Altonaer Blog

Über dieses Blog
In diesem Blog werde ich mehr oder weniger regelmäßig (wie ich mich kenne weniger regelmäßig) aktuelle Themen besprechen. Natürlich absolut subjektiv.
Wie viel ist genug? Ärztehonorare und Sozialneid
Nun muss auch jetzt ja das Geld irgendwo bleiben. Am Dienstag hat Markus Grill vom Stern sich daher mal den Durchschnittsverdienst der Ärzte angesehen. Das sind schon beeindruckende Zahlen (Bruttoverdienst):
- Radiologe (Röntgenarzt) 17.416,- EUR
- Orthopäde 13.333,- EUR
- Urologe 11.750,- EUR
- Chirurg 11.416,- EUR
- Internist 10.500,- EUR
- Hals-Nasen-Ohren-Arzt 10.333,- EUR
- Augenarzt 10.333,- EUR
- Hautarzt 9.916,- EUR
- Frauenarzt 9.916,- EUR
- Kinderarzt 9.583,- EUR
- Zahnarzt 9.333,- EUR
- Neurologe/Psychiater 8.666,- EUR
- Allgemeinarzt / Hausarzt 8.666,- EUR
(Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 2 Reihe 1.6.1)
Grill stellt fest: "Ein niedergelassener Arzt in einer Einzelarztpraxis verdient heute im Durchschnitt 9750 Euro brutto pro Monat. Diese Summe bleibt ihm als zu versteuerndes Einkommen nach Abzug aller denkbaren Kosten wie Praxismiete, Personalkosten für Sprechstundenhilfe, Geräte, Strom, Wasser, KfZ, Versicherungen, Beiträge, Gebühren etc. "
Ein hübsches Sümmchen, dass ich wirklich jeder Ärztin und jedem Arzt für ihre wichtige Arbeit gönne. Absolut neidlos.
Und natürlich weiß ich auch, dass es bei solchen Durchschnittswerten auch immer ein paar (Land-)Ärzte gibt, die diese Summe nicht erreichen, während Promi-Ärzte das Doppelte und Dreifache einstreichen.
Daher ist auch dieser Hinweis von Markus Grill interessant: "[...] betrachtet man nur das Viertel aller Ärzte, das am wenigstens verdient, kommt auch in dieser Gruppe noch jede Arztpraxis auf durchschnittlich 6.351 Euro brutto pro Monat. Das Viertel der ärmsten Radiologiepraxen kommt demnach auf einen monatlichen Reinertrag auf 10.436 Euro. (Quelle: Hauschild/Klose, Kostenstruktur bei Arzt- und Zahnarztpraxen 2003, Statistisches Bundesamt, November 2006)".
Nicht schlecht, oder? Aber anscheinend nicht genug:
Im Augenblick verhandelt nun die Kassenärztliche Vereinigung mit den Krankenkasse über eine Erhöhung des Ärztehonorars. Angeboten wird z. Zt. ein Volumen von 1,4 Milliarden Euro. Das macht pro Arzt eine Erhöhung des Honorars um 10.000 Euro. Der Kassenärztlichen Vereinigung ist diese Summe zu gering. Nach anfänglich 4,5 Milliarden Euro fordert die Interessenvertretung der Ärzte nun noch 2 Milliarden Euro.
Um es mal ganz klar zu machen: Es geht hier um Versichertengelder. Zum Beispiel um das Geld von Rentnern, wie meiner Mutter, die sich sagen lassen muss, sie solle sich ihre Medikamente bei einem anderen Arzt verschreiben lassen, da das Arzneimittel-Budget erreicht sei.
Die Lösung für das Einnahmeproblem der Krankenkassen ist aus meiner Sicht einfach: Bürgerversicherung. Aber auch auf der anderen Seite muss gespart werden. Und zwar an der richtigen Stelle und nicht immer nur bei PatientInnen, KrankenpflegerInnen, PhysiotherapeutInnen, MasseurInnen ...
Ganz nebenbei: Dieser Selbstbedienungsladen hat auch nix mit Marktwirtschaft zu tun!
Mehr zum Thema: www.stern.de/blog/42_markus_grill/archive/1774_10000_euro_sind_nicht_genug.html
Kommentare (2)
Ich bin mir sicher, dass die Zinskosten, die du aus welchem Grund auch immer, in deiner Rechnung vergessen hast, einen großen Teil der Kosten ausmacht.
Diese Zinskosten fallen an, weil in nahezu jeder Praxis die neuesten Geräte stehen müssen. Und die müssen sich amortisieren.
Ganz zu schweigen von Ullalas unseglicher Mammographie - Phsychose, von den Impfungen gegen Krebs für junge Mädchen - und von den seltsamen Grenzwerten für vorgeblich fehlende Knochendichte, die Milliarden an Beitragsgeldern schlucken.
Und dann bitte nicht vergessen, dass die Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenkasse heute nur noch 53 Prozent der Bemessungsgrenze für Rentenbeiträge beträgt. Das war früher anders. Was glaubst du wohl warum?
Leider werden immer wieder neue Fässer aufgemacht, statt die wirklichen Ursachen ein für alle mal zu klären.
Inhaltlich bin ich bei dir, denn 9000 Ucken sind ne Menge Geld und da sollte man nicht jammern müssen. Andererseits sollte man bedenken - jede Artztpraxis ist ein Betrieb. In den muss man investieren, Zinsen zahlen, hat jede Menge Abgaben usw.
Ich glaube, diese Diskussion lenkt ab. Ich las neulich dass die medizinischen Leistungen, die ein Arzt pro Patient vornähme, seit langer Zeit eigentlich nicht zugenommen hätten. Das ist das was unten rauskommt. Allerdings haben die Gesamtkosten zugenommen ohne Ende. Das ist das was wir oben reinstecken. In dieser gesamten Gesundheitskiste sind trotz oder wegen der Gesundheitsreform noch viel zu viele Absahner unterwegs.
Wir haben da zunächst eine riesengrosse Lobby der Chemo-Industrie, dann noch eine dicke Lobby der Apotheker, plus eine der Ärzte. Jede dieser Lobbys hat ihre eigenen Leute in Berlin, die schon im Vorfeld zu Überlegungen Zeter und Mordio schreien wenn ihre Clientel betroffen ist.
Ich persönlich habe die Pharma-Industrie in Verdacht. Mir scheint, dass die Vertreter dieser Zunft durch ihre Reisenden mit Bestechung und allen möglichen Tricks einen zu grossen Teil des Geldes abzocken.
Ich denke, man sollte das System einmal genau untersuchen und feststellen durch welche Löcher das ganze Geld verschwindet.
Ausgerechnet auf die Gehälter der Ärzte zu schimpfen lenkt da nur ab.
gruss aus Hessen
Frank Kolb




