SPD e noi - Italienischer Wind weht in der SPD

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2005 haben Deutschland und Italien 50 Jahre Anwerbeabkommen gefeiert. Dieses Abkommen stellt den Startpunkt der heutigen Präsenz der ItalienerInnen in Deutschland dar. Von 1955 bis heute hat sich vieles geändert: Als Gastarbeiter angekommen, sind die ItalienerInnen heute ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft und haben einen wichtigen Beitrag zu ihrer wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung erbracht. Nicht mehr Emigranten, sondern Bürger, die zu einem gemeinsamen Horizont blicken: Europa.
In dieser Gruppe sollen italienische und italieninteressierte Genossinen und Genossen zusammentreffen, um über Italien, Deutschland und über die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse beider Länder zu diskutieren und sich auszutauschen.
Politik in Italien: Mission impossible?
Schaut man sich das politische Panorama in Italien an, könnte man schnell zum Schluss kommen, dass in Italien Politik einfach nicht machbar sei. Mal ehrlich, wie weit ist auch in Deutschland dieses Bild verbreitet: Die Italiener? Ha, die können zwar ihr Leben geniessen, sole, mare und amore, aber die öffentliche Sache ehrlich und effizient verwalten? Ne, das ist dann wohl doch nicht ihr Ding.
Die Ereignisse der letzten Tage scheinen dieses (Vor)urteil unwiderruflich zu bestätigen: Während eine den Umständen entsprechend gut arbeitende Regierung kläglich am Misstrauen einer 1,5% zählenden Partei scheitert und das Land wieder in die politische Ungewissheit und Instabilität stürzt, johlen und gröhlen die Parlamentarier der Opposition auf ihren Parlamentsbänken als wären sie Fussballrowdies und nicht die höchsten Repräsentanten der Nation. Zugegeben, kein besonders ermutigendes Panorama.
Das Politik in Italien aber auch anders sein und sogar - man höre und staune! - funktionieren kann, war gestern auf den Seiten der Tageszeitung Il Sole 24Ore nachzulesen. Mit Berufung auf eine Umfrage von IPR Marketing berichtet das Wirtschaftsblatt, dass die italienischen Wählerinnen und Wähler äusserst zufrieden mit ihren jeweiligen Lokalregierungen - seien es die Bürgermeister oder die Regionspräsidenten - sind. Der Bürgermeister der süditalienischen Stadt Salerno, wie auch der Regionspräsident der Lombardei und der Präsident der Provinz Parma, nur um drei Beispiele zu nennen, würden heute weit mehr Stimmen bekommen als die, die sie zu ihrer Wahl verholfen haben. Alle können einen Konsenszuwachs von ca. 6-8 oder sogar 10% verbuchen.
Nennenswert auch die Zufriedenheit der Bürger Turins mit Sergio Chiamparino, Bürgermeister der Hauptstadt der Region Piemont: Circa 73% der Turiner würden Chiamparino in seinem Amt bestätigen. Nicht so hohe aber dennoch gute Werte auch für Massimo Cacciari in Venedig (58%, ein deutliches Plus von 7,5%).
Trotz des Chaos und der allgemein herrschenden Politikverdrossenheit (oder besser, Politikerverdrossenheit), scheinen also auch die Italiener in der Lage zu sein, sich vernünftig um das öffentliche Gut zu kümmern, anders wären sonst die gennanten Daten nicht zu erklären.
Hoffnung macht für die Zukunft ein weiterer Umfragewert eines Bürgermeisters, der vielleicht in baldiger Zukunft dazu berufen sein könnte, die Geschicke des Landes zu lenken: Walter Veltroni, erster Bürger der Millionenmetropole Roms, verzeichnet nach über 6 Jahren Regierungszeit einen Zufriedenheitsgrad unter der römischen Bevölkerung von immerhin 60%.
Mehr zum Thema: www.repubblica.it/2008/01/sezioni/politica/sondaggi-2008/sondaggi-2008/sondaggi-2008.html


