Reflexion

Über dieses Blog
In diesem Blog möchte ich die aktuelle Politik kritisch unter die Lupe nehmen, auch die der eigenen Genossen.
Soll heißen ich werfe politische Themen mit einer Handvoll Witz, einer Prise Ironie und jede Menge Zynismus in einen Topf, rühre mit dem Löffel um und habe einen neuen Blog-Eintrag.
Atomare Endlösung
Gebetsmühlenartig wiederholen immer wieder die selben ausgelaugten Gesichter der Union die gleichen, ebenso ausgelaugten Schauermärchen und Deutschland erzittert vor Angst. Zahlen, die bereits nach kurzer Recherche nicht mehr nachzuvollziehen sind, erscheinen bedrohlich am politischen Horizont und "Laufzeitverlängerung" mutiert zum Unwort des Jahres.
Politiker, wie unser Bundeswirtschaftsminister Glos oder unsere Frau Bundeskanzler Merkel, üben schon einmal für ihre Karriere nach 2009, als Konzernsprecher bei RWE, EON und Vattenfall, wobei sie einschlägig bekannte Boulevard Blätter tüchtig dabei unterstützen. Da soll nochmal jemand dem guten Herrn Schröder vorwerfen, er hätte sich sein Amt als Aufsichtsratschef des Konsortiums der Ostsee-Pipeline bei Gazprom erschlichen.
Grade zu schicksalhaft scheint es zu sein, dass mit den Diskussionen um die Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke bei den Grünen auf einmal wieder ein Gewissen für Natur und Umwelt zu spüren ist, aber kommen wir zum Wesentlichen.
Wird sich der unbestrittene Weltmeister im Langsam- und Schönreden Glos gedacht haben, als er sich vor einigen Wochen seine ganz eigene Interpretation des "Monitoring-Bericht zur Versorgungssicherheit im Bereich der Elektrizitätsversorgung in Deutschland" ausgedacht hat und ihn gerne in der Bild-Zeitung gedruckt sah. Wahrscheinlich wäre mit seiner gefundenen erfundenen "Stromlücke" auch durchgekommen, wenn sich nicht ein paar aufmerksame Querulanten der Zeit und von Greenpeace die Mühe gemacht hätten den Monitoring-Bericht selbst zu lesen und welche Überraschung:
In dem Gutachten dreier Forschungsinstitute steht nämlich wenig, was Glos’ Warnungen rechtfertigt - und im Punkt Atom-Ausstieg sogar genau das Gegenteil.Gegenwärtig haben, das wird aus der Studie deutlich, die Energiekonzerne erheblich mehr Neubauten von Steinkohlekraftwerken in Planung oder bereits in Bau, als zur Deckung des zu erwartenden Bedarfes notwendig sein wird.
Quelle: www.klima-luegendetektor.de
Um so dreist von einer Stromlücke lügen zu dürfen, muss man wohl Bundeswirtschaftsminister sein, oder bei der CSU. Wie gut für Glos, dass er beides ist, sonst hätte er ja vielleicht negative Presse bekommen können.
Lügen und HalbwahrheitenDas obige Beispiel zeigt sehr anschaulich, wie frei Unionspolitiker Interpretieren und Argumentieren. Lasst uns doch einmal kurz einige Argumente in Sachen Atom- und Energiepolitik demontieren:
Fangen wir mit unserem liebsten Argument an: Atomstrom mach Alles billiger!?
Fakt ist, nach einer Hochrechnung des Öko-Institutes würde eine Verlängerung der Laufzeit unserer Atommeiler den Durchschnittsverbraucher eine Erleichterung von 12 Cent im Monat bringen. 12 Cent! Zum Vergleich: Der Austausch einer herkömmlichen Glühbirne gegen eine Energiesparlampe bringt im Schnitt 8 Euro im Monat!
Aber Atomkraftwerke verpesten die Umwelt nicht mit CO2!?
Sicher, die Kraftwerke nicht. Aber der z.B. Uranabbau samt Transport, da kommen dann gerne mal bis zu 126 Gramm CO2 pro Kilowattstunde zusammen. Zum Vergleich, ein Gaskraftwerk liegt bei 119 Gramm CO2 pro Kilowattstunde.
Bleiben wir beim Uranabbau, dieser verpestet nämlich das Grundwasser in den Abbauländern mit Schwermetallen und Uran fällt auch nicht vom Himmel, die weltweiten Vorräte reichen nach Expertschätzungen nur bis 2050! Übrigens machen wir uns über Uran ebenfalls abhängig von anderen Staaten, denn ähnlich wie Gas, gibt es in Deutschland keine Fördergebiete (mehr). Unser Uran kommt z.B. aus Russland, Kasachstan, Usbekistan, oder der USA. Alles Länder, die Vorreiter in Sachen Umweltschutz sind, nicht wahr?
Quelle: Vorwärts, Ausgabe Sep. 2008, Seiten 5 bis 6
Wohin mit der gelben Tonne?Mein atomares Lieblingsproblem (abgesehen von der Atombombe) ist die Endlagerung von atomarem Müll. Keiner will die Scheiße haben! Sehr schön zu sehen ist dieses Szenario aktuell in Bayern, die CSU schreit nach der Atomkraft, aber die Landesväter weigern sich strikt ihre Zwischenlager auch nur auf ein mögliches Endlager untersuchen zu lassen. Klar, wer will schon strahlendes Gefahrengut unter seinem Garten liegen haben (außer vielleicht unser Kumpel Mahmud Ahmadinedschad).
Bisher gibt es tatsächlich auf der ganzen Welt (!) kein Endlager für die gelben Tonnen mit der tödlichen Strahlung, nicht mal Atomfreunde wie die USA, Russland oder Frankreich trauen sich den Kram auf Ewig irgendwo zu deponieren und mit einer Halbwertszeit von 704 Millionen Jahren handelt es sich wirklich um eine Ewigkeit.
Nicht mit uns!Mein persönliches Fazit: Laufzeitverlängerung für deutsche Atommeiler? Nicht mit mir! Bei gutem Wetter kann ich von meinem Schreibtisch aus den Wasserdampf aus den Kühltürmen von Philippsburg sehen, ich werde froh sein, wenn ich diese künstlichen Regenwolken eines Tages nicht mehr im Auge habe.
Die Dreistigkeit der großen Stromkonzerne zeigt, dass ein endgültiger Ausstieg aus der Atomkraft und ein Umstieg auf regenerative Energien nur mit staatlichem Zwang funktioniert, je früher desto besser. Es ist das selbe Szenario wie mit den Benzinautos, lange schon gibt es Alternativen, aber die großen Konzerne halten lieber am Öl fest, schließlich sitzen die Scheichs ja mit im Vorstand. Solange RWE und Co noch eine Chance für ihre Atommeiler sehen, werden sie keinen Euro zuviel in die Erforschung und Verbesserung erneuerbarer Energien stecken. Warum denn neue Äpfel pflücken, wenn die Gesellschaft den faulen Apfel noch kauft?
Kommentare (1)
Wow, und wieder voll in die Tonne mit Propaganda-Müll gegriffen, anstatt selbst nachzudenken.
Selbst wenn man die Zahl von bis zu (sic!) 126 g CO2 pro Kilowattstunde als gegeben hinnimmt, so muß man doch erkennen, daß sie ein Resultat unseres heutigen Energiemixes beim Transport und in der Industrie ist (oder anders ausgedrückt: würde ich atomstrombetriebene Transportzüge und Bergbauequipment verwenden, sähe die CO2-Bilanz ganz anders aus). Dies trifft aber z.B. genauso auf Solarzellen zu, für deren Erzeugung sogar noch mehr CO2 freigesetzt werd als beim Atomstrom. In der Hinsicht ist einzig Windenergie wirklich CO2-ärmer als Atom. Aber der Wind bläst ja nicht ständig, also müßten man fairerweise auch noch das nötige Backup (meistens Erdgas oder Steinkohle) einberechnen.
Ich bin ja auch für erneuerbare Energien (welche sich übrigens vortrefflich mit Kernkraft ergänzen und die klimaschädliche Erdbeben-Todeskohle überfüssig machen). Nur wenn man meint über Kernkraft lästern zu müssen, sollte man bitteschön auch die Fakten kennen.




