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Reflexion

Foto: Claus-Georg Nolte
 
von Claus-Georg Nolte

Über dieses Blog

In diesem Blog möchte ich die aktuelle Politik kritisch unter die Lupe nehmen, auch die der eigenen Genossen.
Soll heißen ich werfe politische Themen mit einer Handvoll Witz, einer Prise Ironie und jede Menge Zynismus in einen Topf, rühre mit dem Löffel um und habe einen neuen Blog-Eintrag.

Foto: Claus-Georg Nolte
von Claus-Georg Nolte | 03.01.2008 | 00:16 Uhr

Ihr wollt einen Warnschuss?

Erziehungslager für jugendliche Straftäter!

Wir erinnern uns, zwei Jugendliche mit Migranten-Hintergrund schlagen in München einen Rentner brutal zusammen, nachdem dieser die Jungen an das Rauchverbot am Bahnhof erinnerte. Diese Steilvorlage konnte das politisch konservative Lager in Deutschland natürlich nicht auslassen, allen voran der unlängst aus einem John R. R. Tolkien entkommene Goll... Roland Koch.

Man solle doch kriminell gewordene Ausländer schneller ausweisen können und sogar die Forderung nach Erziehungslagern wurden laut. Die schöne alte, konservative Methode des Wegsperrens und Vergessens. Diese kriminellen Ausländerkinder sind doch ohnehin alle arbeitslos, nicht wahr Herr Koch? Da würde es doch passen, wenn man über ihren Erziehunglsagern ein Schild anbrächte, der Slogan "Arbeit macht frei!" bietet sich da irgendwie an, was meinen Sie Herr Gehb? Und er passt ohnehin so ideal zu Ihrem anderen Slogan: "Sozial ist, was Arbeit schafft!" ... egal zu welchen Hungerlöhnen, nicht wahr Frau Merkel?



Perspektivenwechsel:

Du kommst aus einem armen, von Bürgerkrieg zerrütteten Land. Zumindest erzählen dir dies deine Eltern, die nicht wollten, dass du deine Kindheit zwischen Mörsereinschlägen und Landminen verbringst, deshalb sind sie nach Deutschland geflüchtet als deine Mutter erfuhr, dass sie mit dir schwanger ist. Deine Eltern haben dich eine Sprache gelehrt, die auf der Straße kaum einer spricht, bis auf deine Nachbarn, man hat sich zusammengetan um sich im Alltag helfen zu können.

Die "Anderen" helfen nicht! Das hast du bereits in der Grundschule erfahren, als dich die Großen rumgeschubst haben nur weil du nicht die aktuelle Mode getragen hast und einen komischen Akzent hattest. Das dein Vater dir die aktuellen Klamotten gerne gekauft hätte, hast du ihm nicht geglaubt, du konntest ja nicht ahnen, dass nach all den Jahren sein Asyl-Antrag noch immer nicht genehmigt worden war und er als "Geduldeter" keiner Arbeit nachgehen durfte. Also hast du angefangen die Klamotten zu klauen, die die anderen so "cool" fanden und wurdest später in der Schule von der Polizei abgeholt.

Bis heute bist du dir nicht im Klaren darüber warum, aber deine Mitschüler zollten dir Anerkennung dafür, dass man dich aus dem Klassensaal der Hauptschule mit Handschellen abführte. Aber dieses Ereignis hat dich geprägt und das es zu Hause Ärger gab war halb so wild. Immer öfter hast du dir eigenmächtig geholt, was die glitzer Werbung der heilen Welt aus Fernsehen und Schaufenster versprachen, immer öfter kam dich die Polizei besuchen und immer mehr Anerkennung kam von deinen Klassenkameraden. Das deine Schulnoten dabei immer schlechter wurden störte nicht, immerhin hat dein Lehrer ja oft genug betont, dass du es als Ausländer nun mal schwerer mit dem Lernen hättest.

Nach deinem miserablen Hauptschulabschluss solltest du eine Lehre machen, zumindest nach Willen deiner Eltern und der Tusse vom Arbeitsamt. Du wolltest aber lieber dein Geld mit Musik machen, so wie deine Vorbilder von MTV, welche dir täglich dein eigenes Leben vorsangen: Hass, Gewalt, Kriminalität, nur mit dem Unterschied, dass sie damit irgendwie Geld machten. Schließlich hat sich doch ein Maurermeister erbarmt und auf deine Bewerbungen reagiert, doch schon beim Vorstellungsgespräch wurde dir klar: Er hatte genauso wenig Lust auf einen "verlausten Kanacken", wie du auf dieses Vorstellungsgespräch. Also bliebt es beim Gespräch und die Dame vom Amt stufte dich als "schwer vermittelbar" ein, aber das war dir egal. Die "Anderen" Nachbarn nannten dich einen faulen Herumtreiber und irgendwann hat Herr Müller deine Mutter im Suff die Treppe runtergeschubst. Am nächsten Tag hollte die Polizei deinen Vater ab, weil er Herrn Müller, dem feinen Deutschen, in seiner Wut mehrere Rippe gebrochen hatte, nachdem er von der Schwarzarbeit wiedergekommen war. Eine Woche später war dein Vater weg, in der alten Heimat, wie deine Mutter sagte. Gegen dich und deine Mutter lief nun auch ein Abschiebeverfahren und man machte euch noch mehr Vorschriften als sonst: Ihr durftet die Stadt nicht verlassen, wurdet noch öfter von Polizei und Jugendamt drangsaliert und selbst die Schlampe vom Arbeitsamt wollte nicht mehr helfen.

Du und dein Kumpel, ihr habt euch an der U-Bahnhaltestelle getroffen um euren Frust auf diese Welt in Alkohol und Nikotin zu versenken, da kam dieser alte Mann. Er sah ein wenig aus wie der fette Maurer, der dich im Bewerbungsgespräch gedemütigt hatte und er fing auch sofort an rumzubrüllen. "Hallo? Polizei? Die beiden Ausländer hier Rauchen, obwohl es verboten ist und spucken 'rum!", da ist dir der Kragen geplatzt, wie deinem Vater vor einer Woche, Ausländer? Du wolltest gar nicht in diesem Land voller intoleranter Idioten leben! ... und dann hast du Zugeschlagen.

Mehr zum Thema: www.zeit.de/online/2008/01/jugendstrafrecht-koch-zypries

Kommentare (2)

Foto: Christoph Brodhun
von Christoph Brodhun | 03.01.2008 | 00:27 Uhr

Vielleicht habe ich dich falsch verstanden, aber wirbst du um Verständnis für die beiden Münchener Verbrecher?

Übrigens gut geschrieben.

Foto: Claus-Georg Nolte
von Claus-Georg Nolte | 03.01.2008 | 10:02 Uhr

Danke! :)

Du hast schon richtig erkannt, dass der fiktive Perspektivenwechsel auf den Vorfall in München anspielt. Jedoch möchte ich mit dem Text in keinem Fall die Tat rechtfertigen, sondern lediglich verständlich machen, wo das Problem nach m.M. wirklich liegt.