Mein Blog - Meine persönliche Sicht der Dinge

Über dieses Blog
Hier sollen nun in nächster Zeit einige kurze Essays zu Dingen erscheinen, die mich intereressieren. Auch kontroverse Sachen werde ich nicht aussparen. Man darf gespannt sein.
Der 20. Juli - Ein Tag, an den erinnert werden sollte
Heute jährt sich zum 64 Male der Jahrestag des gescheiterten Hitler-Attentates vom 20. Juli 1944. Da dies ein für die deutsche Geschichte nicht unwesentliches Ereignis war, möchte ich mit ein paar Sätzen darauf eingehen.
Die Bewertung des Attentates vom 20. Juli 1944 ist auch heute noch nicht abschließend geklärt. Waren Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitverschwörer nun selbstlose Helden für Gerechtigkeit und Menschlichkeit oder waren es machthungrige Militärs, die in letzter Minute versuchten ihren Kragen zu retten? Eine schwierige Frage und letztlich existieren für beide Varianten Argumente. Diese Frage böte Anlass zu einer seitenlangen Betrachtung, deshalb will ich beide Fragen so stehen lassen. Jeder ist dazu angeregt, darüber nachzudenken.
Es bleibt also ungeklärt, ob man Stauffenberg als wahren Nationalhelden bezeichnen könnte. Ich gehe jetzt aber einmal von einer eher positiven Intention aus. Unbestritten waren Stauffenberg und seine Mitverschwörer mutige Menschen, denen für ihren Mut und Willen, der Welt zu zeigen, dass es noch ein anderes Deutschland gibt, das nicht Unschuldige ermordet und barbarisch in der Welt Schaden anrichtet, Anerkennung gebührt. Dafür gehört ihnen Respekt gezollt. Egal, welchen Grund sie letztlich für ihr Attentat gehabt haben sollten. Es war eine mutige Aktion, die es zu würigen gilt. Hätte Stauffenbergs Bombe Adolf Hitler getötet und ein erfolgreicher Staatsstreich die Nationalsozialisten aus der Regeriung gestoßen, hätte man den Krieg möglicherweise beenden können. In den Kriegsjahren 1944/5 starben mehr Menschen, als in den Jahren 1939-1944 zusammen. Aber das Attentat ist gescheitert. Dennoch besitzt es eine hohe Symbolkraft.
Es sollte aber keine Stauffenberg-Verklärung einftreten. Man muss sich letztlich darüber im Klaren sein, dass Stauffenbergs Deutschland ein anderes gewesen wäre, als wir es heute kennen und für selbstverständlich halten. Sicherlich, die Barbarei hätte ein Ende gefunden. Aber eine Demokratie wäre wohl nicht entstanden. Wie die meisten Militärs hielt auch Stauffenberg nicht viel von dieser Staatsform und so ist wahrscheinlicher, dass aus dem neuen Deutschland - trotz einer Beteiligung von SPD-Politikern in der provosorischen Reichsregierung - eine Miliärdiktatur entstanden wäre. Vielleicht nur übergangsweise, aber eine wahre Volksherrschaft, auch nur eine indirekte, ist nicht als wahrscheinlich anzunehmen. Alles wäre damals besser gewesen, als die brutale Nazi-Tyrannis, aber heutigen Maßstäben eines gerechten und demokratischen Staates würde es nicht standhalten. Auch ist Stauffenberg lange Zeit ein Anhänger Hitlers gewesen und ließ sich, wie so viele Deutsche, von seinen Hass blenden. Wenn Stauffenberg zu Beginn des Kriges davon spricht, dass die Polen ein Volk seien, welches sich "nur unter der Knute wohlfühlt", dann lässt dies deutlich werden, dass Stauffenberg nicht unreflektiert zum Nationalhelden stilisiert werden sollte.
Dennoch, Stauffenberg und seinen Mannen gebührt Respekt und Dankbarkeit. Trotz allem war der 20. Juli 1944 auch mit seinem Scheitern einer der wenigen Tage während der Jahre 1933 bis 1945, an den man mit einem gewissen Respekt erinnern sollte. Auch an die vielen anderen Widerständler muss erinnert werden. Auch sie sind ein deutlicher Beleg dafür, dass in einer Zeit des Bösen auch das Gute lebendig bleibt.
Und das macht Hoffnung.
Kommentare (9)
Lieber Christopher,
ich gebe Dir überwiegend recht in Deiner Beurteilung.
Was mich seit vielen Jahren umtreibt, ist der "Bohei", der ausgerechnet um die dieses eine Attentat gemacht wird. Da finden Staatsakte statt, da will man Rekruten vereidigen usw. Kurz, da wird das Militär glorifiziert und für mich ist das immer noch der versuch, aus Mitschuldigen Unschuldige zu machen. Die Zerstörung der Weimarer Republik wurde im Wesentlichen von den Reichen und dem Hochadel, die um ihre "gesellschaftliche Stellung" bangten getragen. Da Adel und Militär häufig praktisch in Personalunion zu finden war, gilt nach wie vor die These, dass die Generäle davon ausgingen, dass man den "Gefreiten" schon unter Kontrolle behalten würde.
Ich wünschte mir, es würden symbolhafte Handlungen der Staatsführung am Todestag der Mitglieder der "weißen Rose" stattfinden statt am 20. Juli.
Trotz meiner positiven Einstellung zum Thema möchte ich doch noch ein paar nachdenklich stimmende Themen ansprechen:
Der Kreis um Stauffenberg hatte sich erst gegen das Regime gewandt, als der Krieg als verloren zu gelten hatte. Es geschah nicht aufgrund der Verfolgung von Minderheiten, deren "Vernichtung" o.ä. sondern vielmehr, weil die Regierung militärisch nicht leistete was sie erwarteten.
Desweiteren nahm u.a. Henning von Treschkow, Ia der Heeresgruppe Mitte, an illegalen Handlungen im Rahme seiner Tätigkeit als Beauftragter für die Partisanenbekämpfung im Rückraume der Gruppe teil (Verbrannte Erde, Exekutionen (obwohl diese eigentlich Kriegsrechtlich in Ordnung waren) teil und billigte auch durch seine Unterschriften die Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung.
Wäre das Attentat geglückt, so hätte das noch weitaus schlimmere Folgen für Deutschland gehabt, als ohne es. Die Lage an der Front, vorallem im Osten, war sehr kritisch. Ein Staatsstreich in einer solchen Situation ist und war untragbar - aus militärischer Sicht. Den kmpfenden Truppen derartig in den Rücken zu fallen...
Und auch das Bekenntnis der Alliierten, nur eine bedingungslose Kapitulation anzunehmen, sagt schon aus, dass auch eine neue Regierung keinen Frieden schaffen könne als auf diesem Wege. Aber selbst die Verschwörer wollten nur Hitler und sein Regime beseitigen, den Krieg jedoch fortführen.
Trotz allem verdient die Tat Respekt.
Grüße,
Pascal
"Den k[ä]mpfenden Truppen derartig in den Rücken zu fallen..."
Oh, mit dieser Aussage wäre ich vorsichtig.
Naja,wäre das Attentat geglückt, so hätte man die Front nicht halten können, da man Truppen htte abziehen müssen um das Landesinnere zu sichern.
Ich möchte hier auf Feldmarschall von Manstein verweisen.
Es wäre keine Schande gewesen, wenn das Miltär keinen Widerstand mehr hätte leisten können. Der Krieg hätte möglicherweise ein Ende gefunden und Millionen hätten weiterleben können.
Eine provosorische Reichsregierung hatte auch nicht vor den Krieg fortzuführen. Sie wollten ja kapitulieren.
Aus "Verlorene Siege" von Erich von Manstein, Seite 318
"(Es genügt) zu sagen, dass ich als Oberbefehlshaber an der Front den Gedanken an einen Staatsstreich im Kriege nicht in Erwägung ziehen zu dürfen geglaubt habe, weil er meines Erachtens zum alsbaldigen Zusammenbruch der Front und wahrscheinlich zm Chaos in Deutschland geführt haben würde."
Ganz zu schweigen davon, dass Göring testamentarisch immer noch Hitlers Nachfolger gewesen wäre und der Regierungsapparat bei weitem noch in Takt blieb, und SS wie SA, und wahrscheinlich auch Teile des Heeres, zum Gegenschlag in der Lage gewesen wären, da der Kreis um Stauffenberg keinerlei militärischen Rückhalt hatte. Beispiel wäre das Wachbattaillion, welches den Regierungsbezirk abriegeln sollte.
Aber wie gesagt, selbst die Außenpolitischen Bedingungen für einen Erfolg waren nicht gegeben.
Aber wir wollen ja nicht allzusehr an diesem bedeutenden Ereigniss rütteln... Dass überhaupt jemand was versucht hat, dass jemand die Lage ändern wollte, verdient unser aller Respekt.
Dass es eine Schande wäre keinen Wiederstand mehr leisten zu können habe ich nie gesagt...
Meines Wissens wollte der Kreis um Stauffenberg den Krieg im Westen beenden, gegen Sowjetrussland jedoch aufrecht erhalten.
Am faschistischem Gedankengut gemessen sind die Attentäter keinen Deut besser als der, den sie zu töten trachteten.
Es ist unglaublich, dass nach diesen Menschen heute noch Kasernen und Strassen benannt werden. Von der Geschichtsklitterung ganz zu schweigen.
Wenn man dann noch bedenkt, wie mit tatsächlichen Widerständlertn in dieser Republik umgegangen wurde, dann könnte ich k.....
Natürlich sollte erinnert werden, aber es sollte auch nicht vergessen werden, dass die Leute um Staufenberg diese Regime über 10 Jahre unterstütz haben und auch teilweise Verbrechen begannen haben.
Ich erinnere mich lieber an so gruppen wie die Weiße Rose, die Edelweiss Piraten oder die zahlreichen GenossInnen die Widerstand geleistet haben.




