WolWo´s Blog

Über dieses Blog
Aktuelles aus Berlin, meinem Wahlkreis Flensburg/Schleswig, aus dem Europarat und den Entwicklungsländern sowie Veranstaltungshinweise und Stellungnahmen zu Themen und Politikfeldern, die mir besonders am Herzen liegen.
Hunger und Armut in Entwicklungsländern bekämpfen - Kleinbauern fördern!
Die Förderung von kleinbäuerlichen Strukturen und der Abbau von Exportsubventionen für Agrarprodukte aus reichen Ländern sind neben der Nothilfe die wichtigsten Maßnahmen zur Bekämpfung des Hungers in armen Ländern. Gestern debattierten die Abgeordneten im Plenum über zwei Anträge, jeweils der Koalitionsfraktionen und der Grünen, zu diesem Thema.
Nach Angaben der FAO, der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, ist die Zahl der hungernden Menschen bis Ende 2007 weltweit auf 923 Millionen gestiegen - ein trauriger Rekord. Der drastische Anstieg der Grundnahrungsmittelpreise droht gerade weltweit, weitere Millionen Menschen in Armut und Hunger zu stürzen.
Ich bin davon überzeugt, dass die ländliche Entwicklung ein Schlüsselelement für die Bekämpfung des Hungers ist. Auf meinen Reisen, aber auch im eigenen Land, habe ich die Wichtigkeit nachhaltiger Naturnutzung immer mehr schätzen und achten gelernt.
Durch Industrialisierung der Landwirtschaft, Monopole, Spekulation, Klimakatastrophen und den großflächigen Anbau von Exportpflanzen werden Menschen von ihrem Land vertrieben. Dadurch werden die Bauern daran gehindert, sich und ihre Familien selbst zu ernähren.
Ein Ausbau der Infrastruktur in den ärmsten Ländern, eine nachhaltige Produktion von Grundnahrungsmitteln für lokale und regionale Märkte -also eine kleinstrukturierte, ökologisch nachhaltige Landwirtschaft, die Förderung von kleinbäuerlichen Betrieben und gerechtere Strukturen im Welthandel sind dringend notwendig.
Auch menschenverachtende Maßnahmen, die zur Vertreibung von Bauern führen, müssen bekämpft werden. In Guatemala, einem Land, welches ich im Sommer im Rahmen einer Dienstreise besuchte, werden beispielsweise die Kleinbauern von Großgrundbesitzern von ihren kleinen Feldern verdrängt. In anderen Teilen der Welt werden Reis- oder Maisfelder durch riesige Palmöl-Plantagen ersetzt, ein Phänomen, das durch den Boom der Agrarrohstoffe begünstigt ist. Auch die gewaltsamen Enteignungen von Reisbauern im Süden Bangladesch's, deren Felder von der Shrimp-Industrie-Mafia versalzen und vergiftet werden, sind traurige Beispiele für die oft kriminellen Ursachen von Ernährungskonflikten.
Die Bekämpfung des Hungers ist ein umfassendes Projekt, welches einen ganzheitlichen Ansatz verlangt. Wichtig ist auch, dass der Kampf gegen Hunger und Armut in den Entwicklungsländern nur in den ländlichen Gebieten gewonnen werden kann. Kleinbauern sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Den traditionellen Kleinbauern und Fischern sollte ein besserer Zugang zu den Schlüsselressourcen Land, Wasser bzw. Saatgut gesichert werden.
Deutschland soll dafür Sorge tragen, dass sowohl strukturelle Maßnahmen als auch Sofortinterventionen zu einer Entwicklung ländlicher Räume führen. Eine konkrete Maßnahme ist beispielsweise der Abbau von Subventionen an europäische Bauern, die immer noch die Märkte der Entwicklungsländer mit billigen Agrarprodukten überschwemmen und damit die lokale Produktion zerstören.
Meine Fraktion unterstützt daher den beispielhaften Vorschlag der EU-Kommission, 1 Mrd. € aus dem Budget der Gemeinsamen Agrarpolitik für eine Förderung der Landwirtschaft in den von Hunger betroffenen Ländern umzuwidmen.
Euer Wolfgang Wodarg



