Altonaer Blog

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In diesem Blog werde ich mehr oder weniger regelmäßig (wie ich mich kenne weniger regelmäßig) aktuelle Themen besprechen. Natürlich absolut subjektiv.
Roland Koch erklärt uns die Wirtschaft
Der stellvertretende CDU-Vorsitzende ist der Meinung, dass "alles unter 40 Wochenstunden [...] ein Fehler gewesen [sei]".
Da macht Roland Koch doch mal wieder mutig ein Fass auf und zeigt deutlich auf welcher Seite er steht. Und das ist definitiv nicht die Seite der kleinen Leute.
Werner Vontobel (Wirtschaftsredakteur des SonntagsBlick aus der Schweiz) hatte sich von einiger Zeit an der Kritik an der 35-Stunden-Woche in Frankreich abgearbeitet:
- "[die] Behauptung, die 35-Stundenwoche sei der französischen Arbeitsbevölkerung “teuer zu stehen gekommen” lässt sich nicht belegen. In den fünf Jospin-Jahren ist das BIP pro Kopf in Frankreich im Jahresmittel um 2,2 Prozent gestiegen - gegenüber 1,6 Prozent in Deutschland und 1.3 Prozent in der Schweiz. [...]: Die Beschäftigung stieg [im 10-Jahresvergleich, TS] um 11.5 Prozent gegenüber 0,9 Prozent in Deutschland. Die Zahl der Arbeitsstunden um 5,6 Prozent gegenüber 0,8% im östlichen Nachbarland."
- "Nun wird einer wie Borner [Wirtschaftsprofessor aus Basel, TS] einwenden, dass eine gesetzliche 35-Stundenwoch ein unerlaubter Eingriff in den Markt darstelle. Richtig. Dasselbe gilt aber auch für die betrieblich oder durch soziale Konventionen festgelegte 40-Stundenwoche. Gemessen an der effektiven Nachfrage und an der Arbeitsmenge die nötig ist, um diese Nachfrage zu befriedigen, müssten wir heute je nach Land eine 25 bis 30-Stundenwoche haben. In Frankreich etwa reichen heute schon 25 Stunden."
(Quelle: http://www.blick.ch/news/wirtschaft/vontobelblog/?p=43)
Mich überzeugt diese Analyse mehr als die Analyse des Roland K.: "Wir arbeiten im internationalen Vergleich zu wenig. Alles unter 40 Wochenstunden war ein Fehler. Die Frühverrentung war ein dramatischer Fehler. Die Rente mit 67 Jahren ist unerlässlich." Mehr sagt er tatsächlich nicht zum Thema. Reicht natürlich für die Wirtschaftswoche.
Und selbstredend ist Roland auch gegen ein Konjunkturprogramm, denn: "Wir dürfen keine Krise herbeireden. Ein Konjunkturprogramm wäre aber ein Signal, dass es mit der Wirtschaft bergab ginge."
Daher sollte man zukünftig vermutlich auch auf Tetanusschutzimpfungen verzichten: Wir dürfen keine Krise herbeireden! Wenn es dann doch zur Infektion kommt ... schaun wir mal ...
Dieser Mann muss endlich weg.
Mehr zum Thema: www.wiwo.de/politik/labor-aus-tradition-304076/2/
Kommentare (2)
Meine Güte, dieser Koch ist ja unsäglich. Er ist eben nur das Sprachrohr der Wirtschaft, wenn wir die Arbeitszeit erhöhen, dann werden Arbeitsplätze abgebaut, was sich wiederum schädigend auf die Inlandsnachfrage auswirkt.
Erhöht man bspw. die Stundenzahl von 40 auf 48 Stunden, so wären die Unternehmen in der Lage viele Beschäftigte abzubauen. Ein Schlag ins Gesicht für die Binnenwirtschaft, ein Sahnetörtchen für died Exprotwirtschaft. Aber: Seit über 30 Jahren machen wir eine Politik, die sich an der Exportwirtschaft orientiert, aber die Inlandsnachfrage lässt man außen vor, doch gerade daran, nämlich an der schwachen Binnennachfrage, krankt unsere Wirtschaft.
Koch hat nichts, aber auch gar nichts verstanden.
Außerdem ist es relativ irrelevant, wieviel man arbeitet. Die Produktivität ist entscheidend (und natürlich auch die Nachfrage).
Ach Mensch, unser Kochilein....ein Demagoge und wirtschaftslobbyist ersten Ranges.
Andrea! Dieser Mann muss endlich weg!
"Mich überzeugt diese Analyse mehr als die Analyse des Roland K."
Vontobel redet natürlich genauso großen Käse wie Roland Koch. Was er als "Befriedigung der Nachfrage" beschreibt, heißt übertragen auf Deutschland z.B. Festschreibung des Pflegenotstands und ärztliche Behandlung nach Kassenlage. Da ist kein Raum für notwendigen Wandel innerhalb einer alternden Gesellschaft.
siehe auch: http://www.spiegel.de/politik/ … tschland/0,1518,572527,00.html
Letztlich stammt das entscheidende Argument contra Koch denn auch nicht von ihm: Die Tarifautonomie. Alles andere ist letztlich irrelevant.




