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WolWo´s Blog

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von Wolfgang Wodarg

Über dieses Blog

Aktuelles aus Berlin, Schleswig-Holstein, aus dem Europarat und den Entwicklungsländern sowie Veranstaltungshinweise und Stellungnahmen zu Themen und Politikfeldern, die mir besonders am Herzen liegen.

Foto: Wolfgang Wodarg
von Wolfgang Wodarg | 02.02.2010 | 13:25 Uhr

PRESSE-ECHO: Geschäfte mit der Schweinegrippe

"Gesundheitsgefahr durch gefälschte Pandemien” war eines der wichtigen Themen der Plenarsitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE), die vom 25. bis zum 29. Januar in Straßburg stattfand. Hier Presse-Echo zum Thema:

Schwerer Vorwurf an die WHO (Frankfurter Rundschau)

Strassburg. Der Europarat legt sich mit der Weltgesundheitsorganisation und der Pharmabranche an. Der Sozialausschuss der Parlamentarischen Versammlung will in der am Montag beginnenden Sitzungswoche Vertreter von WHO und Pharmaindustrie mit dem Vorwurf konfrontieren, im Umgang mit der Schweinegrippe Panik geschürt zu haben.

Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=2224365

Unter dem Einfluss des Arzneisektors habe die UN-Einrichtung die Gefahren der bislang glimpflich verlaufenen neuen Grippe künstlich hochgespielt und der Pharmabranche so zu Milliardengeschäften mit dem Verkauf von Impfstoffen verholfen, den viele Regierungen massenhaft in nicht benötigtem Umfang bestellt hatten.

"Einer der größten Medizinskandale des Jahrhunderts" - so urteilt der deutsche Sozialdemokrat Wolfgang Wodarg, selbst Arzt und Epidemiologe. Als Vorsitzender der dem Sozialausschuss angegliederten Gesundheitskommission hat er wesentlich dazu beigetragen, den undurchsichtigen Umgang mit der Schweinegrippe zu einem Topthema der Sitzungswoche zu machen.

Es gilt als sicher, dass das Plenum am Montag auf die Tagesordnung auch noch eine Dringlichkeitsdebatte setzen wird, die in eine Resolution mit hartem Urteil über die WHO-Politik münden kann. In einem Entwurf dazu heißt es, die "Glaubwürdigkeit der internationalen Gesundheitsorganisationen" sei beschädigt.

Hat sich die WHO instrumentalisieren lassen?

Die WHO selbst will ihr Vorgehen bei der Schweinegrippe einer externen Untersuchung unterziehen, hat diese Prüfung aber auf die ferne Zukunft nach Abklingen der Infektion verschoben. Als offizielle internationale Institution zwingt der Europarat die UN-Organisation indes, schon jetzt Farbe zu bekennen. Mit Keiji Fukuda reist sogar der Chefberater von WHO-Direktorin Margaret Chan ins Elsass, um die bohrenden Fragen der Abgeordneten zu kontern.

Der Verdacht, die WHO und viele Regierungen hätten sich von der Pharmaindustrie instrumentalisieren lassen, ist laut Wodargs wohlbegründet. Er hält der WHO vor, die Schweinegrippe auf fragwürdige Weise zur Pandemie ausgerufen zuhaben. So frage er sich, wieso man nur die Geschwindigkeit der Infektionsausbreitung und die Zahl der Fälle zum Kriterium gemacht habe, ohne wie eigentlich üblich auch das Sterbe- und Erkrankungsrisiko einer Infektion zu berücksichtigen.

Von Karl-Otto Sattler

Hype um Schweinegrippe (TAZ,25.01.)

"Der SPD-Politiker Wodarg hat im Europarat eine Anhörung zum Hype um die Schweinegrippe erreicht. Er will wissen, warum Regierungen überreagierten und die Pharmaindustrie Milliarden verdiente..."

Quelle: http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/die-industrie-hat-es-beeinflusst/

INTERVIEW: KATJA SCHMIDT

Herr Wodarg, Sie haben zur Schweinegrippe-Impfung eine Anhörung im Europarat angestoßen. Wird die öffentlich?

Wolfgang Wodarg: Ja, zuerst hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesträubt - jetzt sagt sie, sie wolle das natürlich öffentlich machen.

Wer wird gehört?

Vertreter der WHO sowie der Pharmaindustrie. Der Epidemiologe Professor Ulrich Keil und ich nehmen als Experten teil.

Auf welche Fragen wollen Sie Antwort?

Wir wollen verstehen, wie es dazu kam, dass die WHO plötzlich die Schwelle zur Ausrufung einer Pandemie so herabgesetzt hat, dass eine ganz normale Grippewelle zum Alarm führen konnte. Und wir wollen wissen, wie das mit Verträgen zwischen Regierungen und Pharmaindustrie zusammenhing, die in Kraft treten mussten, sobald die WHO eine Pandemie ausruft. Weltweit ist so Impfstoff für rund 20 Milliarden US-Dollar verkauft worden.

Haben Sie eine Vermutung?

Es stinkt danach, dass die Industrie Einfluss auf die WHO genommen hat. Dass es sich um einen echten Fehlalarm handelt - dafür gibt es wissenschaftliche Belege. Schon 2005, 2006 war es bei der Vogelgrippe ähnlich - die wurde nie von Mensch zu Mensch übertragen. Jetzt erleben wir, dass die Schweinegrippe weit weniger Schaden anrichtet als jede normale Grippewelle.

Gibt es überhaupt die Gefahr dieser schweren Grippe-Pandemien?

Schwere tödliche Ausbrüche begrenzen sich eher selbst. Sie breiten sich nicht so leicht aus, weil ihre Opfer darniederliegen und die Infektion nicht in Büro, Schule oder U-Bahn streuen können. Die Gefahr ist so theoretisch, so unwahrscheinlich, dass wir andere Risiken hätten, auf die wir die Kraft unseres Gesundheitssystems eher konzentrieren sollten. Und bedenken Sie: Selbst die Ausbreitung schwerer und tödlicher Viruserkrankungen wie SARS und Ebola konnten ohne Impfstoff eingedämmt werden.

Was macht Regierungen anfällig für den Grippe-Hype?

Genau das wollen wir untersuchen. Viele nationale Institute, die Regierungen beraten, haben offenbar nach der Pfeife der Leute getanzt, die in der WHO das Sagen haben. Es sind bestimmte Virologen, die seit Jahren die Grippe-Gefahr beschwören. Wir fragen uns, ob es eine langfristige Strategie gab, ob die Institute gemeinsame Sache mit der Industrie gemacht haben. Oder ob sie sich nur in den Vordergrund spielen wollten. Profitiert haben auch sie: Sie sind wichtig geworden, haben neue Stellen und Geld bekommen.

Könnte es nicht sein, dass Regierungen zu anfällig für Wachstums- und Arbeitsplatzversprechen der Pharmaindustrie sind?

Das mag ein Faktor sein. Aber eine wichtige Rolle scheint die wissenschaftliche Politikberatung zu spielen.

Müsste sich auch der Bundestag kritischer mit der H1N1-Impfung auseinandersetzen?


Natürlich. Ich habe kein Vertrauen mehr in unser Robert-Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut. Wir müssen klären, wie es kommt, dass auch sie Grippe-Gefahren verkündet haben, für die es keine Evidenz gab.

Sie saßen lang im Gesundheitsausschuss - wird da so etwas diskutiert?


Ich habe das versucht. In den Instituten und vom Ministerium wurde ich höflich abgepuffert.

Viele Weichen für die Pandemie-Vorsorge sind unter Regierungen mit SPD-Beteiligung gestellt worden...

Ja, das entsetzt mich.

War Ihre Partei zu blauäugig?

Man muss unterscheiden zwischen der Partei und bürokratischen Apparaten. Aber klar: Ministerin und Staatssekretäre tragen Verantwortung. Die hätten besser auf Kritiker wie mich hören sollen, dann hätten sie viel Geld gespart.

"WHO wegen Strategie bei Schweinegrippe unter Druck" (aerzteblatt.de)
 
27.01.2010, Straßburg: "Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gerät wegen ihres Umgangs mit der Schweinegrippe zunehmend in die Kritik. Im Europarat warfen Experten und Abgeordnete der Organisation am Dienstag vor, die Schweinegrippe voreilig zur Pandemie erklärt zu haben..."

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/3980/WHO_wegen_Strategie_bei_Schweinegrippe_unter_Druck.htm

© afp/aerzteblatt.de

... Der Berater für Grippepandemien der WHO, Keiji Fukuda, wies die Kritik zurück. Die WHO habe rasch handeln müssen, um zahlreiche Grippetote zu vermeiden, sagte Fukuda in Straßburg bei einer Anhörung der Parlamentarier-Versammlung des Europarats. Vorwürfe, wonach die Pharmaindustrie die Entscheidungen der WHO in Sachen Schweinegrippe beeinflusste, wies er zurück. Die von der WHO herangezogenen Experten hätten die Organisation "neutral und unparteiisch" beraten, Interessenskonflikte habe es nicht gegeben. Auf hartnäckiges Nachfragen von Abgeordneten räumte der Japaner allerdings ein, dass "einzelne Personen" möglicherweise Interessenskonflikte verschwiegen haben.

Luc Hessel von der europäischen Vereinigung der Impfstoffhersteller bestätigte, dass es bereits vor Ausrufung der Pandemie durch die WHO im Juni Verträge zwischen einzelnen Regierungen und Pharma-Unternehmen für den Aufkauf von Impfstoffen gab. Wenn eine Pandemie ausbreche, müsse sehr schnell gehandelt werden, betonte der Franzose, der beim US-französischen Impfstoffhersteller Sanofi-Pasteur-MSD arbeitet. "Dann gibt es keine Zeit mehr für Verhandlungen".

Nach Angaben des Medizinprofessors Ulrich Keil von der Universität Münster nahm die WHO die vor einigen Jahren ausgebrochene Vogelgrippe zum Anlass, die Pandemiedefinition zu ändern. Durch die Vogelgrippe seien aber weltweit nur 350 Todesopfer gezählt worden, in Deutschland sei kein einziger Mensch daran gestorben. Dennoch habe die WHO sie zum Modell für ihre neue Pandemiestrategie genommen. Die Organisation habe die "Angst vor der Schweinegrippe geschürt", viele Regierungen hätten daraufhin massenweise Impfstoff bestellt.
Allein in Deutschland seien 50 Millionen Dosen gekauft worden, sagte Keil, der an der Universität Münster das Zentrum für die Zusammenarbeit mit der WHO beim Kampf gegen Epidemien leitet. Die Folge sei eine "gigantische Verschwendung von Geldern", die für die Bekämpfung anderer Krankheiten, etwa Krebs, dringend gebraucht würden.

Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Arzt Wolfgang Wodarg kritisierte vor allem, dass die Definition für eine Pandemie von der WHO im vergangenen Mai geändert wurde. Ausschlaggebend sei nun nur noch, dass sich ein neues Virus sehr rasch ausbreite, erläuterte Wodarg, der bis vor kurzem im Europarat den Gesundheitsausschuss der Parlamentarierversammlung leitete. Die Schwere einer Krankheit spiele hingegen keine Rolle mehr. So sei die vergleichsweise harmlose Schweinegrippe zur Pandemie "hochgespielt" worden. Millionen von Menschen, darunter viele Kinder, seien mit unzureichend getesteten Stoffen geimpft worden.

Die Grünen im Europaparlament forderten einen Untersuchungsausschuss. Mögliche Interessenskonflikte müssten ans Tageslicht gebracht werden, sagte die französische Abgeordnete Michèle Rivasi. Dabei gehe es beispielsweise um Kontakte zwischen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) und der Pharmaindustrie.

Kritik an WHO - Tagesschau, 26.01.2010

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video644084.html