Symbolfigur für die Freiheitsbemühungen der Tibeter, er ist nicht das Ziel.
Niemand trägt sich (hoffentlich) mit der Absicht, den Dalai Lama wieder als Gott-König einzusetzen und das Land auf den Status von vor 60 Jahren zu "resetten". Das ein weitgehend von der Außenwelt abgeschnittenes Feudalsystem rückständig und brutal im Vergleich zu seinem Umfeld wirkt, ist auch normal (Zumal der Unterschied zum Kaiserlichen China m.E. nicht so riesig ist).

Den Dalai Lama als Verbrecher und Absolutistischen Möchtegern-Herrscher zu bezeichnen, schadet jedenfalls den Autonomie-Bemühungen der Tibeter enorm, weil man unterstellt, diese wolle zurück zum alten System und hätte in 40 Jahren in der Welt nichts über Demokratie und Menschenrechte gelernt.

Was er mit seiner Kirche macht, interessiert mich dagegen herzlich wenig, wenn klar ist, dass eine mögliche Provinzregierung der Tibeter stärker vom religiösen Einfluss des Dalai Lama getrennt ist, als es jetzt, wo er eben das Aushängeschild der Bewegung ist, möglich ist.

Foto: Marcel Gehringer
von Marcel Gehringer | 17.05.2008 | 17:30 Uhr

@Sascha

eben nich, der Daia Lama bringt der Autonomie-Bewegung überhaupt nichts, das tibetische Volk soll eine eigene Exil-Regierung gründen. Die Mönchsfeudalisten sollen nich als Vertreter des Tibetischen Volkes auftreten. Der Daia Lama hat Menschrechtsverletzungen gemacht, diese waren nich besser wie der der Serben im Juguslawienkrieg. Ich weis ja net ob du denn Bericht von "panorama" gesehen hasst. Unter der Regierung des noch heute lebenden Daia Lama wurden Menschen weil sie ihren Gutsbesitzer nich gehorchten die Augen ausgestochen. Das soll eine Demokratische Bewegung sein, meines erachtens nich.

deswegen nieder mit denn Mönchsfeudalisten,
und Freiheit für das tibetische Volk

liebe sozi Grüße Marcel

Foto: Sascha Voß
von Sascha Voß | 17.05.2008 | 21:06 Uhr

Ja, ich habe den Beitrag gesehen.
Die Exilregierung ist gewählt. Natürlich nicht demokratisch einwandfrei, aber das kann man in einem besetzten Land auch nicht erwarten.
Das prominente Mönche vermutlich einen guten Teil davon ausmachen, ist bedauerlich, aber das muss man erstmal so hinnehmen [hat aber einen guten Grund: Sie waren nunmal die alte Elite, die sich mit den neuen Machthabern nicht arrangieren konnte; sie waren also kompetent, motiviert und nicht weiter beschäftigt, zumindest bei der Gründung in den 50ern]. Aber auch da gibt es Generationenwechsel.
Wobei ich offen zugebe, dass das educated guessing ist, ich hab mich nicht allzu tief eingelesen...

Das mit den Menschenrechtsverletzungen, also den Verstümmelungen und drakonischen Strafen im alten Tibet, muss man eben im Spiegel der Zeit sehen. Das meinte ich mit dem von der Außenwelt abgeschnittenen, rückständigen und brutalen Feudalregime. 1950 klingt "modern", aber 50 Jahre zuvor waren Verstümmelungen im Kaiserlichen China, im Zaristischen Russland etc. leider auch an der Tagesordnung.

Der Dalai Lama war 9 Jahre Herrscher von Tibet, inthronisiert mit 15 Jahren. Er hat die drakonischen Gesetze und "Traditionen" nicht erfunden oder eingeführt, die sind über Jahrhunderte gewachsen.
Man kann ihm also nur vorwerfen, nichts gegen diese Ungerechtigkeiten und Verbrechen getan zu haben. Aber ein junger Herrscher ändert nicht ohne Anlass die alten Gesetze seines Landes, in Palästen kriegt man außerdem vermutlich nicht allzuviel davon mit.
[Nochmal: Ich sage nicht, dass er nichts davon wußte, dass in seinem Land Menschen die Hände abgeschlagen und die Augen ausgestochen wurden. Aber er hat es als normal kennengelernt und in Einklang mit den Gesetzen seines Volkes.]

Aber nach 50 Jahren in Indien und ständigem Kontakt mit demokratischen Regierungen, nach den Wahlen der Exilregierung etc. hat der Dalai Lama m.E. durchgängig gezeigt, dass er ein demokratisches Tibet (in China) möchte, dass die Menschenrechte achtet und Freiheit ermöglicht.
Und das weder von einem Gott-König, noch wie in der "guten,alten Zeit" regiert wird.

Foto: Marcel Gehringer
von Marcel Gehringer | 18.05.2008 | 16:15 Uhr

Trotzdem er hätte diese Verstümmelungen verbieten können, diese Taten wurden unter seinen Namen vollbracht.