Christen in der SPD

Über dieses Blog
Für überzeugte und praktizierende Christen in der SPD, die sich untereinander kennenlernen wollen
Gedanken zum womöglichem Ausschluss von Herrn Clement
Warum soll Herr Clement aus der Partei ausgeschlossen werden? Nur weil er in einem Interview so mutig war, seine Meinung zu sagen? Klar, ich hätte mich, selbst wenn ich genauso gedacht hätte (was ich übrigens in Fragen Atomenergie nicht tue!!!), nicht gegen die eigene Partei so öffentlich geäußert. Andererseits: auch als SPD-Anhänger (und inzwischen Mitglied dieser Partei) habe ich bei einzelnen Wahlen schon schweren Herzens andere Parteien gewählt, wenn mir unser Kandidat nicht gefiel, bzw. das, was er äußerte, vertrat und nach seiner Wahl umsetzen wollte. Und dass viele SPD-Mitglieder ebenfalls manchmal anders wählen würden, zeigt sich ja in Umfragen, die besagen, dass selbst in unserer Partei Frau Merkel (leider) mehr Wähler hätte, als unser eigener Vorsitzender (was ich sehr bedauere!). Der einzige Unterschied besteht halt darin, dass Herr Clement prominent ist, und man ihm genau das verübelt, was scheinbar für viele Parteimitglieder (sicher nicht nur in der SPD) selbstverständlich ist: eine eigene Meinung.
Hat nicht gerade die SPD sich immer für Meinungsfreiheit und Tolleranz eingesetzt? Gilt dass nur für die Meinungsfreiheit außerhalb der Partei? Müssen alle innerhalb der Partei die gleiche (linke?) Meinung haben?
Auch ich hielt Wolfgang Clements Äußerung vor der Wahl in Hessen als parteischädigend. Als Erzieher habe ich gelernt, Meinungsverschiedenheiten innerhalb des (Erzieher-)Teams nicht öffentlich (vor den Kindern) auszutragen, sondern zum Team zu stehen. Ähnliches hätte ich auch von Herrn Clement erwartet, auch wenn er eine andere Meinung vertritt. Andererseits ist es auch für Kinder manchmal gut, dass ihre Eltern oder Erzieher nicht immer einer Meinung sind und trotzdem zueinander stehen. Es ist tragisch, wenn Ehen auseinander gehen, nur weil Menschen es nicht gelernt haben, Meinungsverschiedenheiten auszutragen oder sich trotzdem zu respektieren und weiterhin das Gemeinsame, statt das Trennende zu suchen. Ich denke, Herr Clement hätte verdient, bei all seinen Verdiensten als NRW-Minister, -ministerpräsident und Bundesminister, auch, oder trotz seiner eigenwilligen Meinung, respektiert und geachtet zu werden.
Ich hätte übrigens, wenn ich in Hessen leben würde, Frau Ypsilanti, trotz der Warnung des von mir sehr geschätzten Herrn Clements, gewählt. Ihr Verhalten nach der Wahl empfand ich dann aber als parteischädigender, als das von Herrn Clement. Sollte man sie deshalb auch aus der Partei ausschließen???
Jesus Christus hatte auch eine andere Haltung als die Mehrheit des damaligen religiösen Establishment und traute sich, eine andere Meinung als die anderen Rabbiner, Priester und Pharisäer zu vertreten. Wir wissen, was Ihm das Einbrachte: nicht lange nach dem jubelndem "Hosianna" folgte das von der religiösen Führung aufgewiegelte Volk mit seinem "Kreuzigt Ihn!". Nun will ich Wolfgang Clement nicht mit Jesus und die SPD nicht mit den Pharisäern der Bibel vergleichen. Aber die Parallelen dieses Vorgangs springen mir trotzdem ins Auge. Liebe Genossen: lasst Euch doch nicht so einfach aufwiegeln!!!
Ich möchte einfach zu wirklich praktizierter Meinungsfreiheit innerhalb der Partei ermutigen, zu einem fairen Umgang, auch mit unbequemen Querdenkern innerhalb der Partei.
Kommentare (5)
Kann es sein das , die SPD durch ihre undiezplieniertheit wie Clemens mit Hessen umgegangen ist , und er das nicht mal zugibt einen fehler gemacht zu haben , und durch den warscheinlichen ausschluss ,egal wie das ausgehen wird , das abwandern der SPD Mittglieder zu den linken und den grünen verstärken wird so das die Spd bald hinter der FDP liegen bleibt , schade um die älteste Partei Deutschlands . Mittlerweile ist das nicht mehr mit anzusehn wie die SPD ihren scharm Verliert .
Ihr müst entlich zusammen wieder für die sache einstehn .
PS: War bei der Schröder Wahlen noch ein überzeugter SPD Wähler das fällt mir immer schwerer, da das klar Profil fehlt.
Gruß aus dem Schwöbenländle
Clement wurde nicht ausgeschlossen weil er seine Meinung gesagt hat, sondern weil er dazu aufgerufen hat die SPD in Hessen nicht zu wählen. Im Unterbezirk Diepholz (Bezirk Hannover) wurde Detlev von Larcher (lange Zeit für die SPD im Bundestag und lange Zeit Sprecher des Frankfurter Kreises) aus der SPD ausgeschlossen weil er in einem Leserbrief an die FAZ zur Wahl der Linken in Hessen und Niedersachsen aufrief, um der SPD von links druck zu machen.
Mit grosser Bestuerzung habe ich vom bevorstehenden Parteiausschluss Wolfgang Clements gehoert. Es ist ungeheuerlich, wie meine Partei mit einem verdienstvollen Mitglied umgeht.
Sollte der Beschluss Clements vollzogen werden, ist die SPD nicht mehr meine politische Heimat und ich werde austreten. Ich habe niemals gedacht, dass es soweit kommt!
Clement hat sich 38 Jahre für die SPD eingesetzt hat - diese Behandlung ist ist unangemessen. Es ist unglaublich, wie schlecht es in Teilen der SPD um Meinungsfreiheit und Toleranz bestellt ist.
Die Wahlen werden immer noch in der Mitte der Gesellschaft gewonnen. Mit Schroeder und Clement wurde die SPD zweimal (1998 und 2002) staerkste Fraktion im Bundestag und hat dies 2005 nur knapp verpasst.
Diese Mitte - einschliesslich mir, nach 25 Jahren Parteimitgliedschaft - wendet sich mit Grausen ab.
Man kann lange um Positionen streiten und das ist auch sehr gut, aber irgendwann ist Schluss, wenn Kandidaten und Wahlprogramm stehen und der Wahlkampf losgeht, darf es nur noch eine Stoßrichtung geben.
Nichts rechtfertigt einen Nicht-Wahl bzw. Gegen-Wahl Aufruf.
Ein solcher ist nicht nur eine Aktion gegen die unbeliebte Linie, sondern ein Schlag ins Gesicht für alle Wahlkämpfer.
Und gerade als herausgehobenes Mitglied der Partei hat er eine Verantwortung, hinter der seine Meinung auch mal zurückstehen muss. Wenn er mit der Richtung der Partei in einem Wahlkampf nicht zufrieden ist, hat er es versäumt, im Vorfeld die Mitglieder zu überzeugen und kann nach dem Wahlkampf jeden Widerstand mobilisieren. Aber während des Wahlkampfes querzuschießen ist unerträglich.
Sollte Wolfgang Clement sich dazu bekennen, diesen Fehler gemacht zu haben und sich bei den Wahlkämpfern und Wahlkämpferinnen in Hessen entschuldigt, sollte die Schiedskommission den Ausschluß nicht vollziehen. (Ja, ich weiß auch, dass Clement wußte, was er tat; ja, ich bin zu weichherzig; ja, ich würde ihn TROTZDEM nicht rauswerfen.)
Diese Entschuldigung darf außerdem kein Kotau gegenüber der Parteilinken sein und kein Abrücken von seiner Meinung oder Position sondern ausschließlich eine Entschuldigung für den Zeitpunkt und ggf. die Formulierung.
Erst einmal: Gut das es einen Blog mit christlichen Hintergrund gibt!!
Clements Äußerungen wahren gegen allen Zweifel erhaben kurz vor der Landtagswahl fehl am Platze.
Doch einen ehmaligen Minister aus der Partei zu werfen, nur weil er eine eigene Meinung in einer vielschichtigen Partei hat (siehe auch diesen Blog!) ist unfug. Zum Glück scheint sich nun das Blatt zuwenden und der Schaden für die SPD sich in diesem Fall in Grenzen zu halten....
Nur noch einmal am Rande: Wortbruch=Glaubwürdigkeitsverlust. Besser gleich schon im Wahlkampf nichts ausschließen so kann man solch einen Ärger in Zukunft vermeiden.
Im Interesse der Partei von einem Außenstehenden...




