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Christen in der SPD

Foto: Daniel Leitner
 
von Daniel Leitner

Über dieses Blog

Für überzeugte und praktizierende Christen in der SPD, die sich untereinander kennenlernen wollen

Foto: Albert H. Keil
von Albert H. Keil | 07.12.2007 | 08:58 Uhr

Vereinbarkeit von Christentum und SPD

Für meine Mitarbeit in unserer Gruppe halte ich folgende Ergänzungen meines Profils (http://www.meinespd.net/profil/Albert_H._Keil) für angebracht:

60 Jahre katholisch (* 1947)
35 Jahre aktive SPD-Mitgliedschaft (seit 1972)
11 Jahre Ministrant und Lektor (1957-68)

Einige Thesen:
1) Die Partei "Katholische Kirche", deren Mitglied ich bin, halte ich in vielen Punkten nicht für gottgewollt.
2) Die SPD ist für mich nur die zweitbeste politische Partei - die beste hieße "Keil-Partei" und hätte nur ein einziges Mitglied, nämlich mich ;-)
3) Die Ansichten Kurt Becks (mit dem ich als Pfälzer Mundartdichter schon seit vielen Jahren befreundet bin) sind für mich kein Dogma; unser gemeinsamer "Chef" sitzt etliche Etagen höher.
4) Was wir in der Bibel über die Nächstenliebe lesen (z. B. in 1 Jo 3,17), ist kürzer, prägnanter und weniger verklausuliert nichts anderes als das, was in Hamburg als unser neues Parteiprogramm beschlossen wurde.

So, und nun können wir diskutieren!

Mehr zum Thema: home.arcor.de/verlag.pfalzmundart/spd.htm

Kommentare (4)

Foto: Gaby Zimmermann
von Gaby Zimmermann | 07.12.2007 | 11:45 Uhr

Ergänzung meines Profils:

seit der Taufe als Baby evangelisch
seit meinem Studium Diplom-Physikerin
seit Ende meines Studiums in der SPD, nahezu durchgehend aktiv
vieleicht ab Februar 2008 Mitglied des Presbyteriums meiner Gemeinde


Die Christliche Lehre verstehe ich etwas verkürzt als Lehre der Liebe. Dies ergibt für mich zwingend die Forderung an mich ganz persönlich nach Toleranz, sozialen Engagement und Einsatz für mehr Gerechtigkeit.

Diese Werte wären für mich zwar auch ohne Glauben gültig. Aber der Glauben verankert diese Überzeugung für mich tief in meiner Seele.

Und Glauben hat noch eine andere Komponente, die zur Zeit bei uns leider häufig verschütt geht: Die Gemeinschaft.
Glauben ist nicht nur eine Privatsache zwischen Gott und mir. Glauben ist eine Erfahrung vor allem mit sich und mit den anderen Menschen, dort erleben wir Gott alltäglich. Eine Erfahrung mit allen Sinnen.

Die Gemeinschaft ist ein Ort von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen, ein Ort, an dem man neue Denkimpluse,  ein tröstendes Wort und Bestätigung für einge Ansichten findet. Sie sollte natürlich nicht den gesunden Menschverstand ausschalten, sondern seinen Einsatz fördern.

Die SPD ist genauso wie eine Gemeinde so ein Ort. Leider machen wir als Christen aber vermutlich alle miteinander die Erfahrung, dass wir die christlichen Wurzeln der mit den anderen SPD'lern geteilten Werte und Überzeugung leider nicht in der SPD thematisieren können. "Das kommt nicht gut".

Vielleicht ist dies auch richtig. Schließlich soll eine Partei , insbesondere eine Volkspartei wie dies SPD, viele Gruppen von Menschen abdecken. Als Ortsvereinsvorsitzende spreche ich meinen Glauben eher unter "privat" an. Etwas, was mich ausmacht aber kein Banner, dass ich ständig vor mir her schwenke. Ehrlich gesagt ist es mir auch egal, aus welchem Grund ein Mensch diese Werte mit mir teilt und mit mir in der SPD zusammen arbeitet.

Die Religion wird in der SPD oft ausgeblendet, meist wohl auch zu Recht. Aber schade ist es schon.

Aber vielleicht können wir als aufgeklärte Christen etwas schaffen: Den Dialog mit den anderen Religionen betreiben. Integrationspolitik auf Basis von Atheismus finde ich schwierig...

Auch ist das Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten in Deutschland ist nicht nur eitel Sonnenschein. Zumindet die katholische Kirche macht es uns sehr schwer. Aber auch die fundamentalistische Erschaffungstheorie der evangelischen Freikirchen, die da aus Amerika zu uns rüberschwappt, macht mir genauso Angst wie die voll verschleierten Muslima auf unseren Straßen.

Ich denke hier ist ein weites Aufgabengebiet, dass religöse Menschen in der SPD mit mehr Verständnis und auch Sachverstand (!) beackern können und wo sie wichtige Impulse geben können. Dabei würde ich auch gerne mitmachen.

Übrigens, meine Partei Nummer 1 ist natürlich die Gaby-Partei, aber ich würde mir schon 2 oder 3 Mitglieder suchen ;-> ....

Foto: Benjamin Killewald
von Benjamin Killewald | 10.12.2007 | 00:01 Uhr

Ich denke für echtgläubige politisch motivierte Christen, ob katholisch evangelisch, oder wie ich baptistisch/freikirchlich ist die Mitgliedschaft in der SPD fast eine logische Konsequenz.
Wer sich intensiv mit dem Wort Gottes beschäftigt erkennt die Parallelen schnell, um das Interesse der Leser nicht zu ermüden zähle ich diese nicht auf, die anderen Kommentatoren haben sich dazu ja schon ausführlich geäussert.

Meine Angst jedoch liegt nicht im ideologischen Konflikt, sondern in der Durchsetzungskraft, die vielen Christen fehlt. Ich denke das viele christliche Sozialdemokraten (oder sozialdemokratische Christen)
viel zu wenig an ihr eigenes Fortkommen denken, und so ihre guten Ideen nicht einbringen.

Ich hoffe und bete das die Betroffenen dies erkennen.

Viele Grüsse,

Benjamin

PS: lange habe ich mit dem Gedanken beschäftigt der PBC beizutreten, jedoch liegt das Problem hier für mich in der Ausgrenzung/Nichtbeachten anderer Religionsgruppen, auch christlicher Kirchen.

Foto: Daniel Leitner
von Daniel Leitner | 10.12.2007 | 20:48 Uhr

@Benjamin

der Name "Partei bibeltreuer Christen" klingt für Christen, die sich als bibeltreu verstehen, dazu gehöre auch ich (zumindest bemühe ich mich, entsprechend zu leben), sicher verlockend. Aber erstens ist diese Partei für mich keine ernstzunehmende Partei, denn außer ein paar frommer Schlagworte hat sie nicht wirklich Antworten auf die politischen Fragen dieser Zeit. Zweitens möchte ich die Politik einer Partei unterstützen, die auch die Chance hat, etwas zu verändern. Selbst wenn alle sich als bibeltreu definierenden Christen politisch auf diese eine Partei einig wären, käme sie wohl kaum über die 5%-Hürde und wäre damit niemals in der Lage, wirklich politisch eine Rolle zu spielen. Außerdem finde ich es gut, wenn es in allen demokratischen Parteien gläubige, "bibeltreue", betende Christen gibt. Ich möchte nicht von einer Partei regiert werden, in der es keine "bibeltreuen" Christen gibt, weil die alle in einer Partei vereinigt sind, die aber nichts bewegt, außer Plakate mit Bibelsprüchen im Land aufzuhängen. Und ich stimme Albert zu, wenn er sagt, dass das, was die Bibel über Nächstenliebe sagt, in Deutschland politisch am besten von der SPD vertreten und umgesetzt wird. Das, und vieles andere mehr, sind Gründe für mich gewesen, der SPD beizutreten. Gerade in einer Zeit, wo viele Menschen aus den Parteien austreten oder sich gar nicht erst für Politik interessieren.

Gruß

Daniel

Foto: Albert H. Keil
von Albert H. Keil | 10.12.2007 | 22:01 Uhr

Die PBC gab es vor 35 Jahren noch nicht, als ich nach langer Reife in der APO und in der pazifistischen Bewegung mit 25 der SPD beigetreten bin. Eine solche Partei wäre für mich niemals eine Alternative gewesen; denn die PBC ist - zumindest wenn ich Leute auch in meinem katholischen Umfeld betrachte, die mir als Mitglieder oder Wähler bekannt sind - durchaus vergleichbar den ultrarechten US-amerikanischen "Christen", die z. B. Schwule und Lesben verteufeln und schwangere Vergewaltigungsopfer im Regen stehen lassen. Die Naturwissenschaften dieser Leute bestehen teilweise auch hierzulande allein aus den sieben Tagen, in denen die Schöpfung ihren Lauf nahm. Nee, soziale Probleme lösen DIE nicht, sie schaffen allenfalls noch neue.