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Kai aus der Kiste

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von Hagen Frey

Über dieses Blog

Ich will hier Material zusammenzutragen, um mehr Licht in die Situation der Thüringer SPD zu bringen. Diskussionen bitte in der Gruppe/Blog "SPD Thüringen". Kommentare sind erwünscht, sie sollten aber nicht über den Sinn dieses Blogs gehen und keine Diskussion über Fundamentaleres beinhalten.

Foto: Hagen Frey
von Hagen Frey | 17.02.2008 | 21:54 Uhr

Gretchenfrage

Es ist schon so ziemlich alles gesagt worden und auch so ziemlich von jedem. Auch von mir. Der eigentliche Konflikt ist der Umgang mit der politischen Mitbewerb und auch das Anbiedern an selbigen.

Warum heißt die PDS jetzt DIE LINKE? Weil sie eingesehen hat, dass wir ältere Rechte auf den demokratischen Sozialismus haben? Wohl kaum.

Hier deshalb kurz meine Sicht auf die Partei, die derzeit DIE LINKE heißt:

1945 wurde die SPD auch in der Sowjetischen Besatzungszone ideologisch und organisatorisch weitgehend nach dem Vorbild der Weimarer Zeit reorganisiert. 1946 kam es dann zur Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED. Mit der folgenden Stalinisierung wurden die Reste sozialdemokratischer Organisationen und Politik in der DDR zerstört. Die SED war die staatstragende Partei der lupenreinen Diktatur DDR, die sich mit pseudodemokratischen Schnickschnak wie Blockparteien schmückte, die aber auch einen Repressionsapparat wie das Ministerium für Staatssicherheit ("Schild und Schwert der Partei") unterhielt.

Als im Sommer 1989 durch ein Loch im Eisernen Vorhang eine Massenflucht der in der DDR eingesperrten Menschen begann und die friedliche Revolution das Kartenhaus DDR zum Einsturz brachte, ging es mit der SED zu Ende. Ein findiger Rechtsanwalt mit Wurzeln im russischen Hochadel verhinderte im Herbst 1989 die Auflösung der SED, um letzlich das Parteivermögen soweit wie möglich zu retten. Es entstand die Partei des Demokratischen Sozialismus, die 2007 mit der WASG fusionierte und seit dem "Die Linke" genannt werden will. Die Linke hat trotzdem Wurzeln in der stalinistischen Partei, die ihr eigenes Volk einsperrte und beim Fluchtversuch scharf schoss.

Die Linke ist für mich als ostdeutscher Sozialdemokrat politischer Mitbewerb, mit denen wir nichts gemeinsam haben.

Zufall oder auch nicht, dass drei Saarländer Hauptakteure sind. Der Erste war Erich Honecker, seines Zeichens Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und Staatsratsvorsitzender der DDR. Der Zweite ist Oskar Lafontaine, der 1989 nach dem Fall der Mauer als erster westdeutscher Politiker neue Mauern errichten wollte. Und als Krönung haben wir in Thüringen den Richard Dewes abbekommen.

Die entscheidende Frage in der derzeitigen Auseinandersetzung in der Thüringer SPD ist das Verhältnis zur Linkspartei. Das Konzept von Dewes, alle Optionen offen zu lassen, ist kein Konzept. Es ist der Weg zum Untergang der SPD in Thüringen. Die Wahl 2009 mit ihm als Spitzenkandidaten wird zwischen Althaus und Ramelow entschieden. Alles, was Dewes kann, kann auch Ramelow. Als Populist ist der noch viel gnadenloser, Dewes wird beim Wähler nur als Abklatsch von Ramelow ankommen. Wer soll dann Dewes noch wählen? Wer Althaus abwählen will, wird Ramelow wählen. Der Rest bleibt bei Althaus.

Das einzig richtige Konzept ist das von Christoph Matschie. Zusammenarbeit mit der PDS, wenn nötig, aber nicht unter deren Führung. Matschie hat sich gegen die doppelt so starke PDS-Fraktion als Oppositionsführer durchgesetzt mit Zielen und Visionen für Thüringen, die notwendig und realisierbar sind.

Christoph Matschie will Althaus als Ministerpräsident ablösen, geradlinig und glaubhaft. Richard Dewes will auch nicht, dass Althaus Ministerpräsident bleibt. Er hat dafür aber kein schlüssiges Konzept, es sein denn, man unterstellt ihm, er arbeitet für Ramelow. An Verschwörungstheorien beteilige ich mich aber nicht.

Wenn Ramelow Ministerpräsident sein sollte, dann könnte er uns auch erzählen, dass die DDR eine lupenreine Demokratie war. Gute Nacht Deutschland.

Mehr zum Thema auch in der aktuellen Ausgabe der Zeit unter dem Titel "Die Gefahr aus dem Westen" von Brigitte Fehrle.
Und von der Linkspartei-Abgeordneten und Alt-Kommunistin Christel Wegner im Internet...

Kommentare (9)

Foto: Florian Heinisch
von Florian Heinisch | 18.02.2008 | 15:29 Uhr

ich bin wirklich froh, dass es auch noch Leute wie dich gibt, die das wahre Gesicht der sogenannten "Linkspartei" erkannt haben. Deine Ausführungen sind echt gut, so argumentiere ich auch immer, wenn mir andere sagen, wie toll sie diese Partei finden - denn diese Partei ist keine demokratische Partei, sondern ein Überbleibsel der einstigen SED. Ich bin sogar generell gegen eine rot-rote Koalition, weil die SPD dabei leicht ihr Gesicht verlieren könnte. Trotzdem vertraue ich Christoph und werde am Sonntag für ihn stimmen.

Foto: Stephan Kunze
von Stephan Kunze | 18.02.2008 | 19:48 Uhr

Mein Lieber Hagen Frey,

es freut mich, dass auch du (und hoffentlich auch ein paar andere) erkannt haben, dass es bei der Kandidatenkür eben um mehr geht als nur zwei Kandidaten. Vielmehr besteht eben neben der emotionalen Seite - Richard oder Christoph - auch eine Sachebene: Die Frage nach dem Umgang mit der Linken.
Dein in Werturteilen ertränkter Text, beleutet allerdings nur eine Seite der Medallie. Vielmehr setzt er einen Maßstab an, der verglichen mit den Handlugen unserer Partei in der Vergangenheit undgegenwart im Umgang mit anderen politischen Mitbewerbern nicht relistisch und angemessen ist.
Zu ersterer Kritik
These: SPD und Linke haben nichts gemein!

Richtig ist: Nichts außer, den gleichen Wurzeln, auffällig paraleler teilweiser deckungsgleicher Geschichte und ja, leider auch gleiche Mitglieder (erst SPD, dann Linke und vll wieder zurück) und SPD und Linke haben die höchste Deckungsgleichheit ihn ihren politischen Zielen. Aber bis auf diese Kleinigkeiten haben sie wirklich nichts gemein.


zweite Kritik
These: Auf Grund ihrer historischen Wurzeln und Verfehlungen, darf mit ihr nicht koaliert werden und wenn nur als kleinerer Koalitionspartner.

Analoge Anwendung auf andere Parteien im politischen System:
Abgesehen von SPD und KPD hat keine andere Partei gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz gestimmt; teilweise sogar im Gegenteil. Nach dem Krieg haben CDU und CSU ranghohen NSDAP-Mitgliedern politischen Unterschlupf gewährt und ihnen eine zweite Karriere ermöglicht. Willy Brandt hat das immer gestört. Er hat trotzdem mit ihm koaliert. Warum? Weil ihm nicht das Kanzleramt wichtig war, sondern es ihm darum ging sozialdemokratische Politik umzusetzen.
Und im Osten? Nun ja, wenn ich mich recht erinnere gab es auch noch die Parteien des sog. Nationalen Blocks: eine CDU und eine Liberale Partei. Auch diese Akteure haben sich für die DDR stark gemacht, haben mitgeholfen, dass Menschen eingesperrt und ausspioniert wurden!
Und heute? Heute haben auch sie Fuß gefasst in der Marktwirtsschaftsdemokratie und wir paktieren und koalieren mit ihnen. Und was ist aus den tausenden Menschen, die aus der SED ausgetreten sind? Viele die einst für den Sozialismus mit seiner totalitären Fratze standen, haben heute auch wieder Verantwortung. Auch wenn man es ungerecht finden mag, im Geiste der Revolution von ’89; es ließ sich nicht verhindern – weder 1945 noch 1989. Staaten mögen zwar untergehen, aber die Menschen bleiben doch bestehen. Und ich stimme mit ihm nicht politisch überein, aber Adenauer sagte einmal, wir müssen die Menschen nehmen wie sie sind – wir haben ja auch keine anderen.
Wer mit einer Linken wegen ihrer Vergangenheit nicht Koalieren will, darf nicht mit der CDU und auch nicht mit den Liberalen Politik machen. (Mit den Grünen übrigens auch nicht, weil sie uns abtrünnig geworden sind…) Aber wer Politik machen will die verändert, der muss seine Politischen Ziele über seine persönlichen Vorbehalte stellen.
Nur wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt, rückwärtsgewandte Politik betreibt und althergebrachte Dogmen ohne nachzudenken übernimmt, nur der klammert sich hilfesuchend an Koalitionsaussagen vor der Wahl weil er nicht erkennt, dass „Dreier-Koalitionen“ das alte Muster (Große Partei + Kleine Partei) ablösen werden.
Die SPD wird gegenüber der CDU sich nur dann als die stärkere und erfolgreichere Volkspartei etablieren können, wenn sie es schafft mit allen vier Parteien koalitionsfähig zu sein. Wenn sie das schafft, wird der Wähler in ihr ein Garant für stabile Koalitionen sehen und uns wählen.

Foto: Peter Imsen
von Peter Imsen | 19.02.2008 | 08:28 Uhr

Passend zum Thema und zum Kommentar des Herrn Kunze aus Arnstadt ist heute in der Thüringer Allgemeinen ein Leserbrief des Herrn Dr. Peter Gundermann auch aus Arnstadt zu finden:

"Die Anfangszeit schon vergessen

Die gegenwärtige Diskussion Matschie contra Dewes ist absurd. Als Gründungsmitglied der SPD in Thüringen kann ich mich gut erinnern, dass diese Partei im Osten auch und vor allem gegründet wurde, um eine wählbare linke Alternative zur bis dahin alles dominierenden sozialistischen Einheitspartei zu bieten. Haben das die SPD-Genossen heute wieder vergessen? Eine Regierung in Thüringen unter Führung der Nachfolge-SED wollen die Menschen, die 1989 auf die Straße gegangen sind, 20 Jahre später mit Sicherheit nicht.

Dr. Peter Gundermann, Arnstadt."

Zum selbstverliebten www.stephan-kunze.de könnte man spitz anmerken, dass die Politik des ehemaligen Kultusministers Althaus (1992-1999) ihre Früchte trägt.

Foto: Hagen Frey
von Hagen Frey | 19.02.2008 | 23:31 Uhr

Stephan Kunzes Kommentar erfordert an einigen Stellen eine Erwiderung, um eventuelle Missverständnisse zu verringern.

Zunächst empfehle ich dem Jurastudenten im 11. (?) Semester etwas mehr sozialdemokratisches Selbstbewusstsein. Die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie ist ihre eigene Geschichte, die der Kommunisten eine andere. Lesenswert zum Schnelleinstieg ist der exzellente Wikipedia-Artikel "Geschichte der deutschen Sozialdemokratie" (1), es gibt natürlich hinreichend viele, fundiertere Quellen.

Wenn Du schon mit Hilters Ermächtigungsgesetz als Gemeinsamkeit kommst - ich beziehe mich in meinem Blogbeitrag eigentlich auf die Geschichte nach 1945 - dann fallen mir zum Thema Kommunismus der Hitler-Stalin-Pakt, Pol Pot (2) und, um wieder zurück zur ostdeutschen Geschichte zu kommen, die Menschen in den Stasiknästen und die Mauertoten und deren Hinterbliebene ein. Gerade das Beispiel Hilter-Stalin-Pakt zeigt mit der Folge des Massaker von Katyn (3), wie die Zusammenarbeit von Kommunisten und Nationalsozialisten das Zusammenleben der Völker in Mitteleuropa für mehrere Generationen vergiftet hat - zusätzlich zu den Nazigreultaten.

Nicht nur die CDU und CSU hat ranghohen NSDAP-Mitgliedern Unterschlupf gewährt, auch die DDR und ihr Staatssicherheitsdienst, siehe Spiegelartikel (4) und Buch von Henry Leide (5).

Für mich ist die CDU genauso politischer Mitbewerb wie die Linkspartei, da gibt es nichts zu verschenken. Allerdings hat die Linkspartei einen kleinen Schönheitsfehler, die Grüppchen nämlich, die außerhalb des Grundgesetzes stehen. Da helfen alle Treueschwüre von Bisky und Lafontaine nichts. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist für mich, der dreißig Jahre in einer Diktatur gelebt hat, ein hohes und achtenswertes Gut. Das solltest gerade Du als angehender Jurist verstehen.

Den Rest Deiner Ausführungen zum Thema "wer mit wem koalieren könnte oder nicht" halte ich für nicht hilfreich zur Lösung der Probleme der Thüringer SPD.

Deine Geschichtskenntnisse über die Zeit in der DDR weisen große Lücken und Fehler auf. Du solltest Dich da erstmal kundig machen. Es gab keinen Nationalen Block sondern die Nationale Front (6), eine Vereinigung von Parteien und Organisationen. Als so genannte Blockparteien (7) gab ist die CDU, die LDPD, die NDPD und die DBD.

Zum Schluss fällt mir eine Äußerung ein, welche Heiko Gentzel 1999 zum zehnjährigen der PDS gemacht  hat: "Zehn Jahre PDS waren wie Jahrmarkt. Schön bunt, ziemlich laut und manchmal wurde einem schwindlig oder schlecht."

1) http://de.wikipedia.org/wiki/G … demokratie
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Pol_Pot
3) http://de.wikipedia.org/wiki/M … _von_Katyn
4) www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,397473,00.html
5) http://www.v-r.de/de/titel/352535018/
6) de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Front_%28DDR%29
7) http://de.wikipedia.org/wiki/Blockpartei

PS.: meineSPD.net hat schon noch ganz schöne Kinderkrankheiten - komplexe Links sind ein Problem. Aber das Baby ist ja noch nicht mal vier Monate alt ;-)

Foto: Stephan Kunze
von Stephan Kunze | 20.02.2008 | 23:48 Uhr

Lieber Hagen,
Statt Wikipedia-Laienwissen, empfehle ich dir zur Geschichte der Sozialdemokratie "DIE SPD" von Franz Walter. Sehr gutes Buch und sollte man eigentlich als Mitglieds-Geschenk bekommen. Überhaupt sollte die Mitglieder mal mehr von Walter lesen, dann würden solche Dinger wie in Hessen nicht passieren. Aber wir sind da ja schon sein fast 150 Jahren etwas eigen.
Zum Verhalten der Blockparteien oder demokratischer Block (richtig nicht national, das kommt davon wenn man nicht Blockflöten schreiben will...) in der DDR schreibt Stefan Wolle für die Bundeszentrale für politische Bildung auch sehr interessante Sachen, die Wikipedia wohl noch nicht erreicht haben und die CDU nicht gern hören wird.
Du siehst ich habe mich in meinen 9 Semestern nicht nur mit dem Internet beschäftigt sondern auch mal ein paar richtige Bücher in die Hand genommen.
Was das Verhältnis zum Grundgesetz angeht, fällt mir da ein gewisser Antisemit Möllemann ein. Vielleicht sollte in Hessen der SPD einer bescheid geben, denn dann dürfen wir mit der FDP auch nicht mehr koalieren.
Wobei ich mich in den letzten Wochen sowieso frage ob wir regieren wollen in Thüringen. Denn nach dem Christoph nun auch der Großen Koalition den Korb gegeben hat, bleiben nicht mehr viele Parteien übrig...

Zum Schluss noch eins: Wie lange wollen wir eigentlich noch den Wähler für blöd erklären? Wie stark muss den eine Linke noch werden, damit wir erkennen, dass der Wähler eine Regierungsverantwortung der Linken will? jetzt haben sie fast 30% und sind auch im Westen angekommen. Ich bin mal gespannt wie ihr argumentieren wollt, wenn die 35 % haben.
Seht es ein: demokratischer Sozialismus ist ein Traum - die Linke ist (bittere) Realität!

Foto: Hagen Frey
von Hagen Frey | 21.02.2008 | 07:08 Uhr

Zu Stephan Kunze (n+1)

Bücher sind i.d.R. Einzelmeinungen der Autoren, Wikipedia ist bei hinreichend ausdiskutierten Artikeln Gemeinwissen als gesellschaftlicher Konsens. Sie zu vergleichen ist falsch.

Es gab die Nationale Front und darin die Blockparteien, ich habe den Kram am eigenen Leib erlebt. Von der Blockflöte Klaus Zeh (heute wie damals CDU, heute Sozialminister in Thüringen) musste ich mir Mitte der achtziger Jahre als FDGB-Vertrauensmann sagen lassen, dass die DSF-Arbeit (Deutsch-Sowjetische Freundschaft) unseres Kollektivs mangelhaft sein. Der Verweis auf Wikipedia an dieser Stelle dient der Auffrischung des Wissens, um die Kommentare des Blocks nicht zu überlasten. Im Übrigen muss ich mir von Dir Grünschnabel nicht falsch angelesenes und falsch verstandenes Geschichtswissen vorwerfen lassen.

Du machst es Dir sehr einfach mit geschichtlichen Wahrheiten, Du pickst Dir die Rosinen raus, wie Du sie brauchst, und wirfst sie bunt durcheinander. Dein Anbiedern an die Linken ist widerlich. Ich möchte Dich bitten, Deine eigenwilligen Positionen in einem eigenen Block zu vertreten, damit sie von anderen kommentiert werden können (oder ignoriert). Ich möchte Dich hier in meinem Blog nicht mehr lesen. Ich erteile Dir ein Schreibverbot in meinem Blog.

Was ist im übrigen falsch daran, wenn ich den Beschluss des Landesparteitages vom 24.11.2008 öffentlich im TA-VLOG bewerbe? Wenn ich als Parteimitglied Partei ergreife? Dass die Linkspartei-Uboote was dagegen haben und mich (!) als Scharfmacher adeln, kann ich ja noch verstehen. Deine Äußerungen dort sind tief unter der Gürtellinie und eines SPD-Mitgliedes unwürdig.

Gravatar von Stephan Kunze
von Stephan Kunze | 22.02.2008 | 21:47 Uhr

Verschoben nach http://www.meinespd.net/weblog … /blog/1119

Gravatar von Steffen Linnert
von Steffen Linnert | 23.02.2008 | 12:24 Uhr

Folgenden differenzierten Artikel zur DDR findet man im Freien Wort:

Landesgeschichte - Gut verpackte Geheimnisse in deutschen Familien

Eine erstmals in Thüringen gezeigte Ausstellung beleuchtet den versteckten und verdrängten Antisemitismus in der DDR
Von Eike Kellermann

www.freies-wort.de/nachrichten/thueringen/seite3thueringenfw/art2402,776380
(Zeile bitte markieren und in das Adressfeld einen neuen Browserfenstern kopieren)

Mein Kommentar: Würden wir den deutschen jüdischen Glaubens Herrn Schramm in der SPD aufnehmen? Er war schließlich früher überzeugter Sozialist?

Obwohl es auch in den Kirchen offensichtlich viele, ich zitiere Herrn Schramm, "Schweine" gab, haben wir gerade die Auswahl zwischen zwei Theologen, denen wir auch (zu Recht!) nicht vorwerfen, dass im Namen ihrer Religionsgemeinschaften gegen grundlegende menschliche Werte verstoßen wurden.

Mein Großvater, ein Arbeiter, hat im Kaiserreich gehungert, in der demokratischen Weimarer Republik hat er Inflation und Massenarbeitslosigkeit überlebt, im zweiten Weltkrieg wurde er ausgebombt. Für ihn war die Zeit in der DDR die glücklichste seines Lebens. Im übrigen war er drei Monate in der SED, hat dann im Streit die Partei verlassen und so seinen Willen durchgesetzt.

Mein Vater musste zweimal fliehen. Einmal 1939 aus dem sowjetisch besetzten Teil Polens bei Lemberg (heute Lwow) und  am 01.01.1945 aus Bielitz (heute Bielsko Biala) ebenfalls in Polen. Seine letzte Erinnerung an die Heimat war der Kanonendonner und die "heulende" kleine Katze, die durch das verlassene Heimathaus lief. Er ist auf Zugdächern gefahren, hat gehungert und seinen Vater vermisst. Er hat das zerbombte Dresden gesehen und war in einem kleinen Thüringer Dorf einer der "Aussiedlier". Nach der Wende war er arbeitslos. Das hat ihn zuerst seelisch und später körperlich zerstört. Die glücklichste Zeit seines Lebens hat er in der DDR verbracht. Er durfte zwar auch kein Abitur machen (sein Vater gehörte dem Bürgertum an), ist aber trotzdem seinen beruflichen Weg gegangen. Er hat später an einer Fachschule studiert, meine Mutter kennengelernt und ein Kind großgezogen und zwar in materieller Sicherheit. Sein Kind, ich, hat eine glückliche Kindheit gehabt und bin im übrigen heute sehr froh, dass ich in der Bundesrepublick wohnen darf. Mein Vater war auch in der SED! Muss ich deshalb jetzt aus der SPD ausgeschlossen werden?

So lapidar es klingt, aber Menschen konnten glücklich sein in der DDR. Im Vergleich zu den Vorgängerstaaten auf deutschem Boden wird die DDR wohl noch zu einem der besseren Staaten gehört haben. Die Menschenrechte haben auch im Kaiserreich nicht viel gezählt. Im Vergleich zu der Bundesrepublik ist die DDR allerdings der eindeutig schlechtere Staat. Generell ist das politische und soziale System der Bundesrepublick für mich eines der erstrebenswertesten weltweit, wenn auch sicherlich nicht perfekt (Gibt es überhaupt was Perfektes?). Das sollten wir uns auch nicht, egal von welcher Seite, kaputt machen lassen! Aber auch in der DDR konnten Menschen glücklich sein! So macher der heute von seinen Widerstand gegen das DDR-Regime erzählt, hat anscheinend in der DDR nicht so gelitten. Zum Studium (auch der Theologie) oder gar zur Promotion durfte man sicherlich nicht gar zu kritisch sein.

Ich denke, der Kommunismus ist eine Ideolgie mit teilweise hehren Zielvorstellungen, die jedoch am Wesen des Menschen vorbeigehen und auch theoretisch schwerwiegende Schwachstellen aufweist. Dies gilt übrigens auch für die neoklassische Ökonomie (umgangsprachlich Neoliberalismus), deren Glaubenssätze leider auch von einigen aus unserer Partei unreflektiert nachgeplappert werden (Vielleicht, weil's so cool klingt!). Ich glaube daher, dass der wortgetreu umgesetzte Kommunismus notwendigerweise in einer Form von Totalitarismus entartet, so wie alle Ideologien und Religionen mit einem Absolutheitsanspruch.

Aber darum geht es glaube ich gar nicht. Ich bin der Meinung, wir sollten mit der Partei koalieren, mit der wir die meisten inhaltlichen Übereinstimmungen haben (keine Studiengebühren, längeres gemeinsames Lernen, Leistungsgesellschaft für alle und nicht für die ganz oben, Kinderbetreuung, Menschenrechte usw.). Erst nachrangig sollte die Frage stehen, welche Posten unsere Parteioberen einnehmen. Mir ist es egal, ob Matschie (oder Dewes) Ministerpräsident ist oder nicht, hauptsächlich meine (und hoffentlich auch unsere) politischen Vorstellungen für einen lebenswerteren Freistaat Thüringen werden umgesetzt! Das gilt auch nach der Urwahl!

Viele Grüße

Steffen Linnert

PS: Interessante Literatur zur Sozialdemokratie findet sich bei Kurt Tucholsky. Besonders für die jüngeren Spdler ist ein Blick in dessen zeitlosen Werke empfehlenswert!
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Anmerkung des Blogbetreibers: zur besseren Lesbarkeit und Diskussion zum Thema DDR-Geschichte wurde der Artikel aus dem Freien Wort durch den Link ersetzt.

Foto: Hagen Frey
von Hagen Frey | 23.02.2008 | 22:24 Uhr

zu Steffen Linnert

Lieber Steffen,

auch wenn ich nicht in allen Punkten Deines Kommentars gleicher Meinung bin, Dein DDR-Bild ist meinem ähnlich. Es gibt allerdings einige Stellen, denen ich entschieden widersprechen muss.

Der der Kommunismus ist keine Ideologie mit teilweise hehren Zielvorstellungen, er ist eine Diktatur. Die "hehren Zielvorstellungen" sind das Eiapopeia der Staatsreligion. Man kann Kommunismus nicht irgendwie nicht wortgetreu (menschenfreundlicher) umsetzen.

Es geht im Wahlkampf nicht darum, mit wem wir koalieren wollen. Es geht im Wahlkampf nur darum, den Bürgen unsere Vorstellungen und Ziele zu vermitteln, wie wir regieren wollen, wenn wir gewählt werden. Die Frage, mit wem wir regieren wollen, stellt sich für uns, die zu wählende Partei, grundsätzlich erst nach der Wahl. Die Wählenden dürfen die Fragen vor der Wahl stellen, beantwortet werden kann sie aber nicht. Die Frage nach den Posten wird auch erst nach der Wahl geklärt. Allerdings sollte jede Partei, die ins Rennen geht, den Ministerpräsidenten zu stellen, hinreichend fähiges Personal haben, um notfalls auch mit einer absoluten Mehrheit fertig zu werden. Die CDU in Thüringen hatte es 2004 nicht.

Die Formulierung "Mir ist es egal, ob Matschie (oder Dewes) Ministerpräsident ist oder nicht, ..." solltest Du Dir nochmal überlegen. Ich setzte auf Matschie und auf Sieg. Man kann kämpfen und verlieren, aber wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Hagen

PS.: Ich gehe davon aus, dass Du SPD-Mitglied bist. Werde doch Mitglied bei meineSPD.net und melde Dich bei der Gruppe SPD Thüringen an.