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Christen in der SPD

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von Daniel Leitner

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Für überzeugte und praktizierende Christen in der SPD, die sich untereinander kennenlernen wollen

Foto: Daniel Leitner
von Daniel Leitner | 30.09.2009 | 19:25 Uhr

Ist das ein sozialer und demokratischer Umgang miteinander?

Als ich gestern abend folgenden Eintrag in einem Forum las, war ich doch etwas geschockt. Hätte nicht gedacht, dass Menschen, die sich für sozial und demokratisch halten, so miteinander umgehen. Ein Parteimitglied, dessen Name ich nicht nenne, schrieb dort:

"Steinmeier rausschmeissen!!!!!!

Jetztist es an der Zeit! Dieses Schwein muß aus der Partei entfernt werden!Wer Leute foltern läst und das wissentlich hat mit der SPD nichtsgemein! Raus mit ihm bevor er noch alles ruiniert! Wir werden an derBasis einen STeinkotz nichtakzeptieren!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!"

Nur wenige User stören sich scheinbar an diesem Umgangston, stattdessen viel Zustimmung im Hass auf Menschen, die sich in den letzten Monaten sehr eingesetzt haben.

Als ich vor zwei Jahren in die SPD beigetreten bin, wusste ich, dass es in der Partei verschiedene Positionen und Richtungen gibt. Das kenne ich übrigens auch aus der freikirchlichen Gemeindearbeit seit vielen Jahren nicht anders. Der Unterschied ist nur, dass man in der Gemeinde miteinander reden (und beten) kann, ohne sich gegenseitig zu beleidigen, dass wir dort zu von allen getragenen Beschlüssen, manchmal auch durch Kompromisse kommen, ohne dass jemand beleidigt auf die anderen drauf haut.

Aber das Menschen, die sich für sozial und demokratisch halten, so miteinander umgehen würden, wie in dem oben zitierten Beitrag zu lesen ist, hätte ich mir niemals erträumt. Ich glaube, wenn die nicht zur Partei gehörende Öffentlichkeit wüsste, was in diesem Internetportal so geschrieben wird, wie hier miteinander umgegangen wird, über Leistungsträger der Partei hergezogen wird, würde die SPD bei der nächsten Wahl noch weniger Stimmen bekommen. Und das wäre dann sicher nicht die Schuld von Frank-Walter, Franz, Hubertus oder gar Gerhard Schröder (denen ich übrigens auch ansonsten nicht die alleinige Schuld am Wahldesaster gebe), sondern die von Genossen, die jeglichen Anstand und jeglichen Respekt voreinander, vor allem vor allen Andersdenkenden, verloren haben.

 

Kommentare (9)

Foto: Steffen Peske
von Steffen Peske | 30.09.2009 | 19:46 Uhr

Na, Daniel, das stimmt aber so nicht. Erstens, ist der Eingangskommentar besagten Forums sehr wohl mehrfach für seinen Tonfall kritisiert worden, und zweitens bestand Deine allererste, verständnisvolle, tollerante, demokratische, christliche Antwort daraus, den Eingangskommentator als Linksradikalen zu beschimpfen, und eine von Dir nicht näher definierte Menge von Usern dieses Forums hier gleich mit. Ich glaube, Deine Worte waren in etwa, dass es "hier von Linksradikalen wimmelt."

Also, zieh' Dir doch bitte erstmal den Balken da aus dem Auge, Bruder, und leg den Stein wieder weg, denn auch Du bist nicht frei von Sünde. Tu' lieber Buße, lass den Sünder sündigen, halte die andere Wange hin, gib auch die Hose noch, wenn Dir einer das Hemd nehmen will, und bete nicht wie die Heuchler in der Öffentlichkeit.

(Ja, auch "Linksradikale" wie ich hatten Christenlehre-Unterricht und Bibelstunden. Die waren sogar recht gut.)


Guten Tag!

Foto: Daniel Leitner
von Daniel Leitner | 30.09.2009 | 20:01 Uhr

Lieber Steffen,

Du hast recht, wenn Du sagst, dass auch ich ein Sünder sei. Dessen bin ich mir sehr wohl bewusst. Und auch ich muss immer wieder Buße tun. Soviel dazu.

Aber ich glaube, es ist ein Unterschied, ob man jemanden hier als "Schwein" bezeichnet und dessen Rauswurf fordert, nur weil er eine andere Meinung hat, oder ob man den Begriff "Linksradikal" als Zustandsbezeichnung benutzt. Frank-Walter Steinmeier ist wohl nachweisbar kein "Schwein", während aber vieles, was in diesem Internetportal geschrieben und gefordert wird, was schon nicht mehr nur links, sondern linksextrem, oder linksradikal ist. Vielleicht hast Du wiederum recht, dass ich mit meinem Kommentar viele unter einen Kamm geschert habe. Dafür müsste ich mich bei denen entschuldigen, die es nicht betrifft, aber ich empfinde vieles hier im Netz wirklich als linksradikal und bin froh, dass wir (noch?) eine Parteiführung haben, die nicht so radikal ist, sondern die linksrealistisch ist.

Foto: Steffen Peske
von Steffen Peske | 30.09.2009 | 20:11 Uhr

Daniel, schau Dir doch nochmal genau an, worauf sich das Wort Schwein in besagtem Kommentar bezog: Die Kurnaz-Affäre!

Wenn es linksradikal ist, einen Spitzenkandidaten abzulehnen, der keinen Finger krumm gemacht hat, einen nachgewiesen Unschuldigen aus einem illegalen Foltergefängnis zu befreien, ihn da hat wissenlich schmoren lassen, dann möchte ich mich als stolzen Linksradikalen bezeichnen.

Wenn es linksrealistisch ist, einen Spitzenkandidaten rückhaltlos und bedingungslos zu unterstützen, der nichteinmal den Mumm hatte, offen zu der Affäre Stellung zu beziehen, sich rumgeredet hat, rausgeredet hat, das Wissen um Kurnaz geleugnet hat, im gleichen Atemzug behauptet hat, an seiner Freilassung und am Fall gearbeitet zu haben, also ganz offen und ohne Rot zu werden die Öffentlichkeit belügt, um seine eigene Haut zu retten, wo es immerhin um Folter und Menschenrechte geht, die ja wohl sozialdemokratische Grundsatzprinzipien sind.... wenn das linksrealistisch ist, dann tut es mir leid: Ich verachte Linksrealismus.

Der besagte Kommentar war nicht fein, da hast Du recht. Das war Steinmeiers faule Indifferenz und Gleichgültigkeit gegenüber Folter aber auch nicht.

Quid Pro Quo, würde ich sagen.

Foto: Peter Pan
von Peter Pan | 30.09.2009 | 21:40 Uhr

Wenn Herrn Steinmeier der Umgang mit seiner Person nicht passt, kann er doch selbst hier Stellung nehmen.

Oder traut der sich nicht hierher? Oder braucht der nen Babysitter?

Foto: Daniel Leitner
von Daniel Leitner | 30.09.2009 | 22:00 Uhr

Ich glaube, Frank-Walter Steinmeier hat wichtigeres zu tun, als sich den ganzen Tag Blogs und Foren in diesem Portal durchzulesen.

Foto: Peter Pan
von Peter Pan | 30.09.2009 | 22:13 Uhr

Es ist richtig. Die  Parteispitze sieht wichtigeres zu tun, als mit ihren eigenen Mitgliedern zu kommunizieren und in den Dialog zu treten.

Das größte Problem der SPD überhaupft. Top-Down. Als Überlebensstrategie nicht sonderlich geeignet.

Diese Partei ist ziemlich fertig. Und ihr schluckt es sogar, dass ihr abgestraft werdet ohne dass man euch eine Erklärung gibt.

Soviel Masochismus ist schon besonders.

Foto: farid shah
von farid shah | 30.09.2009 | 22:50 Uhr

Ärgert den Brüder nicht leute, sonst verbrent er sich wo möglich  mit Benzin übergossen  noch  selbst   ...;)  ;)

Foto: Otla Pinnow
von Otla Pinnow | 30.09.2009 | 23:56 Uhr

:-))))
oder geht bei den afghanischen Taliban missionieren, das ist etwas bequemer.

"aber ich empfinde vieles hier im Netz wirklich als linksradikal"
Ob etwas linksradikal ist, ist keine Frage des Empfindens, sondern eine Frage kritischer ideologischer Analyse.
Wie Du den von Dir monierten Beitrag kritisch in Bezug auf die dahinter stehende Ideologie analysieren willst, das mach mal bitte vor.

Foto: ingo negraszus
von ingo negraszus | 06.10.2009 | 14:27 Uhr

hallo daniel  :-)

ich möchte dir voll zustimmen, auch ich bin erschrocken über sich verschärfende umgangsformen, intoleranz, austrittsforderungen, drohungen-
und immeröfter einfach eine umgangsform, die mir irgendwie bekannt vorkommt.
ich wünsche mir, das wir, die wir dem projekt soziale demokratie zustimmen -das wir zusammenrücken, und ganz klare grenzen ziehen. zu denen, die das nicht wollen. geschichte wiederholt sich eben doch, in abwandlungen...
wir, die uns wohlfühlen  in christlicher sozialer demokratie, sollten verdammt aufpassen mit kommunistischen plattformen, und leuten die wieder vorne sein wollen,,obwohl vorne gar nicht mehr vorne ist für diese leute.
warum wollen wir uns nicht mit einer kommunistischen partei auseinandersetzten und einigen mitgliedern empfehlen die seiten zu wechseln, das wäre das kleinere übel. aber wir haben die verdammte pflicht auf die spd aufzupassen und das immunsystem zu stärken..
in demagogie, vereinfachen, lügen, tatsachenverdrehen, verstellen,-
sind sie uns überlegen- ,da gibt es eine historische mission, schon vergessen? wir müssen   alle       themen besetzen ,auch ohne tabus
ein rankuscheln bitte nicht ..es ist eine andere partei-keine bessere spd!!
wir müssen unsere sinne schärfen.  ich denke mit der gelassenheit von marc aurel, der kraft der bibel, und der zuversicht auf ein soziales europa
-  kann man gleichgesinnte um sich scharen und  versöhnen anstatt zu spalten.
ich bin davon überzeugt, das es momentan viele giebt,  die das nicht so sehen.sie stehen nicht links  von uns ,sondern abseits,
in diesem sinne :-))