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Alevitische Sozialdemokraten

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von cetin sahin

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Wir gehen davon aus, dass sehr viele Aleviten SPD-Mitglieder sind. Hier könnten alevitenspezifische Themen diskutiert werden.

Foto: Ahmet Terkivatan
von Ahmet Terkivatan | 29.08.2008 | 11:56 Uhr

ENTWÜRDIGENDE VORURTEILE GEGENÜBER ALEVITEN

Der Beitrag Entwürdigende Vorurteile gegenüber Aleviten befindet sich als Material im Anhang. Er befasst sich insb. mit dem Inzestvorurteil und liefert die Hintergrundinformation für den Protest der Aleviten u. a. gegen die Tatort-Serie Wem Ehre gebührt.

Material zum Beitrag

Kommentare (7)

Foto: Nicole Rostock
von Nicole Rostock | 30.08.2008 | 09:54 Uhr

@ Ahmet,

Ich habe den Tatort leider nicht gesehen, aber das Vorurteil Inzest muß doch irgendwo herkommen - oder? Wenn man ehrlich ist hat jedes Land und jede Kultur die gleiche Probleme. So auch der Inzest. Da hätte man auch Deutsche, Italiener etc. nehmen können. Man muß das Problem des Vorurteils wirklich mal von allen Seiten betrachten. Bist Du Vorurteilsfrei? Bestimmt nicht nicht, denn Vorurteile werden benötigt um sich eine Meinung bilden zu können. Nur es ist halt ein gravierender Fehler ein Fall auf eine Kultur zu übertragen. Und wenn da noch so ein toller "Hitler" kommt, dann wird daraus ein Hetzjagd!!!
Aber in Deutschland wird leider keiner bestraft, weil er Vorurteile schürrt und Menschen vertreibt, sondern weil er Straftäten begeht wie Unterschlagung, Diebstahl etc...
Wenn man aber das Problem bei den Vorurteilen packt begeht man Prävention, d.h. man beugt Straftaten vor...Ich hoffe mir pflichtet da jeder Schiedsmann bzw. Sozialarbeiter bei.

Ich hoffe Du verstehst mich

Foto: Ahmet Terkivatan
von Ahmet Terkivatan | 30.08.2008 | 10:13 Uhr

Hallo Nicole.
Danke für Deine Hinweise. Nur, möchte ich Dich darauf hinweisen, den Artikel ganz genau durchzulesen, den Du als Material im Anhang findest. Dann wirst Du nämlich u. a. feststellen, weshalb und wie dieses Vorurteil entstanden ist (Strategie der Exkommunikation) und dass ich den Vorurteilsbegriff nicht pauschaul ablehne, sondern über die Aufklärung hinausgehend kritisch gebrauche.
Das Argument "...es hätte auch eine andere Gruppe, Nation, Glaubensgemeinschaft treffen können" ist schwach und zeugt von einem Relativismus, den ich in dieser Form nicht haben will.

Foto: Sascha Voß
von Sascha Voß | 30.08.2008 | 10:42 Uhr

Wenn man den Beitrag liest (oder zumindest überfliegt), sieht man sehr gut, wo das Vorurteil herkommt. Es wurde von der Obrigkeit kolportiert und als Waffe eingesetzt.

Vielleicht kennt ihr aus dem Religionsunterreich die Geschichte, dass der christlichen Urgemeinde in Rom u.a. Infantizid und Kannibalismus vorgewurfen wurde, weil behauptet wurde, zur Phrase "dies ist mein Blut ... dies ist mein Leib" würde tatsächlich Blut und Fleisch (von toten Kindern) gegessen.
Auch dieses Vorurteil wurde als Waffe eingesetzt.

Das die deutsche Öffentlichkeit den Protest nicht verstanden hat, war erstmal ein gutes Zeichen. Die hatten nämlich von dem Vorurteil noch nichts gehört und hatten keine Ahnung. Die Tatort-Macher hatten auch keine Ahnung. Sie wollten einen Ehrenmord-Tatort machen und haben dabei danebengegriffen.
Allerdings ist auch richtig, dass die vielen türkischstämmigen Bürger oder Türken in Deutschland das Vorurteil vielleicht noch kennen und es irgendwie bestätigt finden könnten, was allerdings eine maßlose Übertreibung in der Bedeutung des Tatort darstellt.

Außerdem darf man nicht außer Acht lassen, dass der der Tatort eine Krimi-Reihe ist. Per definitionem enthält er also Verbrecher und Bösewichte. Wenn jetzt der Mörder in einer anderen Folge ein psychopathischer Bestatter ist, wird da niemand von diesem auf alle Bestatter schließen.
Es gab auch schon Tatorte mit Kindesmißbrauch in einer deutschen Familie, ohne dass sich jemand groß darüber entrüstet hätte. Ganz einfach, weil die Tat nicht als Vorurteil wahrgenommen wird!

Fazit: Die Macher hätten da etwas besser recherchieren sollen, aber man kann es ihnen kaum vorwerfen, denn wenn man nicht speziell in diese Richtung sucht, kennt man das Vorurteil einfach nicht.

Foto: Sascha Voß
von Sascha Voß | 30.08.2008 | 10:46 Uhr

Ich glaube das Argument, es hätte auch jede andere Gruppe sein können, ist nicht so schwach. Hätten die Tatort-Macher eine sunnitische Familie genommen, wäre der Aufruhr dann der gleiche gewesen?

Foto: Nicole Rostock
von Nicole Rostock | 30.08.2008 | 16:00 Uhr

Danke Sascha,

Du hast es besser ausgeschrieben als ich und in der Tat ich kenne Sunniten, die hätten sich nicht daran gestört.

@Ahmet
Ich kenne den Fall aus der Zeitung und habe ihn verfolgt. Ich muß sagen "Rechtsextreme Nachbarn" sind schlimmer oder welche, die mit ihren Vorurteilen sogar so weit gehen, dass ein Kind vergiftet wird.  Ich spiele es auch nicht herunter, besuch mal mein Profil und schau Dir meinen Sohn an und du wirst feststellen, dass ich es nicht einfach habe...

Foto: Karin Holzer
von Karin Holzer | 30.08.2008 | 18:59 Uhr

Ich habe den Tatort gesehen.

Es war sicher Unkenntnis, ausgerechnet bei dieser Bevölkerungsgruppe das Thema Inzest und Missbrauch zu thematisieren.

Es gibt überall auf der Welt abscheuliche Sexualkriminalität.
Auch bei den Aleviten. Kein vernünftiger Mensch bestreitet das.

Aber hier wird eine Bevölkerungsgruppe mit diesem kollektiven Vorwurf verfolgt. Mit sehr durchsichtigen Absichten und Zielen.
Deshalb haben die Autoren in ein Wespennest gestochen. Haben sie vermutlich nicht gewusst, verstärkt aber trotzdem die Vorurteile.

Die Aleviten werden von konservativen türkischen Muslimen ausgegrenzt, weil sie einen moderneren Islam leben. Sie akzeptieren die Gleichberechtigung, verzichten weitgehend auf das Kopftuch, interpretieren den Koran, diskutieren offen mit anderen Religionen, lehnen religiösen Fanatismus ab.

Sie praktizieren also etwas, was in unserem Kulturkreis mit Aufklärung skzziert wird. Sie haben deshalb auch weitaus weniger Probleme mit Anders- oder Nichtgläubigen.

Das macht sie für die Orthodoxen natürlich brandgefährlich. Deshalb verfolgt man sie mit Gerüchten und Verleumdungen.
Dummerweise haben Krimiautoren, hoffentlich unwissentlich, ausgerechnet bei dieser Bevölkerunggruppe ein Thema angesiedelt, was voll in diese Rufmordkampagne passt.

Als Alevit würde ich vermutlich auch sehr sauer reagieren.

Karin Holzer

Foto: Ahmet Terkivatan
von Ahmet Terkivatan | 30.08.2008 | 20:16 Uhr

Liebe Leute!

Nun habe ich wirklich nichts dagegen, dass man erneut den Tatort Film "Wem Ehre gebührt" diskutiert, auch wenn es nicht meine Absicht gewesen ist, eine solche Diskussion erneut zu entfachen. Was ich wollte, habe ich in meinem Artikel, den ihr als Material im Anhang findet, niedergelegt: Ohne den historischen Kontext dieses Vorurteils und die Geschichte der Aleviten zu berücksichtigen, lässt sich ihr Protest nicht hinreichend verstehen. Im Klartext gesprochen: Ich habe Euch nur die Hintergrundinformation geliefert. Nicht mehr und nicht weniger. Ob Ihr Euch darauf einlässt oder nicht, das entscheidet Ihr.  

Zudem muss ich darauf hinweisen, dass ich den Artikel vor einigen Jahren verfasst habe, also lange vor dieser Verfilmung. Ich habe ihn angesichts aktueller Ereignisse überarbeitet.

Ich schlage das Folgende vor: Wir sollten die Tatort-Serie kurz beiseite lassen und endlich den Versuch unternehmen, uns auf den Artikel einzulassen, um so den Inhalt zur Kenntnis zu nehmen, auch wenn das schwer fallen sollte.