Altonaer Blog

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In diesem Blog werde ich mehr oder weniger regelmäßig (wie ich mich kenne weniger regelmäßig) aktuelle Themen besprechen. Natürlich absolut subjektiv.
Abschwung? Aufschwung?
- Die jährliche Inflationsrate in der Eurozone lag im Juli bei vier Prozent. Das teilte das Europäische Statistikamt in Luxemburg mit. [...] In Deutschland lag der Preisanstieg im Juli im Jahresvergleich bei 3,5 Prozent.
- Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ging das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu den ersten drei Monaten um 0,5 Prozent zurück. Verantwortlich dafür seien unter anderem geringere Konsumausgaben der privaten Haushalte und die rückläufige Baukonjunktur [...]
- Der Energiekonzern RWE hat im ersten Halbjahr einen Gewinn von knapp 1,2 Milliarden Euro erzielt. Das war im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2007 ein Rückgang um etwa 56 Prozent. RWE-Chef Großmann sagte bei der Vorlage der Zahlen in Essen, er erwarte, dass die Energiepreise langfristig hoch bleiben und voraussichtlich weiter steigen würden.
Was bleibt hängen bei mir?
- Das Leben wird für die Menschen in Deutschland immer teurer.
- Die Deutschen geben zu wenig für Konsum aus.
- Energiekonzerne verdienen über eine Milliarde Euro in sechs Monaten - und das ist schlechter als vor einem Jahr.
Es muss also etwas getan werden, damit es den Menschen in Deutschland wieder etwas besser geht und sie mehr Geld in den Taschen haben. Das tut auch der Konjunktur gut.
Arbeitgeberpräsident Hundt fordert nun, dass die Arbeitslosenversicherung auf 2,5% senken, um die Konjunktur zu stützen.
Jetzt rechne ich mal:
Laut Rentenversicherung beträgt der durchschnittliche Bruttoverdienst eines Deutschen 30.084,00 Euro.
Davon bezahlt er bislang 1,65% (Arbeitnehmeranteil) für die Arbeitslosenversicherung, das sind 496,39 Euro. Bei 1,25% (Hundt-Vorschlag) wären es 376,05 Euro. Also eine Ersparnis von 120 Euro im im Jahr bzw. 10 Euro im Monat im Durchschnitt.
Natürlich haben eine Friseurin oder ein Tierpfleger etwas weniger - mangels Einkommen.
Nun will ich 10 Euro im Monat nicht klein rechnen. Das ist eine Menge Geld. Man bekommt dafür 2 Packungen Zigaretten oder 7 Liter Benzin. Aber ich bezweifle ernsthaft, dass diese Summen die Konjunktur stützen können. Zumal die Energiekosten zukünftig nicht wirklich berechenbar sind.
Die Menschen geben dann Geld aus, wenn Sie es
a) haben und
b) keine Angst haben müssen, dass sie die Arbeit verlieren oder andere unvorhersehbare Kosten (Krankheitskosten etc.) ins Haus stehen.
Ich bin kein Ökonom. Aber mir leuchtet es ein, dass wir eine Steuerreform brauchen, die die unteren und mittleren Einkommen begünstigt. Damit die große Masse der Gesellschaft wieder konsumieren kann. Dazu ein bedingungsloses Grundeinkommen, dass allen ein menschenwürdiges Leben möglich macht.
Das wäre für mich ein soziales Deutschland.
Mehr zum Thema: www.dradio.de/nachrichten/20080814140000
Kommentare (1)
Man sollte mal cool die Steuerbelastungen in Deutschland mit denen in anderen Europäischen Ländern vergleichen.
Unternehmensverbände und ihre befreundeten Parteien und Massenmedien fordern unentwegt eine Senkung der vermeintlich hohen Steuerlast in der Bundesrepublik. Sie wäre im internationalen Vergleich zu hoch, Leistungsträger werden in der Bundesrepublik durch die zu hohe Steuerlast benachteiligt und Leistung würde sich hier nicht mehr lohnen.
Bei der Steuerquote liegt Deutschland mit 22,0% gemessen am BIP gegenüber seinen Nachbarländern im unteren Drittel. Die Lohn- und Einkommensteuer erbringt nicht einmal ein Drittel des gesamten Steueraufkommens. An der Spitze liegt die Umsatzsteuer mit einem Anteil von rd. 34 Prozent. Was ist von der Aussage des BDI zu halten: „Das Zehntel der Steuerpflichtigen mit einem Jahreseinkommen von über 64.000 Euro schultert gut die halbe Lohn- und Einkommensteuerlast“?
Antworten dazu in einem Beitrag von Wolfgang Kühn von der Arbeitgruppe Alternative Wirtschaftspoltik [PDF - 88 KB]
http://www.memo.uni-bremen.de/ … /m1708.pdf
Steuerbelastung der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen bei 21%. Deutschland weit unter dem EU-Durchschnitt.
Es gibt auch interessante Artikel im SPIEGEL! Wolfgang Reuter berichtet im Spiegel 46/2004 vom 8. November über eine aktuelle Studie der EU-Kommission. Danach liegt die effektive Steuerbelastung aus Unternehmertätigkeit und Vermögen in Deutschland bei nur 21%, während sie in den Mitgliedstaaten zwischen 28 und 32% schwankt. Aufgrund der steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten bei uns bezahle etwa die Deutsche Bank bei einem Steueraufwand von 3,2 Milliarden Euro nur noch 400 Millionen an den Fiskus, die Steuerquote betrage also gerade noch 11%, bei DaimlerChrysler lag sie von 1997 - 2002 gar nur bei 9%. Im „Steuerparadies“ (Lorenz Jarass) Deutschland werde sogar noch die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland steuerlich gefördert. So zahlten die Auslandstöchter seit 1999 , dank einer Regelung der rot-grünen Regierung, von den nach Deutschland transferierten Gewinnen nur 2% an den Fiskus und zudem könnten die verlagernden Firmen fast alle Ausgaben, vor allem auch Schuldzinsen mit den hier erzielten Gewinnen verrechnen und steuerlich abziehen.
Danke, SPD!
gruss
Frank Kolb




