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SPD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz

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von SPD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz

Über dieses Blog

Die SPD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz steht für Chancengerechtigkeit, sozialen Ausgleich und eine nachhaltige, verantwortungsvolle Politik. Hier stellen wir aktuelle Themen zur Diskussion.

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von SPD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz | 23.03.2010 | 17:17 Uhr

Beherrschen die neuen Medien unser Leben?

Allpräsenz von Medien, Mediensucht, Datenschutz - damit hat  sich die Enquete-Kommission "Verantwortung in der medialen Welt" am 21. April 2010 beschäftigt. Wir als SPD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz haben diese Enquete-Kommission angestoßen, weil wir es für wichtig halten, dass die Politik sich mit diesen Fragen auseinandersetzt.
Im Vorfeld der April-Sitzung haben wir hier gefragt, was Sie in diesem Zusammenhang bewegt - und die eingehenden Kommentare als offizielle Vorlage mit in die Kommission eingebracht. Daraufhin wurde zum Beispiel der Punkt thematisiert, wo Mediensucht beginnt und ob sich virtuelle und reale Lebensinhalte noch von einander trennen lassen. Das hat uns in der Diskussion beschäftigt - und zwar über den ursprünglichen Kontext hinaus.

Mediennutzer können sehr wohl zwischen echt und virtuell unterscheiden
Unseren Sachverständigen nach ist die Gefahr, dass Mediennutzer nicht mehr zwischen virtueller und realer Welt unterscheiden können, weit weniger gegeben als oft befürchtet.  Beispiel Computerspiele: Ein Counterstrike-Spieler werde durch das gewalttätige Spiel nicht auf ähnliches Verhalten im Alltag konditioniert, so Dr. habil. Waldemar Vogelgesang, Privatdozent für Soziologie an der Universität Trier und ständiges Mitglied der Kommission. Gewalttätiges Verhalten, das im Spiel zum Erfolg führt, werde von den Spielern nur im Rahmen dieses Spieles als richtig empfunden.

Mediensucht: Handeln gegen den eigenen Willen
Spannend ist auch die Feststellung, dass virtuelle Lebensinhalte (Online-Kontakte, Computerspiele…) inzwischen ein so normaler Bestandteil des realen Lebens vieler Menschen geworden sind, dass sich die Frage der Sucht nicht über deren Abgrenzung klären lässt. Vielmehr liege der kritische Punkt dort, wo der Nutzer die Kontrolle verliert und gegen seinen Willen und gegen besseres Wissen etwas tut, so Klaus Wölfling, Psychologischer Leiter der Ambulanz für Spielsucht an der Uniklinik Mainz, der zu diesem Thema als Sachverständiger eingeladen war. „Ich tue etwas, von dem ich weiß: Es tut mir nicht gut“.

Wie Medien süchtig machen können
Ein großer Suchtfaktor sei zum Beispiel die Verfügbarkeit virtueller Lebensinhalte, so Wölfling: „Wenn online immer jemand online erreichbar ist, muss ich nicht lernen, mit Einsamkeit auszukommen.“ Und bei Computerspielen zum Beispiel sei das Suchtpotential dann besonders groß, wenn das Belohnungssystem des Spiels nicht allein durch Geschicklichkeit zum Erfolg führt, sondern auch Aspekte eines Glücksspiels enthält. Wölfling hält es für problematisch, dass das Suchtpotential beispielsweise eines Spieles kein Kriterium für die Altersfreigabe ist.

Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben. Beachten Sie auch die anderen Themen in unserem Blog. Wir freuen uns über weitere Beiträge.

http://www.spdfraktion-rlp.de/medienverantwortung

Kommentare (5)

Foto: Mathias Berkenkamp
von Mathias Berkenkamp | 24.03.2010 | 17:29 Uhr

Betrachtet man die Internetstrategie der SPD, so weiß ich nicht recht, ob sich hier der Bock nicht zum Gärtner macht. Dieses komplexe Thema lässt sich kaum in angemessener Art und Weise mit ein paar knappen Worten umreißen, dennoch möchte ich mal einzelne Punkte herausgreifen.

Das Internet ist ein globaler Wirtschaftsraum, der von den Teilnehmern und ihren Aktionen innerhalb dieses Mediums lebt. Jedes noch so kleine Datenfragment ist ein Wirtschaftsgut.
Der Nutzer ist hier in seiner Eigenverantwortlichkeit gefragt, weil es sich um ein globales Netzt handelt, in dem nationale Gesetze und Regeln kaum greifen und somit auch nur schwerlich geschützt werden kann..
Ebenfalls besitzen ethische und moralische Wertvorstellungen keine globale Gültigkeit, somit wird der Nutzer sich selbst und seiner eigenen Verantwortlichkeit/seinem Schicksal überlassen.
Der nicht kommerziell ausgerichtete Teil des Internets dürfte mittlerweile nur noch einen verschwindend geringen Anteil besitzen.
Könnte ein solcher globaler Markt überhaupt reguliert werden?
Welche wirtschaftlichen Konsequenzen würden sich daraus auch für uns ergeben?
Reichen die geltenden Regelungen für den nationalen Markt?

Das Internet bietet dem Individuum die Möglichkeit seine Individualität zu demonstrieren, außerhalb der realen, sich dissoziierenden Gesellschaft, in welcher der Mensch zur Anonymität verdammt ist. Das Verhängnisvolle daran ist nur, das sich mit der Demonstration seiner Individualität der Nutzer sich selbst zu einem Konsumartikel degradiert, denn der Betreiber hat in erster Linie ein kommerzielles Interesse an einer solchen Plattform und nicht an den Menschen. Hier dann wieder aus der anonymen Masse herauszutreten erfordert immer neue „Höchstleistungen“.

Der Unzufriedenheit mit dem eigenen Sein, kann man ganz schnell über ein „second life“ abhelfen, in der ich mich selber so erschaffe, wie ich gerne wäre. Erspart bleibt mir dabei das Wunschbild aus eigener Kraft zu erreichen, einmal davon abgesehen, ob mir diese Chance überhaupt zur Verfügung stehen würde.
Es verleitet natürlich dazu sich einer Problemlösung durch ein schlichtes „Logout“ zu entziehen, und wenn es gar nicht mehr passt, erschafft man sich einfach eine neue Identität.
Wie und wo sollen junge Menschen noch lernen Probleme im zwischenmenschlichen Bereich zu lösen?
Welche Auswirkungen hat dies für die reale Gesellschaft?
Worin liegen die eigentlichen Ursachen für solch ein Fluchtverhalten?

Die Herausforderung an die kommenden Generationen wird es sein der Flut an Informationen Herr zu werden. Hierbei gilt es Informationen nicht nur nach ihrer Relevanz zu sortieren, sondern auch darum, ob die Informationen überhaupt korrekt sind.
Qualitätsmanagement?

Der durch das Internet neu definierte Begriff der „Freiheit“ hält mittlerweile auch in die reale Gesellschaft seinen Einzug.

Der Ge- und Miss-brauch des Internets ist eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung Aller.  
Da es wenig aussichtsreich erscheint globale Regeln für den „online-„Wirtschaftsraum aufzustellen, oder auch allgemein verbindliche Regeln, die bei einem Verstoß mit Sanktionen geahndet werden könnten (was jetzt nicht heisst, das man es nicht versuchen sollte), scheint es mir aussichtsreicher über „erzieherische“ Maßnahmen den Menschen/jugendlichen „fit“ für das Internet zu machen, Informationen kritisch zu hinterfragen, Intentionen der Betreiber zu erkennen und richtig einzuschätzen.
Da aber auch die schulische Ausbildung schon von ihrer Ausrichtung her auf eine betriebswirtschaftliche Verwertbarkeit und Nützlichkeit ausgelegt ist, wird auch dies kaum einfach umzusetzen sein.

Seine Defizite im realen Leben online zu kompensieren halte ich noch für eine Form der Psychohygiene, aber die Grenze zu einer Sucht sind hier sicherlich fließend, und dann gegeben, wenn die Grenzen zwischen virtueller und realer Welt verschwimmen.

Ich genieße es mein Handy abzuschalten und den Computer einfach Computer sein zu lassen, wobei ich zugeben muss, das auch dahinter ein Lernprozess steckt.

Foto: Frank Kolb
von Frank Kolb | 24.03.2010 | 20:54 Uhr

Die neuen Medien beherrschen uns nicht, wenn wir sie beherrschen.

Ich gebe in Teilen meinem Vorposter Recht. Allerdings ist das Netz kein globaler, freier Raum. Auch kein rechtsfreier Raum, wie alle wissen, die wegen blödsinniger Fehler in ihrem Webshop oder Ebay  Abmahnungen bekommen haben.

www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,678226,00.html

Auch die SPD hatte wegen ihres Webshops juristische Probleme und weiss das eigentlich. In Wahrheit sind grosse Teile des Webs inzwischen mehr reguliert als manche Bereiche des "richtigen Lebens".

gruss
Frank Kolb

Foto: Claus-Georg Nolte
von Claus-Georg Nolte | 01.04.2010 | 10:15 Uhr

Was mir als Technikaffiner Student Angst macht?
Das Politiker, die sich ihre eMails noch ausdrucken lassen und sich eine Nachrichten-Übersicht verschaffen, indem sie die Artikel aus versch. Tageszeitungen ausschneiden und zu einer Kollage zusammenkleben, meinen, sie müssten uns vor dem Internet beschützen!

Worauf ich hoffe?
Ich hoffe darauf, dass die vergreiste Politik unseres Landes sich endlich der Grenzenlosigkeit des Cyberspace bewusst wird. Jeder versuch dem Internet lokal bestimmte Regeln aufzudrücken ist eine Art der Zensur, da sie den lokalen Nutzen eventuell global verfügbare Inhalte vorenthält. Das Internet braucht, wenn überhaupt, eine internationale Gesetzgebung, legitimiert z.B. über die Vereinten Nationen und vor Allem brauchen wir eine Überarbeitung des Urheberrechts, die den neuen Möglichkeiten des Internets gerecht wird (Stichwort "Kulturflatrate").

Oder um aus der Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace zu zitieren:
"Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Lasst uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr."
http://www.heise.de/tp/r4/arti … 028/1.html

Im Übrigen würde ich mir wünschen, dass die entsprechende Sitzung der SPD-Abgeordneten mit ihren "Experten" via Live Stream ins Internet übertragen wird, mit der Möglichkeit direkte Kommentare zu Geschehen abzugeben.

Gravatar von Jörg Tauss
von Jörg Tauss | 19.04.2010 | 22:55 Uhr

In den letzten Jahren hat die SPD- Landesregierung Rheinland- Pfalz eine Reform des Bundesdatenschutzgesetzes mit verhindert. Offizielle Position des Landes RP war stets, dass man für eine grundlegende Reform des BDSG keine Notwendigkeit sehe (Zitat u. a. Fritz- Rudolf Körper, damals Staatssekretär im BMI, später stv. Vorsitzender der SPD- Bundestagsfraktion). Deshalb in Hinblick auf den 21. 4. die konkrete Frage: Hat die Landesregierung diese Auffassung überdacht? Wie stellt sich die Landtagsfraktion dazu?

Gravatar von Jörg Tauss
von Jörg Tauss | 19.04.2010 | 23:17 Uhr

Die Frage, wofür ich mich fürchte, will ich natürlich auch nicht unbeantwortet lassen:

Am meisten fürchte ich, dass völlig internetinkompetente Leute wie Kurt Beck und Martin Stadelmaier in diesem Land Einfluss auf die Internetregulierung haben und völlig beratungsresistent wie merk- und denkbefreit Machwerke wie den Jugendmedienschutzstaatsvertrag auf den Weg bringen können.