Arbeitsmarkt 2.0

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In diesem Blog gebe ich ein paar meiner Erfahrungen als arbeitsuchender Akademiker wieder.
Mein Kommentar zur Presseinformation # 67 der Bundesvorsitzenden der Jusos Franziska Drohsel
Zunächst einmal die Pressemitteilung der Genossin Drohsel.
Das halte ich in Bezug auf das ALG II für sehr undurchdachtes Zeug.
Denn:
Natürlich brauchen Familien mit Kindern wesentlich mehr Geld, besonders Alleinerziehende, Alte etc.
Aber:
Bevordas ALG II pauschal erhöht wird, muss zunächst zwingend umverteiltwerden. Es kann nicht sein, dass ein Hartz IV-Empfänger sich eineInternet- und Handyflatrate, ein World of Warcraft - Abo, eine privateKrankenversicherung in Höhe von 300 Euro pro Monat etc. leisten kann.Das hört sich jetzt wie ein radikaler Ausnahmefall aus der Bildzeitungan, sind aber meine Beobachtungen aus dem erweiterten Freundeskreis.Diese Personen Mitte bis Ende 20 erhalten sonderbarer Weise auch nie(noch kein einziges Mal in über einem Jahr) Jobangebote von der ARGE,man läßt sie einfach in Ruhe, obwohl doch gerade sie noch eineAusbildung absolvieren könnten und aufgrund ihres Alters enorm wichtigfür den Arbeitsmarkt sind.
Meine Schlussfolgerung:
SingleALG-II Empfänger im besten Alter bekommen oft mehr als genug Geld undwerden nicht energisch genug in den Arbeitsmarkt gedrängt. Familien,Alte, Alleinerziehende etc. bekommen aber zu wenig. Es muss alsozunächst das vorhandene Geld umverlagert werden, damit die, denen esmit ALG I (zu) gut geht, weniger bekommen und die, die zu wenig habenmehr.
(Es gibt bestimmt auch Single Hartz IV Empfänger, die nicht auf meine Beschreibung passen. Diese sollen sich bitte nicht angesprochen fühlen!)
Erst wenn das geschehen ist, dann kann man sich die Zahlen noch einmal ansehen und überlegen, ob die, die Geld brauchen (Alte,Familien, Alleinerziehende etc.) vielleicht noch mehr benötigen. Die andere Gruppe braucht es definitiv nicht.
Mehr Geld für alle zu fordern, ist mit Sicherheit gut gemeint, realpolitisch aber Mist.
Nebenbemerkung:
Interessant ist diesbezüglich, dass Akademiker zu 1 Euro Jobs gezwungen werden,während die Studienabbrecher ohne Abschluss, auf die ich mich obenbeziehe, vollkommen in Ruhe gelassen werden.
Vom Arbeitsamt in Aachen wurden auch kürzlich Englischkurse für Arbeitslose angeboten, um diese in die neuen Werke einzugliedern, die in Alsdorf errichtet werden. Da wurden 2 Lehrerinnen gefeuert, weil sie richtig unterrichtet hatten. Die Arbeitslosen beschwerten sich nämlich darüber und die Sprachkursfirma hatte Angst, die lukrativen Aufträge des Arbeitsamtes zu verlieren, wenn sich zu viele Erwerbstätige beschweren. Nun unterrichten dort Fachfremde (also keine richtigen Englischlehrer),weil es nur um die Unterhaltung der Arbeitslosen geht. Die wenigen richtigen Lehrer, die noch da sind, müssen während des Unterrichtsschon mal auf die Toilette gehen, um heimlich zu weinen etc. Was passiert da bitte mit unseren Steuergeldern?
Bevor hier also nach mehr Geld geschrien wird, bitte erstmal das vorhandene sinnvoll verteilen, dann sieht vieles ganz anders aus, da bin ich mir sicher!
Kommentare (14)
Du versuchst die Solidarität mit den ALG2-Empfängern zu unterminieren und treibst sogar einen Keil zwischen die Hartz4-Empfänger.
Schäme Dich!
MSG
Günther
Ich schäme mich überhaupt nicht!
Ich bin doch nur der Meinung, dass erst die Missstände behoben werden müssen, bevor man weiter Geld hineinpumpt.
Was ich allerdings noch hinzufügen möchte ist, dass die ARGE halt zum Teil etwas überfordert/unfähig ist.
Wenn man einen platten Reifen hat, muss man den ja schließlich auch zuerst flicken, bevor man ihn aufzupumpen versucht, sonst hat das doch keinen Zweck!
Außerdem bin ich doch selber arbeitslos. Was habe ich für ein Interesse, die Masse der Empfänger zu spalten?
Ich sehe halt Schwachpunkte und prangere diese an!
Vielen Dank für den sachlichen Beitrag! Wer ihn nicht nur überfliegt, erkennt auch, dass du niemanden böswillig beleidigen möchtest.
Ich halte den Beitrag doch für etwas widersprüchlich.
Du schreibst zum einen aus einer subjektiven Perspektive - die Beschreibung von Fällen aus dem Bekanntenkreis ist kaum geeignet daraus allgemeine Trends oder einen generellen Habitus der Empfänger von staatlichen Transferleistungen abzuleiten.
Du erwähnst ja auch, dass es andere Personen als die dir persönlich bekannten geben wird - diese wären aber bei Kürzungen ebenso betroffen.
Private Krankenkasse - m.W. nach werden von der Arbeitsagentur nur die Kosten in Höhe der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Für eine Aufstockung, um die private Krankenkasse zu erhalten, müssen daher eigene Mittel aufgewandt werden.
Manchmal schreibst du auch von Personen, die das ALGI beziehen, obwohl anscheinend ALGII Bezieher gemeint sind.
Das bei einigen Personen keine Jobangebote durch die Arbeitsagentur gemacht werden, läßt sich auch kaum den jeweiligen Personen anrechnen, sondern ist ein Fehler im Konzept des "Förderns und Forderns" seitens der Arbeitsagentur.
Insgesamt weiß ich nicht, was du mit deinem Beitrag ausdrücken willst?
Sicherlich gibt es manches, was im Bereich der Arbeitsmarktförderung zu verbessern ist - aufgrund subjektiver Beobachtungen ein diffuse Umverteilung von Transferleistungen zu fordern, ist m.E. aber etwas gewagt. Insbesondere auch wenn es eigentlich um eine Juso Stellungnahme geht (gehen soll?), die deutlich anders gelagert ist.
Lies es Dir einfach noch mal durch ;-)
Ich behaupte nirgendwo, dass die 300 komplett übernommen werden. Aber gerade das ist doch der Skandal. Woher hat der Hartz IV-Empfänger die 160 Euro, die er selbst beisteuern muss?
Natürlich gehe ich von Fällen aus, die ich kenne! Ansonsten hätte ich schließlich keine Ahnung, wovon ich rede. Und um es nochmal zu verdeutlichen, ich rede hier nicht von jedem Hartz IV Empfänger, sondern von solchen, die in der Regel Schul- oder Studienabrecher sind und hängengeblieben sind. Diese muss man doch vermittelt bekommen!
Wenn einerseits z.B. in Aachen mehrere Tausend Lehrstellen nicht besetzt werden können, weil - so Arbeitgeber - die Bewerber nicht gut genug sind, dann MUSS doch den Studienabrechern mit Abitur eine Liste der entsprechenden Ausbildungen vorgelegt werden, damit diese sich dort bei Interesse melden können!
Bzgl. Deiner ALG I und II Verwirrung: Das liegt daran, dass ich von verschiedenen Fällen rede.
Dein abschließendes Argument mit den Jusos verstehe ich leider nicht. Insofern kann ich nicht darauf antworten.
Lieber Genosse,
bei allem Verständnis für Deine persönlichen Erfahrungen, solltest Du Dir doch mal die objektiven Untersuchungen zu Hartz IV anschauen. Es ist ganz klar, dass man von Hartz IV nicht in angemessener Weise leben kann. Real wurde durch die Hartz-Einführung die Arbeitslosenunterstützung geführt, dazu wurden die Leistungen durch die Inflation weiter entwertet. Genau die Summe, die bei Hartz IV eingespart wurde, wurde für die Senkung des Spitzensteuersatzes verwendet (beides zum 1.1.05 in Kraft). Wenn wir sozialdemokratisch nicht nur im Namen haben wollen, sondern in der Tat diesem Anspruch gerecht werden wollen, müssen die Hart-Sätze entsprechend den Forderungen von Gewerkschaften und Sozialverbändne auf mind. 500 € angehoben werden. Wenn sich die SPD nicht für die Anhebung und allgemein eine Politik der sozialen Gerechtigkeit stark macht, wird sie auch keine Wahl mehr mehr gewinnen.
Entschuldigung, aber ließt hier überhaupt einer was ich schreibe oder befinden sich alle auf einem Kreuzzug?
Natürlich ist Hartz IV in der Regel zu wenig, was aber daran liegt, dass zu viel Mist gebaut wird.
Es werden über lange Zeiträume Leute mit Hartz IV gespeist, die man wieder in den Arbeitsmarkt integrieren könnte, wenn da ein wenig Initiative von Arbeitsamt/ARGE ausging.
Das Geld, das hier gespart werden kann, könnte dann auf die Bedürftigeren aufgeteilt werden.
Ich will nur, dass Missstände, die größtenteils von der Verwaltung ausgehen, erst behoben werden, bevor man noch mehr Geld da hineinschüttet.
500 Euro ALG2 ja wo leben wir denn?? Wenn ich die Idee hinter dem ALG2 richtig verstanden habe, dann ist der Regelsatz so bemessen, das man von dem ALG2 Geld einen rudimentären Lebensunterhalt bestreiten kann und nicht mehr.
Würde man jetzt den Regelsatz auf 500 Euro erhöhen würde ein ALG2 Empfänger am Monatsende ob mit oder ohne Zuschläge mehr rausbekommen wie jemand, der zähneknirschend einen 400 Euro-Job angenommen hat, um so aus der Arbeitslosigkeit zu kommen. Was wäre daran sozialdemokratisch, das jemand, der arbeiten geht sich fragen muss, ob er nicht doch besser wieder arbeitslos wird??
Gegen eine regelmäßige Anpassung der Regelsätze an die Inflationsrate ist aus meiner Sicht jedoch nichts einzuwenden.
Du redest einfach völlige Scheiße. Aber immerhin bist du ja jetzt glücklich, daß die MSPD jetzt sich zwanglos in den Hintern des Kapitalismus gut tun kann. Immer druff auf die Schwachen, denn nach unten treten ist so viel schöner als oben was zu ändern.
Genosse Michael,
vielleicht solltest Du auch noch einmal lesen: die Forderung der Juso Vorsitzenden ist klar und nachvollziehbar.
Was Deine Erfahrungen angeht, so sind die mehr als einseitig und vorurteilbeladen.
Vor allem aber gehst Du von eklatant falschen Voraussetzungen aus:
1. Du glaubst an das Märchen der vielen freien Lehrstellen.
2. Du glaubst, dass Massenarbeitslosigkeit nichts mit dem Missverhältnis von offenen Stellen und Arbeitssuchenden zu tun hat.
Sehr geehrter Herr Kleu,
Ihnen sind die Regelsätze offensichtlich nicht bekannt. Ein RA, der sich mit Hartz4-Fällen täglich befasst, hat folgendes dazu geschrieben:
Die Regelsatzverordnung für Hartz IV fusst auf einer statistischen Erhebung aus 1997. Zugrunde gelegt wurden die statistisch abgefragten AUSGABEN von 1-Personen-Haushalten, die ein Einkommen der UNTERSTEN 20% aller Einkommen in D haben. Familien und Kinder kamen also schon mal gar nicht vor.
Interessanter Weise ergab die "Neuberechnung" in einem Microzensus in 2004 "EXAKT" den selben Betrag von 345 Euro Maximal-Regelsatz.
Seit 11 Jahren also keine Erhöhung bis auf die 2 Euro letzten Sommer und jetzt 4 Euro.
Diese Ausgaben wurden in verschiedenen Bereichen erfasst (Bekleidung, Möbel, Fahrtkosten, Essen+Trinken, Strom + Haushalt, Telefon, Anschaffungen/Reparaturen usw.)
Einige Ausgabenbereiche wurden komplett gestrichen (zB Bildung), bei den übrigen Ausgabenbereichen wurden für die Berechnung der Hartz IV-RegelsatzEuros Ausgaben von 30% bis 90% der Ausgaben dieser 1-Personen-Haushalte am untersten Ende der Einkommensskala festgelegt als "Existenzminimum".
An Zahlen ergab das für den Regelsatz folgendes:
In der SGB II - Regelsatzverordnung hat der Gesetzgeber festgelegt, wie viel monatlich von 345 Euro (Maximalsatz Hartz IV, jetzt 351 Euro) für welche Ausgaben ist
Erwachsener
131,10 Nahrung, Getränke
27,60 Strom / Warmwasser / Wohnung - Reparaturen/Renovierungen
34,50 Bekleidung, Schuhe - Anschaffungen/Reparaturen
26,70 Möbel, Haushaltsgeräte - Anschaffungen/Reparaturen
13,80 Gesundheitspflege + Arzt/Medikamente
20,70 Verkehr (Auto/Bus/Bahn/Fahrrad)
37,90 Freizeit, Kultur
10,30 Gaststätten – und Hotelleistungen
20,70 Sonstiges (alle Versicherungen, übrigen Waren u. Dienstleistungen)
20,70 Telefon, Briefe, Kommunikation (Bewerbungen)
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(Ehe)Paare JEDER 10% weniger im Monat (316 Euro), Jugendliche 15-25 Jahre 20% weniger (281 Euro), Kinder unter 15 Jahren 40% weniger (211 Euro). Kindergeld ist da schon drin, gibt es nicht zusätzlich.
Also Herr Kleu, das ist das Paradies, das Herr Schröder den Armen beschert hat. Ein 55-jähriger Bauarbeiter, der durch den Konkurs seines Arbeitgebers arbeitslos wurde, muss nach 18 Monaten ALG1 nachdem er seine Ersparnisse verbraucht hat, von diesem Geld leben. Und Sie meinen, dass dieser Bauarbeiter die SPD noch wählen wird?
Was hier wohl viele nicht verstehen ist, dass ich bis diesen Monat ALG I-Empfänger war und jetzt gar nichts mehr bekomme. Dass Ihr das nicht versteht, liegt daran, dass Ihr nicht meine älteren Blogeinträge lest.
Mit dem ALG I haben meine Frau und ich mit zusammen 750 Euro im Monat gelebt. Wir sind damit durchaus über die Runden gekommen. Hinzurechnen muss man lediglich die 130 Euro Krankenkassenbeitrag, die das Arbeitsamt für mich übernommen hat.
Das mit den offenen Lehrstellen ist keine Lüge, in Aachen haben wir definitiv Lehrstellen, die nicht besetzt werden können, was mich auch nicht wundert, wenn ich im Bus sitze und mir die schulkinder so angucke. Dieses Argument bezieht sich natürlich auf den raum Aachen.
Ob ich "Scheiße" schreibe oder nicht mögen andere beurteilen ...
Verehrter Genosse,
Sch ... schreiben war nicht der stichhaltige Vorwurf.
Der lautet auf VORURTEILE. Ich verweise nur auf die Bemerkung über Schulkinder im Bus. Die können sich hier im Netz noch am wenigsten wehren.
Leider haben hier wohl alle Diskutanten einschließlich der Juso-Vorsitzenden das System akzeptiert.
Egal ob jetzt mit 325 oder 500 Euro.
Die Wahrheit ist, dass dieses System falsch ist. Die Kommunen hätten genügend Aufgaben, die für die Allgemeinheit sinnvoll zu erledigen wären.
Die Wahrheit ist, dass dies im Saldo für die Kommunen, also für den Steuerzahler sogar billiger wäre.
Die Wahrheit ist, dass dies auch für die Betroffenen eine Steigerung der Lebensqualität bedeuten würde.
Die Wahrheit ist, dass dies auch den Druck auf die Löhne der Beschäftigten enorm senken würde.
Gerade auch solche Diskussionen, wie die um ein bedingungsloses Grundeinkommen sind völlig kontraproduktiv. Sie spalten und lenken vom Problem ab.
"Herr" lass Verstand regnen! ;-)




