Anleitung sich ein politisches Profil zu zulegen
Es muss nicht gegeben sein, dass man sie wirklich mit Herzblut vertritt. Darum geht’s hier nicht.
Wenn man einer politischen Gruppierung beitreten möchte, sollte man entweder seine Meinung dessen Leitbild dieser Gruppierung anpassen oder man geht einfach. Gesetz dem Fall ich wäre bei der SPD, so sollte ich nicht zwangsläufig für die Abschaffung des Sozialstaates sein. Wie gesagt, Gesetz dem Fall. Es gilt ein Gesetz, was man bei der Suche des politischen Profils unbedingt beachten sollte. Man darf nie, aber wirklich nie versuchen sich selbst eine Meinung zu basteln. Es besteht akute Lebensgefahr bei diesem Versuch. „Wir“ „Bild(en)“ uns halt die Meinung. Gott segne gibt es dafür politisch richtige oder auch neudeutsch gesprochen „korrekte“ (mit akzentuierter Betonung) Blätter und Medien die uns ausreichend bilden. Übernehmen wir doch einfach mal theoretisch die Meinung einer bekannten Tageszeitung, die da behauptet, alle Ärzte koksen und saufen den ganzen Tag. Was würde theoretisch passierten:
Zunächst würde eine wirklich vollkommen unerwartete Meinungsbildung der deutschen Bevölkerung statt finde. Dann wäre es eine recht homogene Meinung, kann auch nur Vorteiler haben, so gibt es keinen Streit mehr in der Welt. Als letztes würde niemand mehr zum Arzt gehen, weil wir Angst hätten es würde gepfuscht werden. Ergo eingelieferte Patienten rennen mit Schürzen, sobald sie den Arzt erblicken, davon. Damit sterben 50% der Bevölkerung. Die Ärzte wären darüber entrüstet, würden streiken, die Zeitung verklagen, scheitern und den Beruf aufgeben. Eine Massenbewegung erscheint da in meinem Kopf. De facto hätte sich diese Tageszeitung dann selbst ausgeschaltet. Ohne Ärzte keine bösen Artikel mehr, damit auch Massenentlassungen bei den Redakteuren, keine „pluralistische“ Meinungsbildung mehr und im Endeffekt bräuchte man einen neuen Reißer, so wie „gefährlicher Pirannia (alias Henry der Goldfisch) biss liebevollen Halter die Hand ab“ (sprich benässte in Wirklichkeit die Krawatte des Redakteurs). Neue Medienkultur, neue Chance. Jeden Tag eine neue Meinung zum entdecken.
Kommentare (3)
Netter Gedanke, aber eben etwas oberflächlich. Halt so, wie Zeitgeistmedien eben sind, ob Bild, Stern oder Spiegel.
Das Gedankenspiel könnten wir ja mal auf die untergegangen DDR anwenden. Da gab es bloß eine Zeitung (OK, es waren ein paar mehr, aber die waren "gleichgeschaltet"). Wenn da etwas behauptet wurde, haben das gleich alle geglaubt? Z.B., dass der Kapitalismus ganz schreckliche Dinge mit den armen Menschen macht und dass die Partei- und Staatsführung jetzt die Herren in Bonn schädigt, indem die DDR einen Milliardenkredit aufnimmt.
Einiges war doch (gefühlt) besser in der DDR, die Menschen ließen sich nicht so schnell verscheißern. Aber geschauspielert haben wir dann trotzdem, wenn z.B. Kundgebung angeordnet war und (fast) alle hingingen. Und nach der Wende haben wir uns dann an Sprüchen erfreut, die Wessis bräuchten 13 Jahre für's Abi, weil ein Jahr Schauspielunterricht dabei war.
Nur Mut, die typischen Boulevard-Blätter mit den großen Buchstaben lesen seit vielen Jahren immer weniger Leute. Leider übernehmen gewisse Magazine und ihre Online-Ausgaben alle Untugenden gewisser Zeitungen ...
Aber man muss sich doch nicht bis zur Unkenntlichkeit einer politischen Meinung anpassen, um Profil zu haben? Oder gar das Denken abschalten? Zumindest nicht in der SPD, bei regionalen freistaatlichen Parteien mag das anders aussehen.
Wer durch selbstständiges Denken Positionen erschließt und sie in konstruktiver Weise vertritt, der wird Profil _und_ Erfolg haben können.
In der Tat, zwischen politischem Profil als Mitglied einer Partei und der Freiheit zu eigener Meinung besteht eine enorme Spannung (wobei ich nicht einmal an die so genannte Fraktionsdisziplin denke).
Es scheint zu gelten: je mehr Karriere, desto weniger Meinung. Ich glaube sogar, dass die politische Klasse hierdurch einen inzwischen unerträglichen Schaden an Charakter, Urteilsvermögen, Bildung usw. genommen hat.





