Altonaer Blog

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In diesem Blog werde ich mehr oder weniger regelmäßig (wie ich mich kenne weniger regelmäßig) aktuelle Themen besprechen. Natürlich absolut subjektiv.
Schaltergebühr
Fein ist es vermutlich nicht, wenn man in kurzer Zeit zweimal über das Gleiche schreibt. Aber dann kam die "Schaltergebühr".
Noch mal in Kurzfassung: Die Bahn wurde vom Volk aufgebaut, sprich wir alle (unsere Ur-Großeltern, Großeltern, Eltern ...) haben durch Steuern das heutige Schienennetz bezahlt. Und alle Bahnhöfe und Züge. Dann haben wir alle auch brav unsere Fahrscheine bezahlt (incl. der regelmäßigen Erhöhungen).
Schließlich hat der Steuerzahler noch einmal tief in die Tasche gefasst und hat die Schulden der Bahn beglichen (Stichwort: Bahnreform).
Und jetzt sollen die Bürgerinnen und Bürger, die kein Internet haben und die Automaten nicht verstehen, für eine der letzten Serviceleistungen des Unternehmens noch eine Extragebühr bezahlen. Das ist doch Satire, oder?
Kommentare (4)
Ich find das saukomisch. Ich habe erst gestern Abend meinen Wirt ermahnt, ja nicht auf die Idee zu kommen eine Bediengebühr zu verlangen.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die erste Aktion nach der Privatisierung hat zur Folge, dass ein Fahrgast, wenn er sich am Bahnhof eine Fahrkarte kaufen will, mit einer Strafgebühr belegt wird und dass die Preise für Pendler mehr angehoben werden, als die für die First Class. Das Ganze ist eine Initiative von wem? Na`? Wer hats erffunden?
Ich kann ja nichtmal SPD sagen, denn es wurde niemand gefragt. Die Bahnprivatisierung kann man nur verstehen, wenn man sich genau anschaut, wer davon profitiert. Da hat sich der Vorstand von ein paar Gangstern über den Tisch ziehen lassen, - das ist meine Meinung.
Ich glaube sogar, die Zustimmung zur Privatisierung war der Preis der Seeheimer für Beck, um noch länger im Amt bleiben zu dürfen.
Die Basis ist dagegen. - auch die der Union übrigends
Die Wähler sind dagegen - auch die der Union übrigends
Aber Tiefensee und Mehdorn haben einen Traum. Endlich soll die Deutsche Bahn für die Paketlieferungen in Alaska zuständig sein. Fahrkartenverkaufen ist da lästig.
Da hast du dir echt einen auf die Backe nageln lassen, alte Tante SPD.
gruss
Frank Kolb
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Nachtrag:
Die Nachdenkeseiten bieten folgenden Kommentar:
Schon mit der Einführung des neuen Preissystems im Dezember 2002 hatten die Führungspersonen der Bahn um Chef Mehdorn belegt, dass sie wenig wissen von den Gewohnheiten und der Lebenswelt der Mehrheit ihrer Kunden. Sie hatten damals ein dem Luftverkehr entlehntes Preissystem mit dem Zwang zur Buchung bestimmter Züge, wenn man preiswert fahren wollte, installiert. Sie hatten nicht bedacht, dass der Mehrheit dieses fremd ist. Jetzt passiert etwas ähnliches. Wer das Internet nicht zur Buchung nutzt und die Fahrkarte am Schalter kaufen will, soll 2,50 € Servicepauschale bezahlen. Albrecht Müller.
Die an Moden orientierten und verengt betriebswirtschaftlich denkenden Spitzen der Bahn sind offensichtlich nicht willens, sich in die Lage des immer noch sehr großen Teils der Menschen zu versetzen, die das Internet als Buchungsmöglichkeit nicht nutzen können, weil sie die dafür nötigen Geräte nicht haben, weil ihnen das Buchen immer noch zu kompliziert ist oder weil sie nicht bereit sind, die Daten ihrer Kreditkarte oder ihrer Scheckkarte in fremde Hände zu geben. Die Bahn nimmt keine Rücksicht auf diese Menschen. Das ist dumm, denn das wird Ansehen der Bahn bei einem Kreis von Menschen kosten, die immer noch treue Anhänger sind. Außerdem startet die Bahn damit wiederum einen Angriff auf ihren größten Vorteil - nämlich ein Verkehrsmittel zu sein, das man auch ohne Planung nutzen kann. Man geht zum Schalter, kauft und fährt weg. Und zwar auch von einem Ort, an dem man nicht zuhause ist und wo man nicht über Computer und Drucker verfügt.
Der Einwand, dass in solchen Fällen die Automaten helfen, zieht nicht. Ich kenne Dutzende älterer Menschen, die mit einem Automaten der Bahn nicht umzugehen vermögen. (Auch ich habe gestern fast 10 Minuten gebraucht, um am Automaten die beste Route auszusuchen und die Karte zu buchen.)
Hinzu kommt, dass die Servicepauschale vermutlich dazu beitragen soll, den Kauf am Schalter seltener anzutreten, damit dann nach einiger Zeit festgestellt werden kann, dass man ein Reisezentrum nach dem anderen schließen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen kann. Siehe dazu den Beitrag im Tagesspiegel/Anhang.
Dass die Spitze der Bahn nicht merkt, dass sie mit einem solchen Vorschlag „mit dem Hintern einreißt“, was sie mit viel Geld und Werbung an Vertrauen und Sympathie bei ihren Kunden aufzubauen versucht.
Auf einen interessanten Nebenaspekt soll in diesem Zusammenhang noch aufmerksam gemacht werden: der jetzige Vorschlag der Bahn wie auch schon die bisherige Praxis, viel zu wenige Schalter offen zuhalten und Bahnkunden zu zwingen, lange Zeit, oft eine halbe Stunde, in den Schlangen vor den Schalter zu verbringen, sind gute Beispiele dafür, wie versucht wird, Kosten zu Lasten der Kunden zu sparen. Das ist ähnlich wie bei der Praxis der Post, das Netz der Postämter und der Briefkästen auszudünnen. Man zwingt Menschen zum Warten, man zwingt sie zu langen Wegen und bürdet ihnen damit zusätzliche Kosten auf. Betriebswirtschaftlich gedacht mag das für Bahn, Post und andere Unternehmen mit ähnlichen Gehabe sinnvoll und lukrativ erscheinen. Volkswirtschaftlich betrachtet, also bei Berechnung aller Kosten, der Unternehmen wie der Kunden, ist eine solche Unternehmenspolitik teuer. Vermutlich wird es aber auch betriebswirtschaftlich keinen Erfolg haben, weil es dem Ansehen der Bahn extrem schadet. Siehe oben.
Es wäre eigentlich die Rolle und die Aufgabe der Bundesregierung, sich in einem solchen Fall einzuschalten. Sie hat es bei der Einführung des grotesken Preissystems von 2002 nicht getan und wird es vermutlich jetzt wieder nicht tun. Es sei denn, die leichten Proteste der gewählten Politiker entwickeln sich noch zu einem etwas stärkeren Sturm. Zu erwarten ist das nicht.
Albrecht Müller
Ausschnitt aus Leserbrief:
Es gibt nicht nur Menschen die ihre Daten der Kredit- oder Scheckkarte nicht preisgeben wollen. … Eine Gruppe in der Bevölkerung wird immer größer. Die Arbeitslosen. Wenn diese als Langzeitarbeitslose enden haben sie keine Kreditkarte mehr. Auch die Scheckkarte wird ihnen verwehrt. Der Automat schluckt auch nicht endlos Bargeld. Diese Menschen sind gezwungen an den Schalter zu gehen.
Sie werden von den Banken mit ohnehin Guthabenkonten bestraft, die horrendes Geld kosten. Nun auch noch für den Kauf von Fahrkarten am Schalter weil es ihnen nicht anders möglich ist.
Schöne neue Servicewelt.
Das ist leider keine Satire sonder planker Kapitalismus! Eine Buchung über das Internet kostet die Bahn weniger als ein Angestellter, der am Schalter sitzt. Ergo wird eine Strafgebühr erhoben, damit die Kunden "überzeugt" werden, künftig brav ihre Tickets übers web zu ordern. Irgendwann wird man dann bekanntgeben, das der Ticketkauf am Schalter nicht mehr möglich sein wird, weil die Kunden diesen Servive angeblich nicht mehr benötigen und auf einen Schlag werden unzählige Arbeitsplätze abgebaut und der Bahnvorstand kann sich mit dem eingesparten Geld seine Rosette weiter vergolden!




