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SPD e noi - Italienischer Wind weht in der SPD

Foto: Gennaro Sposato
 
von Gennaro Sposato

Über dieses Blog

2005 haben Deutschland und Italien 50 Jahre Anwerbeabkommen gefeiert. Dieses Abkommen stellt den Startpunkt der heutigen Präsenz der ItalienerInnen in Deutschland dar. Von 1955 bis heute hat sich vieles geändert: Als Gastarbeiter angekommen, sind die ItalienerInnen heute ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft und haben einen wichtigen Beitrag zu ihrer wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung erbracht. Nicht mehr Emigranten, sondern Bürger, die zu einem gemeinsamen Horizont blicken: Europa.

In dieser Gruppe sollen italienische und italieninteressierte Genossinen und Genossen zusammentreffen, um über Italien, Deutschland und über die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse beider Länder zu diskutieren und sich auszutauschen.

Foto: Gennaro Sposato
von Gennaro Sposato | 11.02.2008 | 00:49 Uhr

Walter Veltroni, "Yes, we can!" Ein Porträt

In diesen Tagen ist viel von den italienischen Demokraten der neuen Partito Democratico und dessen Vorsitzenden Walter Veltroni die Rede.
Wer aber ist dieser Mann, der jetzt in den Wahlkampf zieht mit dem erklärten Ziel, die italienische Politik zu ändern und das Land aus der politischen Instabilität und der Parteienfragmentierung zu führen?
Ein Porträt der österreichischen Tageszeitung Der Standart.

Als römischer Bürgermeister hat Walter Veltroni die Ewige Stadt vom Abwärtstrend anderer italienischer Kommunen abgekoppelt und war dabei auch um unkonventionelle Ideen nicht verlegen. So setzte er 2003 auf dem Tiber Fähren ein, um die notorisch verstopften Uferstraßen zu entlasten. Der gelernte Journalist, der seine politische Karriere 1970 bei den Kommunisten begann und jetzt Chef der linksliberalen Demokratischen Partei ist, gilt als populärste Figur der zersplitterten Linken. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 13. und 14. April tritt der Intellektuelle gegen den konservativen Medien-Milliardär Silvio Berlusconi an, der zum dritten Mal nach der Macht greift.

Dabei steht der 52-jährige Veltroni vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Denn in Umfragen liegt Berlusconis Mitte-Rechts-Allianz bis zu 16 Prozent vor dem linken Lager, das Ende Januar nach nur 20 Monaten im Parlament seine Mehrheit verloren hatte und zerbrochen war. Gleichwohl zeigt sich Veltroni optimistisch, die Aufholjagd gegen Italiens reichsten Mann gewinnen zu können. "An Obama hat auch niemand geglaubt", zieht er einen Vergleich mit dem US-Senator aus Illinois, der als erster Schwarzer ernsthafte Chancen hat, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.

Ab 1996 Kulturminister

Obwohl Veltroni langee Kommunist war und 1988 sogar in die engere Führung der damaligen Partito Communista Italiano (PCI) aufrückte, war er nie ein typischer Funktionär. Allerdings hatte sich die Gruppierung in Italien stärker als andere kommunistische Parteien im Westen von der Sowjetunion abgegrenzt. Nach dem Ende des Kalten Kriegs benannte sich die PCI zunächst in Partei der Demokratischen Linken (PDS) und später in Demokratische Linke (DS) um. Die PDS bildete auch den Kern des linken Oliven-Bündnisses, das mit Romano Prodi als Ministerpräsident 1996 die Regierung bildete. Darin war Veltroni Kulturminister und erwarb sich auch deshalb Lob, weil er nach dem Erdbeben von 1997 in Umbrien eine rasche Rettungsaktion für die zerstörten Kulturgüter startete.

Seit 1998 stand er an der Spitze der DS, und 2001 übernahm er den Chefsessel im römischen Rathaus. Schon bei der Wahl 2006, die Prodi mit denkbar knapper Mehrheit gewann, war der 1955 geborene Veltroni als Spitzenkandidat im Gespräch. Ende vorigen Jahres gewann der Jazz- und Filmliebhaber die Urwahl für den Vorsitz der neugebildeten Demokratischen Partei.

Veltroni ist verheiratet und Vater zweier Töchter. Seine Frau Flavia lernte er bei den kommunistischen Weltjugendfestspielen 1973 im damaligen Ost-Berlin kennen. Zumindest bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister von Rom war Veltroni bekennender Fan des Fußball-Erstligisten Juventus Turin.

Kommentare (1)

Foto: Pascal Korz
von Pascal Korz | 11.02.2008 | 17:47 Uhr

Interessant - ich hoffe, dass Veltroni mit der neuen Strategie etwas bewegen kann. Und vielleicht tut es auch der Identität seiner Partei selbst und der italienischen Politik insgesamt gut, verstärkt die eigenen Ziele hervorzuheben, statt alles auf den Sieg eines "Lagers" zu setzen, dessen Zerbrechlichkeit und Schwäche den Wählern allzu bewusst ist.