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von Sebastian Finsel

Über dieses Blog

Hier geht es um Sozialdemokratie, das Leben im Allgemeinen und all die Dinge die sonst noch so passieren. Natürlich immer mit einem (kritischen) Blick nicht nur auf die SPD. Welche Themen mich am meisten interessieren könnt ihr ja beim Lesen herausfinden

Foto: Sebastian Finsel
von Sebastian Finsel | 02.01.2008 | 20:43 Uhr

Warum ich kein Patriot bin

Patriotismus, also Vaterlandsliebe, basiert für mich einfach auf einer falschen Annahme. Nämlich der, das mensch dem Land in dem mensch zufällig geboren wurde oder in dem mensch zufällig lebt mehr Wert zumessen sollte als anderen Ländern. Ich könnte Deutschland und andere Länder aus 100 anderen Gründen gut finden, aber nicht aus diesem.

Aufgrund der Vorstellung, ein Land sei höherwertig als ein anderes sind außer dem 2. WK schon unzählige andere Kriege geführt worden. Unzählige Menschen haben für patriotistische Ideologien ihr Leben lassen müssen.

Ich weiß, jetzt heißt es wieder: "wir wollen andere Länder nicht abwerten." Nur, die Liebe zum eigenen "Vaterland" ist doch schon eine Abwertung, zumindest gewichtet mensch doch schon anders, wenn einem deutsche Probleme wichtiger sind.

Ich weiß Patrioten sind keine Nazis, aber Patriotismus ist eben schon eine Form des Nationalismus, und Nationalismus führt immer zu Leid und Ungerechtigkeit.

Ich bin froh, das zumindest manche Menschen aus der Geschichte gelernt haben, und solche Tendenzen daher ablehnen. Und wenn ihr mich fragt, was ich bin, wie ich mich selbst definiere:

Ich bin ein Mensch, Bewohner dieser Welt. Genauso wie etwa 6,7 Milliarden andere Menschen auch. Mit ihnen sehe ich mich in Solidarität, für sie trete ich ein. Sicher, manche mag ich mehr als andere, aber das mache ich an Worten und Taten fest, nicht an der Herkunft.

Kommentare (6)

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von Christoph Brodhun | 02.01.2008 | 23:42 Uhr

Ich habe aus dem 2. WK gelernt, deshalb bin ich ein Patriot und kein Nationalist. Und ja: Ich werte kein Land ab, aber Deutschland ist mir irgendwie näher als Bhutan.

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von Sascha Voß | 03.01.2008 | 16:37 Uhr

"Nur, die Liebe zum eigenen "Vaterland" ist doch schon eine Abwertung, zumindest gewichtet mensch doch schon anders, wenn einem deutsche Probleme wichtiger sind."

Wenn man einen Stein auf einen Berg trägt, sinkt der Meeresspiegel nicht.


Außerdem bin ich mit der Patriotismus-Definition immernoch unzufrieden.
Sie ist ausgelegt auf eine imobile, biologistische Weltordnung, in der ich dorther komme, wo auch meine Familie herkommt.
Kann also jemand, der nach Deutschland kommt und die Staatsbürgerschaft annimmt, kein deutscher Patriot werden ?
Oder wird er direkt zum Nationalisten ?

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von Christoph Brodhun | 03.01.2008 | 16:41 Uhr

Ich denke, dass bspw. ein Franzose, der nach Deutschland kommt, kein deutscher Patriot (vgl. lat. patria = Vaterland) werden kann, da Deutschland nunmal nicht sein Vaterland ist. Mein Großvater war Lette, für ihn ist immer Lettland sein Vaterland geblieben. Was nicht heißen muss, dass man sich nicht mit dem Land in dem man lebt identifizieren kann. Aber es wird halt nie zum Vaterland.

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von Sascha Voß | 03.01.2008 | 20:04 Uhr

Genau da muss ich widersprechen.
Wenn man Patriotismus wörtlich nimmt, worauf ihr ja besteht, kann man m.E. Vaterland nicht als "das Land ist mein Vater, ich bin sein Sohn" verstehen (d.h. ich bin dort geboren), sondern muss "das Land meiner Vorväter / meines Vaters" (d.h. meine Familie kommt da her) annehmen.
D.h. die Heimat kann (muss ?)  angenommen werden.

Ob ein Kind in Deutschland geboren ist oder im Alter von 2 Jahren nach Deutschland kommt, kann da für mich keinen bedeutenden Unterschied machen.
Und schau bitte mal in die USA: Die Leute, die Jahre hart gearbeitet haben, um US-Bürger zu werden, die mit ihrem Herkunftsländern gebrochen haben und ihre neue Heimat viel mehr zu schätzen wissen, weil sie viel mehr dafür schuften mussten, diese Menschen können niemals Patrioten werden ? Nur "sich Identifizierende" ?

Ich bestehe weiterhin auf einer modernen Patriotismus-Definition, die weg vom biologistischen "Vaterland" und hin zur geistigen "Heimat" geht.
Dies hat den Vorteil, das man sich viel leichter vom Nationalismus abgrenzen kann, der ja idR eine ethnische Nation fordert und glorifiziert.

(vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/N … lturnation)

Foto: Sebastian Finsel
von Sebastian Finsel | 04.01.2008 | 10:29 Uhr

Sascha Voß schrieb: "Wenn man einen Stein auf einen Berg trägt, sinkt der Meeresspiegel nicht."

Nein, aber der Berg wird im Vergleich zu anderen Bergen höher... so ist das. Oder siehst du nur dein eigenes Land als Berg?

Sascha Voß schrieb: "Ich bestehe weiterhin auf einer modernen Patriotismus-Definition, die weg vom biologistischen "Vaterland" und hin zur geistigen "Heimat" geht."

Fein. Aber das ist dann wirklich sehr weit weg vom Wortsinn des "Patriotismus". Eine Heimat hat, denke ich, jeder Mensch - und das ganz ohne Vaterland, Nation und was weiß ich noch.

Foto: Sascha Voß
von Sascha Voß | 04.01.2008 | 14:44 Uhr

War kein gutes Gleichnis, ich wollte nur auf die Unabhängigkeit beider größen hinaus.
Ich dachte an einen Berg, der einsam aus dem Wasser hinausragt.
Das Wasser ist das allgemeine "Mögen-Level", der Berg ein bestimmtes (in diesem Fall "Heimat").
Richtig ist, dass sich der relative Unterschied vergrößert, der absolute Wert für den Wasserspiegel aber nicht verringert.
Eine einzelne Aufwertung wertet also nur in Relation ab, d.h. in der subjektiven Wahrnehmung.
Damit fällt es unter die Kategorie Neid. Hmm, das überrascht mich ein wenig... führt hier auch zu weit...

Zum Wortsinn:
Der Wortsinn verändert sich im Laufe der Zeit. Das ist nunmal so.
Das Beispiel Gymnasium hab ich schon genannt, vgl auch engl. gymnasium.

Der Kanzler war ein geistlicher Beamter am Hof, der in einer "Zelle" hockte.

Das "Demos" in Demokratie hatte in Athen eine Bedeutung, bei der wir heute kaum von einer Demokratie sprechen würden.