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Denken ist eine Tugend....

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von Ann-Kathrin Biewener

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Ein politisches (Lay)out(ing)

Foto: Ann-Kathrin Biewener
von Ann-Kathrin Biewener | 23.02.2008 | 14:48 Uhr

An was man Glauben kann...

„Jesus Christ. Der ist doch nicht blöd!“ So steht es geschrieben auf den T-Shirts junger Menschen, denen man nicht mal im Schlaf zutrauen würde, dass sie sich „christlich“ fühlen. Immer mehr junge Menschen bekennen sich, ich glaube an Gott, ich habe Jesus für mich gefunden, Gott hört mir zu. Was macht einen Atheisten zum Gläubigen? Erkenne ich Religionszugehörige an der Hautfarbe, riechen sie irgendwie penetranter nach Moos vom Friedhof oder sitzen sie den ganzen Tag auf den Boden und beten? Nein, Christen sind wie ich und du, der einzige unterschied, sie beten und glauben. In Gesprächen werden alltägliche Probleme, Missstände, Klagen, aber auch Danksagungen Gott geschildert und formuliert. Warum suchen immer mehr Jugendliche den Halt nach dem Göttlichen? Ganz einfach, die Welt um uns herum dreht und verändert sich ständig. Vor allem junge Menschen, die nach ihrem Ich suchen und das konstanten und den Halt brauchen, finden sich leichter zu Gottes Wegen. Christ sein bedeutet nicht zwangsläufig jeden Sonntag in die Kirche zu gehen, nicht zu allem Ja und Amen zu sagen und nicht unbedingt alles einhalten, was an Gesetzen vorgegeben wird von der Institution Kirche, viel mehr bedeutet es, sich Gott anzuvertrauen, einen unsichtbaren Gesprächspartner zu haben, der einem einfach nur zuhört und Antworten in Taten bereit hält.
Für einen Atheisten mag dies nun wahrlich schwierig zu verstehen sein, für den glaubenden bedeutet es viel, täglich Gottes Nähe um sich herum spüren zu können und zu wissen, da ist etwas überirdisches, was nicht aus meinem Freundeskreis oder Familienkreis stammt. Jemand, der mir einfach nur zuhört, für mich da ist, wenn man ihn braucht und einen beschützt, wenn alle Stricke zu reißen drohen. Viele Jugendliche finden sich in den Jungen Gemeinden wieder. Hier wird gesungen, gelacht, getanzt, gekocht und musiziert. Im Mittelpunkt steht das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit und natürlich der Glaube. Wer sich noch nicht in der Religion selber wieder finden konnte, für den gibt es Zeitschriften, Bücher und viele viele Internetseiten, wo sich junge Menschen miteinander über Religionen austauschen können und sich gegenseitig Gefühle, Gedanken, Ängste, aber auch Existenzkritik von Gott schildern. Für interessierte gläubige Abenteurer gibt es auch spezielle Ferienfahrten in die unterschiedlichsten Teile der Welt, um Religionen haut nah zu erleben. Trau dich es auszuprobieren und vielleicht entdeckst du den Glauben für dich. Ein Kirchbesuch schadet nicht und entspannt. Der Blick in die Bibel hat noch niemanden umgebracht ;).Schau, was dich bewegt und wie du über Welt denkst, vielleicht kann der Glaube für dich ein alternativer Weg darstellen.

Ann-Kathrin Biewener (Selbstinterview mit einer Gläubigen)

Kommentare (1)

Foto: Pascal Korz
von Pascal Korz | 24.02.2008 | 14:21 Uhr

Obwohl ich nie religiös war, habe ich mir immer schon viele Fragen zum Glauben gestellt. Die Menschheitsgeschichte kennt unzählige Religionen, warum sollte ich ausgerechnet eine bestimmte wählen und sagen: "So, daran glaube ich.", wenn es so viele Alternativen gibt, die auch alle Heilige Schriften haben oder hatten? Weil ich zufällig in meine Zeit und in meine Kultur hineingeboren wurde, die zu X Prozent dieser oder jener Religion angehört? Im Klartext: Warum das Christentum? Warum der Islam? Warum Hinduismus oder Shinto? Werden die tatsächlich die nächsten tausend Jahre bestehen?

Ein Einwand könnte lauten: "Eigentlich haben die größten Religionen viel gemeinsam, die nennen ihren Gott eben den HErrn, Jahwe oder Allah - aber sie interpretieren oder gewichten viele Aussagen eben unterschiedlich. Aber immerhin glauben alle an einen Gott, und das spricht für ihn." - Auch damit war ich nicht zufrieden, weil diese Sichtweise zwar monotheistische Religionen verband, aber der Polytheismus außen vorgelassen wurde. Wenn man den allerdings auch noch in solch ein Konstrukt einbaut, erhält man einen allgemeinen Glauben an Göttlichkeit oder Überirdisches.

Das Gefühl, "dass da etwas sein muss" - eine spirituelle Entität, die je nach Auslegung über einen wacht, mit einem kommuniziert oder sonst irgendeine Funktion erfüllt.

Für mich persönlich stellt sich also nicht die Frage, ob ich Christ, Muslim, Buddhist bin, sondern ob ich generell an eine "höhere Macht" glaube. Allerdings hat es noch keinen Beweis für oder gegen ihre Existenz gegeben - sie ist für mich nicht wahrscheinlicher als ihr Fehlen. Darum habe ich vor vielen Jahren auch aufgehört, mich mit Religion zu beschäftigen - einfach weil ich die Frage nicht beantworten kann.

So wie mir geht es vielen. Aber viel verbreiteter als die agnostische Lehre ist die atheistische - immer mehr Menschen schließen jede Möglichkeit einer göttlichen Ebene radikal aus, und es ist bemerkenswert, dass vor allem die katholische Kirche diese Tendenz auslöst und ein Feindbild vieler Atheisten ist. Gerade dieser von mir beschriebene Mangel an Nachvollziehbarkeit der Regeln vieler Religionen stößt viele Menschen vor den Kopf.