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Dieser Blog ist swagis Welt. Swagi ist eine Internetexistenz. Ihr werdet seinen Charakter im Verlauf der Einträge kennen lernen. Swagi sagt was swagi denkt, und das hat nur selten mit der SPD zu tun.

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von Stefan Wagemann | 14.02.2008 | 14:23 Uhr

Es wird Zeit für eine neue französische Revolution

Wer heute die Meldungen verfolgt, wird den Namen Klaus Zumwinkel lesen. Mal wieder geht es darum, dass sich die Volksgrupper der Reichen um ihre solidarische Steuerlast drücken will. Mal wieder macht das kleine Fürstentum Liechtenstein von sich reden.

Unschuldsvermutung hin oder her...man stellt sich doch wirklich die Frage, was wir armen Gesellschaftsschafe eigentlich alles noch so bereit sind zu erdulden. Wann kommt er endlich, der Aufstand des Proletariats?

Diese Frage ist durchaus ernst gemeint. Wir sind wieder zurück in einem Ständewesen, wie zu Zeiten der französichen Revolution. Die Gruppen haben sich ein wenig modernisiert, die Aufgabenverteilung ist jedoch gleich geblieben.

Der 1. Stand wäre heute die Kaste der Politiker. Wie damals der Klerus beansprucht der heutige Politiker für sich die Deutungshoheit über Moral und Amoral. Interessanterweise ist es stets amoralisch, nicht zu arbeiten. Die Verfehlungen des zweiten Standes werden aber stetig relativiert.

Der 2. Stand nennt sich heute schön 'Geldadel'. Es gibt keine richtigen Titel mehr, nur noch Zahlen auf Bankkonten, welche bestenfalls über die gesamte Welt verstreut sind. Der 'Geldadel' an sich ist stark privilegiert. Auf Massenveranstaltungen gibt es die besten Plätze, ja mit viel Glück (siehe Paris Hilton o.ä.) gibt es sogar Geld für das Erscheinen. Auf staatlicher Sete hat man nichts zu befürchten. Geld wird höchst selten abverlangt, und es finden sich immer Mittel und Wege, die dem Staat geschuldete Summe klein zu rechnen. Der Geldadel kann sich weiterhin alles erlauben, denn das Erkaufen von Recht ist heute genauso möglich, wie es vor 200 Jahren war. Ab wann die Bad Homburger wohl wieder das 'Recht auf die erste Nacht' bei den Frankfurter Jungfrauen einfordern? ;-)

Zum 2. Stand gehören natürlich auch die 'Feigenblattprivilegierten'. Früher waren dies Dichter, Denker, Komponisten. Aussergewöhnliche Talente aus armen Hause eben, mit denen die Privilegien geteilt wurden. Ihre Aufgabe war es nur, den 3. Stand zu betäuben. Irgendwie sieht das doch alles den heutigen Medienmitarbeitern sehr ähnlich, nicht?

Als 2,5. Stand würde ich in der heutigen Zeit die Gewerkschaftsbosse anführen. Einstmals dem 3. Stand entwachsen, sonnen auch sie sich in den Privilegien des Geldadels und häufen beträchtliche Vermögen an. Herr Zwickel hat zum Beispiel im Fall Mannesmann/Vodafone gar nicht schlecht verdient. Viel schlechter als Herr Esser, zugegeben, aber wenig war es trotzdem nicht. Herr Peters war erst vor einem Jahr in der Presse wegen windiger Immobiliendeals, also muss er auch einiges auf der hohen Kante haben ;-). Auch die Gewerkschaften sollen uns armes Volk ruhig stellen. Wärmt es nicht unser Herz, wenn Herr Bsirske sich aus seiner Villa begibt, den grünen Schal umwirft, und gegen die da oben wettert? Es sagt nur nie einer, was er nach diesen Kundgebungen so macht, ich persönlich tippe aber auf Essen beim Italiener mit ein paar guten Unternehmerfreunden ;-).

Der 3. Stand, das sind nach wie vor wir dummen Arbeiterschafe. Wir wurden nie in einen der anderen Stände hineingeboren, wir werden nie dorthin gelangen. Die Frage ist nur, warum machen wir das ganze überhaupt mit???

Wo bleibt der Aufstand der Millionen ehrlich arbeitenden Deutschen? Wann werden wir endlich die Konzernzentralen stürmen, und den Geldadel wie in guter alter Zeit köpfen?

Wenn es so weiter geht, der Staat nicht endlich mässigend auf den 2. Stand eingreift, dann prophezeie ich einen Bürgerkrieg vom Allerfeinsten. Also liebe Zumwinkels, Essers, Ackermänner...zieht Euch warm an.

Kommentare (1)

Foto: Pascal Korz
von Pascal Korz | 14.02.2008 | 15:07 Uhr

Dumm nur, dass schon die Opfer dieser gefühlten Urmutter neuzeitlicher Revolutionen nur zu insgesamt ca. 15% dem Klerus und dem Adel entsprangen. Ironischerweise machten Sansculotten fast ein Drittel aus, der Rest waren Bauern und Bürger. - So gesehen muss ja hoffen, dass man sich nicht diese Revolution zum Vorbild macht.

Die Probleme waren damals ganz andere. Hungersnöte, parteiische Gerichte, keine Mitbestimmung (der Vermögenden des Dritten Standes), gigantische Staatsschulden mit entsprechender Zinslast - und dagegen eben der verschwenderische Hof. Intellektuelle und Reisende fühlten sich zudem sicher auch von amerikanischen Freiheiten inspiriert.

Heute haben wir politische Mitbestimmung, haben wir betriebliche Mitbestimmung, haben wir unabhängige Gerichte - und Intellektuelle und Jetsetter sehen kaum inspirierende Leuchttürme in der Welt.

Revolution  - hm, und dann?