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Veddel-Blog

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von Klaus Lübke

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Alles rund um die Veddel in Hamburg

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von Klaus Lübke | 27.08.2008 | 21:13 Uhr

Hubertus Heil twittert - Ein gelungenes Experiment oder naiv?

Die Onlineaktivitäten von Hubertus Heil werden im Netz eifrig diskutiert. Der Generalsekretär bedient sich eines Kurznachrichtendienstes namens "Twitter", der in den letzten Monaten immer beliebter geworden ist, und schickt persönliche Eindrücke vom Nominierungsparteitag der Demokraten in Denver. Vor allem seit dem Spiegel-Online die Aktion in einem Artikel zerrissen hat, werden immer mehr Kommentare veröffentlicht. Die meisten sind angetan. Eine kleine Übersicht über die Reaktionen habe ich bereits hier veröffentlicht.


Man darf wohl vermuten, das hinter der Twitterei von Hubertus Heil keine naive Spontanität steckt, sondern das dies ein vorbereitetes und abgestimmtes Experiment aus dem Willy-Brandt-Haus ist. Denn schließlich stecken auch die Onlineaktivitäten bei Youtube, jedenfalls was die Nutzerzahlen angeht, noch in den Kinderschuhen, und man braucht dringend neue Ideen um mehr Resonanz beim Wahlvolk zu bekommen. Gelingt das Experiment, wird Twitter im bevorstehenden Bundestagswahlkampf zum Einsatz kommen.

Bis jetzt sieht das Ergebnis nach einem vollen Erfolg aus. Hubertus Heil hat den Vorteil, das er das erste bundespolitische Schwergewicht ist, der diesen Dienst nutzt. Gerade weil er dabei einen sehr persönliche Stil pflegt, und keine Pressemitteilungsphrasen versendet, wurde er zum Medienereignis. Deshalb dürfte man sich über den Spiegel-Artikel in der SPD-Zentrale gefreut haben, denn er sicherte die Aufmerksamkeit des Publikums und anderer Zeitungen. Jetzt ist der Generalsekretär auf dem besten Weg in der Hitliste der deutschen Twitterer ganz nach oben aufzusteigen. Und Followers in einem Twitter-Account sind nicht ohne Wert.

Übrigens dürfte klar sein, das sich kein Minister für so ein Experiment geeignet hätte. Hubertus Heil dagegen, der man seine Jugendlichkeit noch abnimmt und der auch nicht durch ein öffentliches Amt auf die Staatsinteressen Rücksicht nehmen muss ist ein idealer Kandidat dafür. Man stelle sich dagegen vor, Außenminister Steinmeier würde sich über Twitter zur Georgien-Krise in einem ähnlich persönlichen Stil äußern. Das ginge gar nicht.

Man darf mit Spannung erwarten, wie es weitergeht. Zu große Erwartungen sollte man nicht haben. Denn bei der Bundestagswahl wird es schließlich um ein Millionenpublikum gehen. Da kann ein Dienst wie Twitter nur ein nettes Zusatzangebot sein. Und schließlich kann es auch immernoch sein, das Twitter den Ansturm der Open-Source Konkurrenz nicht übersteht. Schließlich weiß man bis heute noch nicht, wie sich Twitter auf lange Sicht finanzieren soll. Und wenn die Nutzer tatsächlich auf andere Dienste wie identi.ca umsteigen sollten, wären alle bis dahin gesammelten Follower verloren. Dann müsste man wieder bei null anfangen.

So darf man sich fragen, wie es mit der Twitterei nach dem Ausflug in die USA weitergeht. Denn auf dem Nominierungsparteitag spielt Hubertus Heil keine Rolle, und hat Zeit sich mit dem Blackberry zu beschäftigen. Schließlich ließt Er auch Nachrichten, die an Ihn gerichtet sind, und antwortet darauf.

Doch je mehr Abonnenten Hubertus Heil für seine Nachrichten bekommt, desto schwieriger wird es alle an ihn gerichteten "Tweets" auch zu lesen. Denn das kostet Zeit. Und Zeit wird ein Generalsekretär für diesen Dienst kaum wird aufbringen können, wenn er in Deutschland wieder seinen gewohnten Aufgaben nachgehen wird. Denn schließlich erreicht man mit der "Tagesschau" immer noch sehr viel mehr Menschen, als über die neue Web-2.0 Anwendung, und da muss man einfach Prioritäten setzen.

Bis dahin empfehle ich jedem der diese Seite aufrufen kann sich bei Twitter zu registrieren und sich selbst ein Bild zu machen. Dann hat man auch die Möglichkeit andere Leute zu beobachten, und ihnen Meldungen zukommen zu lassen. Mir zum Beispiel!

Reaktionen

strong>Enrico Kreft aus Lübeck schreibt "SPON (Spiegel-Online) ist eine journalistische Resterampe. Politik soll doch nah bei den Menschen sein, also darf getwittert werden. Ohne Konventionen."

Robin Haseler formuliert es unter der Überschrift Hubertus-Heil-Bashing wegen Twitter so: "Vielleicht hat es aber auch gerade so schön gepasst: Heute sonst keine Meldungen von der SPD? Ah, der Heil macht doch da was aus Denver? Keine Ahnung was das ist. Pah! So ein Blödsinn. . . . Artikel fertig."

Besim Karadeniz fragt "Was ist denn mit dem Spiegel los?", und wunderet sich,"wie sich SPIEGEL-Journalisten offenbar durch die Blogosphäre richtiggehend in die Enge gedrückt fühlen."

Auch Nico Lumma, Christian Soeder und Sebastian Reichel berichten positiv.

Andre Pechmann bleibt dagegen skeptisch, und wünscht sich dagegen lieber einen Generalsekretärs-Blog.

Jetzt macht sich auch schon Thomas Knüver im Handelblatt Weblog über den "Spiegel" unter der Überschrift "Keiner darf Internet außer Spiegel Online - erst recht nicht Hubertus Heil" lustig: "Früher war der "Spiegel" dafür bekannt, gegen alles zu sein. Heute ist er vor allem gegen das Internet, scheint es. Und diese Haltung setzt sich fort gen Spiegel Online. Dort ist heute ein dummer Artikel über Hubertus Heil und seine ersten Schritte im Bereich Twitter zu lesen."

Und weiter unten resümiert er: "Es ist leicht, Heils Twitter-Berichte runterzumachen. Manche sind wirklich platt, andere bringen kurze Stimmungsmomente, einige auch kleine Schmunzler. Aber: Hier macht sich ein Politiker ansprechbar. Und dieser Versuch verläuft bisher besser als all die auf TV-getrimmten Langeweiler-Videos."

Weitere positive Meinungen zum Thema:

Blog vom Wolf - Politik Digital - Nürnberger Zeitung VIP-Raum - Medien gerecht - Leere Signifikanten - Filterblog - Simoncolumbus - Hansjörg Schmidt - Nur mein Standpunkt - Lostfocus - Die Welt ist ... - Bluejax - Popschmecker - Tanithblog - Blog@Netplanet - 20undso - Datenschutzblog - PR 2.0 - Til Westermeyer - CDV! - ConnectedMarketing


Weitere negative Meinung zum Thema:

Sueddeutsche.de - CSU Blogger


Weiß nicht so recht:

RP-Online - Onlinejournalismus.de - Majakowski - oko-bloko


Ergebnis der kleinen Online-Artikelzählung: 29 für, 3 gegen den twitternden Generalsekretär bei 5 Enthaltungen. Im Deutschen Bundestag wäre das eine verfassungsändernde Mehrheit.

Bemerkenswert, das gerade die Print-Journalisten dem Thema gegenüber eher negativ eingestellt sind. Entweder wissen Sie nicht, worüber sie schreiben, oder das passt einfach nicht in ihr Weltbild. Vielleicht fürchten Sie auch, das die Politik über die neuen Medien stärker ohne den Filter der Presse mit ihren potenziellen Wählern in Kontakt kommen, und die Wahlkampangen der Verlage noch weniger verfangen. als in der Vergangenheit.

Mehr zum Thema: www.veddel.net/wordpress/2008/08/27/hubertus-heil-twittert-ein-gelungenes-experiment-oder-naiv/

Kommentare (2)

Foto: Pascal Korz
von Pascal Korz | 27.08.2008 | 21:55 Uhr

Grundsätzlich kann man doch einmal positiv vermerken: Die nun schon nicht mehr sooo neuen Medien werden auch mal sinnvoll genutzt. Warum sollte ein Generalsekretär nicht in lockerem Ton vom Demokraten-Parteitag berichten dürfen? Und wenn da mal nichts Staatstragendes oder Über-Analytisches in einer Kurznachricht zu vermelden ist, na und?

Wenn man sich einmal die Kommentare von sueddeutsche.de und spiegel.de durchliest, begegnet man leider nur Spott. Einerseits sind gerade deutsche Politiker als undynamisch verschrien, die die interaktiven Möglichkeiten des Internets nicht nutzen - wenn man es dann einmal tut, ist es "peinlich".

Ich habe schon größeren Nonsense auf spiegel.de gelesen, bunte Fotogallerien und Youtube-Videos und eine teils grottig schlechte Satire-Seite. Das ist auch nicht so hip, wie die Macher vielleicht denken.

Foto: Frank Kolb
von Frank Kolb | 28.08.2008 | 12:51 Uhr

Ich für meinen Teil habe beim Lesen des Blogs viel Spass. Ich kann verstehen dass die Konservativen entsetzt sind. Die sind sauer nich selbst auf sowas gekommen zu sein. Zum ersten Mal in der Geschichte der Partei kommt ein Parteibonze menschlich rüber. Klasse. Weitermachen.
gruss
Frank Kolb