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von Sebastian Finsel

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Hier geht es um Sozialdemokratie, das Leben im Allgemeinen und all die Dinge die sonst noch so passieren. Natürlich immer mit einem (kritischen) Blick nicht nur auf die SPD. Welche Themen mich am meisten interessieren könnt ihr ja beim Lesen herausfinden

Foto: Sebastian Finsel
von Sebastian Finsel | 05.12.2007 | 15:52 Uhr

Das "böse" Tempolimit

Ich bin ja immer wieder überrascht, wie viele GenossInnen nicht umhin kommen, gegen den Beschluß des Bundesparteitags zu wettern. Da wird dann schnell mal davon geredet, das dies die persönliche Freiheit (zu rasen?) einschränke, dies die Straßen nicht sicherer machen würde und, sowieso, dies fürs Klima gar nichts bringe.

Zunächst einmal oberflächlich nicht unrichtig erkannt, nur: alles keine echten Argumente dagegen.

Ein wirklich interessanter und wichtige Effekt eines Tempolimit ist etwa die bessere Ausnutzung vorhandenen Straßenraums, denn langsamere Autos verbrauchen weniger Platz. Eine ganze Reihe alltäglicher Staus entstehen durch den wechselnden, sich aufschaukelnden Platzbedarf von Fahrzeugen, die ihre Geschwindigkeit erhöhen. So paradox das klingt, es ist beweisbar. Und es bedeutet eben auch, das die vorhandenen Autobahnen so effizienter genutzt werden können, ohne Ausbauten, die dann wirklich ökologisch nicht mehr vermittelbar sind.

Und sicher, 2,5% weniger Treibhausgase, das scheint auch ersteinmal vernachlässigbar. Aber warum sollten Autofahrer nicht auch einen Beitrag bringen, sei er eben noch so klein?

Ich gehe fest davon aus, dass ein Tempolimit so oder so in den nächsten 20 Jahren in Deutschland eingerichtet wird, und es wäre gut, wenn die SPD dies initieren würde. Im übrigen heisst das ja nicht, das moderne Verkehrsleitsysteme überflüssig werden - im Gegenteil, sie werden weiterhin dringend gebraucht. Nur schneller als 130 (oder 120, oder 110, je nach Partei und Lust und Laune) wird dann niemand mehr fahren dürfen.

Kommentare (6)

Gravatar von Frank Kauffeld
von Frank Kauffeld | 05.12.2007 | 17:55 Uhr

Mir rückt bei der ganzen Debatte das Argument mit Klima und Treibhausgasen zu sehr in den Vordergrund. Sicher, das ist gerade aktuell und auch ein schöner Nebeneffekt, aber man sollte mehr in den Vordergrund rücken, dass es bei einem Tempolimit auch und vor allem um Menschenleben geht.
Jetzt werden die Schnellfahrer wieder argumentieren, dass nur ein Bruchteil aller Verkehrsunfälle durch Raser verursacht werden. Das ist richtig. Richtig ist aber auch, dass das Risiko von Unfällen mit Todesfolge mit zunehmender Geschwindigkeit steigt.
Wenn also durch ein Tempolimit die Zahl der Verkehrsopfer auf deutschen Straßen verringert werden kann, dann sollte es uns das allemal wert sein.

Foto: Karl Angster
von Karl Angster | 05.12.2007 | 19:00 Uhr

Auch in Sachen Tempolimit bin ich, wie beim Rauchen und Trinken, der Meinung, dass das reglementiert werden muss.

Rasen gefährdet genauso das Gemeinwohl, wie Rauchen und Trinken. Das hat Nichts mit persönlicher Freiheit zu tun.

Persönliche Freiheit bedeutet, ungefährdet und verlässlich sein Leben führen zu können, ohne dass ständig irgendwelche Individualisten aus der Reihe treten, andere belästigen, gefährden oder gar töten.

Viele Menschen in diesem Land können sich nicht einmal ein Auto leisten, geschweige denn rasen. Da muss es nicht sein, dass sich die sogenannte Oberschicht dieses als Privileg sichern will.

Nur durch Regeln, die das Leben des einzelnen lenken und vorgeben, werden wir in der Lage sein, eine sichere, gerechte, sozialistische und geistig wie körperlich gesunde Gesellschaft aufzubauen.

Foto: Helmut Probst
von Helmut Probst | 10.12.2007 | 10:05 Uhr

Mit der Meinung von  Frank, dass das Thema Treibgas und Klima deshalb in den Vordergrund rückt, weil es gerade aktuell ist, kann ich mich nicht so richtig anfreunden. Das Thema ist und bleibt aktuell und mit jedem Tag aktueller. Das sollte  jedem bewusst werden. Und es wird mit jedem Tag aktueller, dass jeder jeden Tag entsprechend sein persönliches Verhalten darauf einstellt. "Unsere Enkel werden uns einmal verfluchen, wenn wir das heute nicht tun", sagte kürzlich Sigmar Gabriel, und diese Meinung teile ich ohne Einschränkung. Ich will das hier nur deshalb unterstreichen, weil das noch lange nicht das Denken aller Menschen beherrscht. Auch Tendenzen, die ganze Angelegenheit allein dem Staat zu überlassen in dem Glauben, er werde schon das Notwendige tun, sind verbreitet vorhanden. In diesem Lichte sollte meiner Meinung nach jeder auch die Frage eines Tempolimits persönlich überdenken. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht noch einmal sagen.

Foto: Sebastian Finsel
von Sebastian Finsel | 10.12.2007 | 10:33 Uhr

In der Tat sehe ich es so wie Helmut es sagt: das Thema "Klima" wird aktuell und wichtig bleiben. Denn die Lage ist ernst.

Sicherlich richtig ist meiner Meinung nach allerdings auch, dass der Aspekt des Klimaschutzes beim Tempolimit nur einer von mehreren Gründen ist, und der direkte Einfluß eines Tempolimits auf das Klima zwar vorhanden, aber gering ist. Indirekt allerdings, und wenn mensch die anderen Effekte (Unfälle, Kapazität) mit einbezieht macht ein Tempolimit viel Sinn. Jeder kleine Schritt hilft.

Foto: Nick Mott
von Nick Mott | 30.12.2007 | 00:26 Uhr

Also ich sehe das ganz pragmatisch:
das Tempolimit existiert bereits de facto.

Ich bin jeden Tag längere Strecken auf Autobahnen unterwegs und kann nur feststellen: Scheissegal ob da ein Schild steht oder nicht - im Schnitt komme ich über 110(!!!) nicht hinaus!
Die Gründe dafür sind schnell gefunden:
- Stau, Stau, Stau.
- Hohes Verkehrsaufkommen
- Baustellen, Baustellen, Baustellen
- Endlose LKW-Karawanen, die für PKWs die Autobahn einspurig werden lassen und dann reicht ja auch schon mal eine Schnarchnase, um den ganzen Verkehr aufzuhalten
- Fast alle Strecken, die ich fahre, sind bereits reglementiert und das zum grössten Teil zwischen 80 und 120!

Ach ja, bevor ich´s vergesse:
Mein Navigationsgerät zeigt mir unmissverständlich, dass ich bei Tempo 170 4 Liter mehr verbrauche gegenüber Tempo 120 und mein Zeitgewinn auf 100km im Schnitt gerade mal 5 Minuten beträgt...wobei dieses Tempo aber auch gerade mal (im Schnitt) auf gerade mal 5% der Strecke überhaupt durchzuhalten ist, bevor irgendwas einen ausbremst und man wieder erneut beschleunigen muss ...usw.

Ich fahre also, um meinen Wagen, meine Nerven und etwas die Umwelt zu schonen freiwillig 120 - weil die aktuellen Bedingungen jedes andere Verhalten eh ad absurdum führen.

Noch Fragen?

Foto: Enrico Weigelt
von Enrico Weigelt | 07.04.2008 | 16:33 Uhr

Hallo in die Runde,

ich halte die ganze Debatte für überflüssig. Wie hier schon richtig festgestellt wurde, dürfte ein generelles Tempolimit nichts nutzen.

* Dort wo die Verkehrssituation kein schnelles Fahren hergibt (Unfallgefahr, Lärmbelästigung, usw), wird die Geschwindigkeit begrenzt. Dafür sind die jeweiligen Behörden zuständig.
* Der höhere Spritverbrauch (und dazu linear die Umweltbelastung) wird allein schon durch die stetig steigenden begrenzt.
* Da der optimale Arbeitspunkt zwischen den einzelnen Fahrzeuge deutlich unterschiedlich ausfällt, kann auch keine allgemein optimale Geschwindigkeit ermittelt werden - es gibt einfach zu viele, nicht erfaßbare Faktoren. Jeder muß für sich den optimalen Punkt finden.
* Staus entstehen nicht durch zu hohe Geschwindigkeiten (von Unfällen mal abgesehen), sondern durch Geschwindigkeitsdifferenzen bei hinreichender Verkehrsdichte.   Bei dichtem Verkehr reicht schon eine minimale Schwankung von etwa 5km/h aus, um massive Stauwellen zu produzieren. Ergo gilt es, die Geschwindigkeiten zu synchonisieren statt zu global zu beschränken.
* Eine Einheitsgeschwindigkeit ist verkehrspsychologisch schwierig: je länger man mit einer konstanten Geschwindigkeit fährt, umso langsamer (und ungefährlicher) wird diese empfunden.

Fazit: die Probleme sind sehr komplex und liegen an ganz anderen Stellen als der formell zulässigen Höchstgeschwindigkeit.

Laßt uns doch lieber über die konkreten Probleme diskutieren.


Gruß