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Dieses Blog dient als Ort des Positionsbeziehens zu Tages- und Parteipolitik. Kritische Anmerkungen sind ausdrücklich erwünscht!

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von Ben Titze | 14.03.2008 | 21:26 Uhr

JungsozialistInnen an die Front der Gerechtigkeitsdebatte - Jetzt erst recht!

Das Bonmot der Woche zur immer heftiger gähnenden Gerechtigkeitslücke in diesem Land: "Dass wir eine gewissen Auseinanderentwicklung haben, das ist zweifelsfrei der Fall, wir gleichen uns da der Situation in anderen Ländern an". Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verursachte damit Knitterfalten im Gesicht von Juso-Bundesvorsitzende Franziska Drohsel beim gestrigen ZDF-Polittalk mit Maybrit Illner (komplette Sendung angucken unter http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/452508?inPopup=true). Maybrit Illner hatte Hundt mit der Tatsache konfrontiert, dass seit 2003 die Gehaltsentwicklung bei deutschen Unternehmensvorständen bis 2006 mit einem Plus von 47% durchaus hübsch dasteht, die Reallohnentwicklung bis 2007 dagegen mit einem Minus von 4,3% in die andere Richtung weist.

Bei aller vereinfachenden Plakativität der Daten und Ungenauigkeiten bei der statistischen Erhebung - der Befund der zunehmenden sozialen Ungerechtigkeit lässt sich nicht wegignorieren. Die Kindergeburtstagsparty der Agenda 2010 dieser Tage wird durch die sozioökonomischen Realitäten verhagelt. Der pöbelnde Partygast, mit dem irgenwie so niemand richtig reden will, stellt sich als "soziale Spaltung" vor und hat auch gleich ein paar Geschenke mitgebracht. Eins davon ist die abnehmende Bildungsgerechtigkeit, denn noch drei Jahre nach der Agenda, nämlich 2006 hatten immer noch 38% (1982: 17%) der Studierenden eine hohe soziale Herkunft, 13% (1982:13%) eine niedrige (selbstgewählte Kategorien der Sozialerhebung des DSW/HIS). Die Entkoppelung der sozialen Herkunft von der gleichen Zugriffsmöglichkeit auf Bildungsangebote, das war auch ein Ziel, das Gerhard Schröder im März 2003 in die Agenda 2010 geschrieben hat.

Jungsozialistinnen und Jungsozialisten lassen sich diese notwendige Diskussion darüber, wie Selbstverwirklichungschancen in diesem Land gerecht verteilt werden, nicht von Wirtschaftsverbandsfunktionären als Neiddebatte abwürgen. Franziska Drohsel hat für diesen Standpunkt im ZDF einen anerkennenswerten Beitrag geleistet.

Kommentare (1)

Gravatar von Thorsten Kneer
von Thorsten Kneer | 15.03.2008 | 00:09 Uhr

Lieber Ben, ich stimme vollkommen mit dir über ein, was deine Einschätzung des Beitrags von Franziska Drohsel angeht. Ich bin sogar der Meinung das wir mit ihr eine Vorsitzende haben, die uns Jusos wieder die Profilschärfe und inner- wie außerparteiliche Aufmerksamkeit zurückgewinnt, die  in den letzten Jahren (und ich war aufgrund regionaler Unstimmigkeiten im Wahlkreis 292 lange in der Beobachterposition) leider abgenommen hatte.

Doch ein Paar Worte zum Thema der Sendung will auch ich mir nicht verkneifen:

Ich empfinde es als starkes Stück von Genosse Vogel, die Blokadehaltung gegenüber der Linkspartei, auch nach dem sogenannten Hessen-Debakel, weiterhin zur Parteilinie zu (v)erklären. Diese Äußerungen sind weder geeignet verlorene  Glaubwürdigkeit wieder herzustellen, noch bieten Sie eine gute Basis für zukünftige Wahlkämpfe. Ich glaube kaum, dass alle von uns an der Basis, seine Einschätzung der Lage mittragen würden und halte deshalb auch seine Aussagen für -ganz legitime- Einzelmeinung.

Die Linke beweist ihre Regierungsfähigkeit bereits heute in Berlin und zeigt dort dass sie in der Lage ist, utopische Vorstellungen über Bord zu werfen und sich an Koalitionsverträge zu halten. SED-Nachfolgepartei? Teilweise richtig, aber ist das fast 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR und der Sowjetunion noch von Brisanz oder reine Kalte-Krieger-Romantik? Wir sollten auch nicht vergessen, dass Viele unter den "anderen Genossenen", jahrelang Inhaber unseres Parteibuchs waren.
Ich denke wir werden auf lange Sicht nicht an der Linken vorbeikommen und sollten es auch gar nicht.

Zu Herrn Hundt nur eines: wieviel soziale Kälte steckt in einem Menschen, der auf faire Entlohnung angesprochen, nur auf den Qualifizierungsgrad der entsprechenden Ex-Langzeitarbeitslosen verweist und somit die Hungerlöhne zur Wohltat erhebt? Igitt!

Wichtig ist, dass wir Jusos an einem Strang ziehen, unsere Vorstellungen von einem sozial gerechten Deutschland (allem voran: Mindestlohn, gleiche Bildungschancen) in die Öffentlichkeit tragen und vor allem den Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch unsere Arbeit vor Ort das Bild eines sozial gerechten Deutschlands vermitteln.